Ratgeber

Welche Therapie ist bei Vorhofflimmern zu empfehlen?

Bei (m, 60) mir wurde ein Vorhofflimmern diagnostiziert. Dieses kann man offenbar medikamentös oder mit einem Eingriff (Katheterablation) behandeln. Welche Methode ist besser? Wie riskant ist der Eingriff?

PD Dr. med. Richard Kobza*
Drucken
Teilen

Einer von vier Erwachsenen leidet in seinem Leben an Vorhofflimmern. Bei dieser Herzrhythmusstörung schlagen die Herzvorhöfe nicht mehr regelmässig, sondern zu schnell und unkoordiniert.

Symptome können schnelles Herzklopfen, Herzstolpern, Herzrasen, Druck auf der Brust oder Atemnot sein, zum Teil spüren Betroffene aber auch nichts. Letzteres verzögert leider oft die Diagnose und die Therapie. Wird ein Vorhofflimmern nicht korrekt behandelt, steigt das Hirnschlagrisiko.

PD. Dr. med.Richard Kobza

PD. Dr. med.Richard Kobza

Bei der Diagnose Vorhofflimmern sind vor allem vier Punkte zu beachten.

1. Ursache berücksichtigen: Besteht eine zugrunde liegende Herzerkrankung (z.B. Herzmuskel- oder Herzklappenerkrankung)? Oder besteht eine Schilddrüsenerkrankung bzw. eine andere nicht kardiale Erkrankung, die Vorhofflimmern verursacht? Klären kann das meist ein Ultraschall des Herzens (Echokardiografie). Falls möglich, soll primär die Ursache behandelt werden.

2. Hirnschlagrisiko: Dieses kann der Arzt anhand eines Risikoscores analysieren. Bei erhöhtem Risiko ist immer eine medikamentöse Blutverdünnung (orale Antikoagulation) angezeigt.

3. Wie Sie richtig erwähnen, kann das Vorhofflimmern entweder mit Medikamenten oder mittels eine Katheterablation behandelt werden. Bei der Katheterablation werden die in die linke Herzvorkammer mündenden Venen elektrisch isoliert.

Die Vor- und Nachteile der Therapien

Vorteil der medikamentösen Therapie ist das Vermeiden eines Eingriffs. Der Nachteil sind potenzielle Nebenwirkungen der Medikamente, zudem wirken diese nicht bei allen Patienten im gewünschten Ausmass.

Der Vorteil der Katheter­ablation ist, dass wir in bis zu 85 Prozent der Fälle ein Jahr nach der Behandlung kein Vorhofflimmern mehr beobachten. Der Nachteil: Die Ablation ist ein Eingriff am Herz und bedingt einen Spitalaufenthalt, wobei heute an einem Zentrum mit grosser Erfahrung das Risiko für schwere Komplikationen guten Gewissens als minim einzuschätzen ist.

Welche Therapie für Sie die geeignete ist, besprechen Sie am besten mit Ihrem Kardiologen anhand dessen Untersuchungsbefunden. Zu ergänzen ist, dass bei schon fortgeschrittener Herzerkrankung oder über viele Jahre bestehendem Vorhofflimmern die Erfolgsaussichten der Ablation deutlich tiefer einzuschätzen sind.

Anpassung des Lebensstils bringt in jedem Fall Vorteile

4. Als vierte Massnahme empfehle ich allen Betroffenen eine Lifestylemodifikation. Das heisst Reduktion des Gewichtes, gute Einstellung des Blutdruckes, Nikotina­bstinenz und Alkoholreduktion.

Falls ein Schlafapnoe-Syndrom oder eine Zuckererkrankung besteht, sollten auch diese optimal behandelt werden. Zudem empfehle ich regelmässige körperliche Betätigung: Drei- bis viermal 30 Minuten pro Woche, sukzessive steigern auf total 250 Minuten pro Woche.

Ob medikamentöse Behandlung oder Katheterablation: Mit Gewichtsreduktion und körperlicher Betätigung kann man das Vorhofflimmern reduzieren und den Behandlungserfolg insbesondere einer Katheterablation verbessern.

* PD Dr. med. Richard Kobza ist Chefarzt Kardiologie am Luzerner Kantonsspital, www.luks.ch

Lesen Sie auch
Ratgeber

Wie wird der Spargel schön zart?

Das erste Spargelgericht, das ich in dieser Saison zubereitet habe, war ein Reinfall. Und das passiert mir nicht zum ersten Mal: Oft gerät mir mein gekochter Spargel zäh und faserig. Liegt das am Spargel selber oder mache ich etwas falsch? Hätten Sie mir ein paar Tipps, wie man den Spargel zart hinbekommt?
Herbert Huber*
Ratgeber

Homeoffice: Ich vermisse meine Kollegen!

Wie so viele Menschen während der Corona-Pandemie befinde ich mich seit ein paar Wochen im Homeoffice. Von manchen Kollegen weiss ich, dass sie das Zuhausesein schätzen. Doch mir fehlt der Kontakt zu den Arbeitskollegen, ich fühle mich sozial isoliert. Was kann ich tun, um besser mit dem Alleinsein zurechtzukommen?
Lic. phil. Irène Wüest*
Ratgeber

Wieso sind viele Menschen in Zeiten von Corona so unfreundlich?

In Zeiten des Coronavirus ist inzwischen wohl jedem klar, dass man Abstand halten muss. Ich finde es jedoch traurig, dass nun einige Menschen im öffentlichen Leben nicht mal mehr einen Blickkontakt herstellen oder freundlich «Grüezi» sagen. Sollte man in diesen schwierigen Zeiten nicht mehr soziale Kompetenz beweisen?
Doris Pfyl*