Ratgeber

Wer haftet für die Sturmschäden an meinem Auto?

Während des Sturms Sabine war mein Auto auf der Strasse im Quartier parkiert. Ein grosser Ast einer Eiche des benachbarten Grundstücks krachte auf meinen Wagen. Dabei wurde das Fahrzeugdach massiv beschädigt. Wer bezahlt den Schaden?

Beat Frischkopf *
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Beat Frischkopf.

Beat Frischkopf.

In der Schweiz gibt es eine obligatorisch mit der Feuer­versicherung gekoppelte Elementarschadenversicherung. Danach sind die Versicherer dazu verpflichtet, Elementarschäden zu entschädigen. Dies sind Schäden, die durch das Wirken der Natur verursacht werden, z.B. bei Hagel, Überschwemmungen oder Erd­rutschen. Auch Sturmschäden sind ab einer Windstärke 9 (Beaufort-Skala oder 75 km/h) in der Teilkaskoversicherung mitenthalten.

Sie können somit den Sturmschaden melden, unabhängig davon, welcher Gegenstand das Auto durch den Sturm getroffen hat. Voraus­setzung ist natürlich, dass Sie nebst der obligatorischen Haftpflichtversicherung freiwillig auch ein Kaskorisiko mitversichert haben. Eine Vollkaskoversicherung (Kol­lisionsrisiko) ist dafür nicht notwendig, ausser Sie wären bloss über den bereits am Boden liegenden Ast gefahren und dies hätte den Schaden bewirkt.

Verfügen Sie über keine Teilkaskoversicherung, bleibt der Schaden an Ihnen hängen, ausser Sie könnten beweisen, dass dem Eigentümer der schä- digenden Eiche ein Vorwurf gemacht werden kann. War der Ast morsch oder altersschwach und hätte er dies sehen müssen, so können Sie den Eigentümer des Baumes für den Autodachschaden belangen. Er ist für den Unterhalt seines Gartens verantwortlich. Dazu gehört auch das Entfernen von Ästen oder gar Bäumen, die die Sicherheit der benachbarten Grundstücke (Trottoir, Strasse, Parkplatz usw.) be­einträchtigen könnten. Das Corpus Delicti würde ich aufbewahren.

Für Sturmschäden an Gebäuden, egal ob ein Fensterglas zerstört wurde, Ziegel vom Dach gefallen sind oder Storen zerstört wurden, kommt die kantonale Gebäudeversicherung (oder, in den Kantonen, wo das Obligatorium noch nicht besteht, die freiwillige Sachversicherung) auf. Selbst Folgeschäden (z.B. wenn ein Feuer durch Kurzschluss auftritt) sind mitversichert. Einzig der Selbstbehalt ist vom Geschädigten zu tragen. Damit der Versicherer zahlt, müssen aber zuvor übliche Sicherheitsvorkehrungen (z.B. Storen bei Sturm einfahren) getroffen worden sein. Beschädigte Gegenstände auf dem Balkon, der Terrasse, im Garten oder vor dem Haus sind grundsätzlich über die Hausratversicherung gedeckt.

Haftung des Nachbarn

Wenn ein Gegenstand aus dem Nachbarsgarten bei Ihnen einen Schaden verursacht hat, kann der Nachbar evtl. haftbar gemacht werden. Denkbar ist dies, wenn er die Wetterwarnung leichtfertig ignoriert und seine Sorgfaltspflicht verletzt hat, was z.B. der Fall ist, wenn er den Gartenstuhl ungesichert auf seinem Gartensitzplatz aufgestellt liess und trotz der drohenden Gefahr nichts unternahm. Dann kann er für den Schaden an Ihrem Gartenhaus haftbar gemacht werden. Im Haftpflichtrecht wird aber nur der Zeitwert ersetzt.

* Dr. iur. Beat Frischkopf ist Rechtsanwalt, Sursee; www.frischkopf.ch

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