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Ratgeber

Wer vertritt die Interessen der minderjährigen Erbin?

Mein Bruder, der sich vor mehreren Jahren hatte scheiden lassen, ist gestorben und hinterlässt als einzige Erbin seine 13-jährige Tochter. Diese lebt bei ihrer Mutter, der Ex-Frau meines Bruders. Mit ihr hatte er nicht zuletzt auch wegen der Finanzen grossen Streit. Wer vertritt nun die Tochter im Nachlass? Und wer entscheidet, wann und wofür das Erbe Verwendung findet?
Lic. iur. Reto Marbacher*

Wenn die Mutter Ihrer Nichte das Sorgerecht ausübt, vertritt diese die 13-jährige Tochter im Nachlass Ihres Bruders. Sofern die Tochter effektiv als Einzige von Ihrem Bruder erbt, ist kein Interessenkonflikt zwischen ihr und ihrer Mutter gegeben, und somit auch kein Teilungsbeistand notwendig.

Lic. iur. Reto Marbacher.

Lic. iur. Reto Marbacher.

Ein Interessenkonflikt würde hingegen wohl dann vorliegen, wenn die Tochter und die Ex-Frau letztwillig begünstigt wären. Dann wäre die Einsetzung einer Beistandsperson für die Tochter in der Erbteilung wahrscheinlich.

Die Mutter vertritt (auch) die finanziellen Interessen der minderjährigen Tochter über die Erbteilung hinaus. Von Gesetzes wegen haben Eltern, denen die elterliche Sorge obliegt, das Recht und die Pflicht, das Kindesvermögen zu verwalten, somit auch eine Erbschaft. Sobald die Tochter volljährig (18) geworden ist, entscheidet sie hingegen selber über ihr Vermögen.

Kindesvermögen

Von Gesetzes wegen darf die Mutter die Erträge des Vermögens der 13-jährigen Tochter für deren Unterhalt, Erziehung und Ausbildung und unter Umständen auch für die Bedürfnisse des Haushaltes verwenden. Auf das Kindesvermögen selber hingegen darf sie ohne Zustimmung der Kesb nur ausnahmsweise zugreifen.

Ist nicht gewährleistet, dass das Kindesvermögen gemäss den gesetzlichen Vorgaben verwaltet wird, kann die Kesb Massnahmen treffen, etwa eine Vermögenssperre anordnen oder die Vermögensverwaltung einer Drittperson übertragen.

Soll das Risiko einer zweckwidrigen Verwendung einer Erbschaft reduziert werden, sind idealerweise letztwillige Vorkehrungen zu treffen. So hätte Ihr Bruder z.B. die Möglichkeit gehabt, seiner Tochter die Erbschaft stufenweise zukommen zu lassen, d.h. den Pflichtteil sofort, den Rest (die freie Quote) auf einen späteren Zeitpunkt nach Erreichen der Volljährigkeit. Solche Anordnungen dürften künftig zusätzlich an Bedeutung gewinnen, weil voraussichtlich in 1–3 Jahren das revidierte Erbrecht in Kraft treten wird. Damit wird der Pflichtteil von Nachkommen von derzeit 3/4 auf voraussichtlich 1/2 des gesetzlichen Erbteils reduziert.

Andere Person beauftragen

Selbst der Pflichtteil darf aber in die Überlegungen mit einbezogen werden: Von Gesetzes wegen darf auch dieser – voraussetzungslos – von der elterlichen Verwaltung ausgenommen werden. Ihr Bruder hätte als Erblasser mittels Testament die Verwaltung über das seiner Tochter vererbte Vermögen einer Person seines Vertrauens (z.B. seinem Willensvollstrecker) übertragen können. Auf Aufforderung hin hat die mit der Verwaltung der Erbschaft eines Kindes betraute Person der Kesb periodisch Bericht zu erstatten bzw. abzurechnen.

* Lic. iur. Reto Marbacher, Luzern, ist Rechtsanwalt und Notar, Fachanwalt SAV Erbrecht; www.beeler-marbacher.ch

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