Ratgeber

Weshalb kommt es zur Unterfunktion der Schilddrüse?

Meine Fragen drehen sich um die Schilddrüsenunterfunktion. Ist diese Krankheit dasselbe wie eine Hashimoto, oder wo ist der Unterschied? Ist eine Schilddrüsenunterfunktion heilbar, oder muss lebenslänglich ein Ersatzhormon eingenommen werden? Ist es möglich, die beiden Erkrankungen mittels Ernährung zu mildern?

Prof. Dr. med. Gudrun Neises*
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Bei der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und der Hashimoto-Thyreoiditis handelt es sich grundsätzlich um zwei verschiedene Erkrankungen, die aber oft gemeinsam auftreten. Deshalb werden sie gerne gleichgesetzt.

Wer an einer Schilddrüsenunterfunktion leidet, ist unzureichend mit Schilddrüsenhormonen versorgt. Mögliche Ursachen sind Medikamente, Jod-Mangel, operative Entfernung der Schilddrüse oder Schilddrüsenentzündungen. Meistens wird die Schilddrüsenunterfunktion medikamentös behandelt, je nach Ursache kann sich die Hormonausschüttung aber normalisieren, ohne dass eine lebenslängliche Therapie mit Schilddrüsenhormonen notwendig ist.

Prof. Dr. med. Gudrun Neises

Prof. Dr. med. Gudrun Neises

Auch die Hashimoto-Thyreoiditis kann zu einem Mangel an Schilddrüsenhormonen führen, sie ist bei Erwachsenen sogar die häufigste Ursache dafür. Allerdings handelt es sich bei der Hashimoto-Thyreoiditis um eine Störung des Immunsystems: Im Blut werden Antikörper gebildet, die zu einer entzündlichen Reaktion der Schilddrüse und zu ihrer Zerstörung führen können.

Frauen erkranken rund zehnmal häufiger an einer Hashimoto-Thyreoiditis als Männer. Entscheidend für das Auftreten der Autoimmunerkrankung ist eine genetische Neigung. Häufig sind nahe Verwandte ebenfalls von einer Schilddrüsen- oder einer Autoimmunerkrankung betroffen. Wer sowohl an einer Schilddrüsenunterfunktion als auch an einer Hashimoto-Thyreoiditis erkrankt, muss in der Regel lebenslang Hormone einnehmen. Es gibt aber auch Hashimoto-Patientinnen und -Patienten, die eine normale Schilddrüsenfunktion haben und nicht mit Hormonen behandelt werden müssen.

Bezüglich Ihrer Frage der Ernährung ermöglichen die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse keine allgemeinen Empfehlungen für Hashimoto-Erkrankte. Die Studienlage rechtfertigt auch keine generellen Ratschläge zur Einhaltung einer glutenfreien Kost oder zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.

Ausgewogene Ernährung und ausreichend Jod

Menschen mit der Autoimmunerkrankung sollten sich auf jeden Fall normal, das heisst gesund ernähren. Eine ausgewogene Ernährung und eine ausreichende Jodversorgung bilden eine gute Basis für die Funktion der Schilddrüse. Jod ist unentbehrlich für die Bildung von Schilddrüsenhormonen. Daher ist eine jodarme Ernährung bei Hashimoto-Thyreoiditis nicht empfehlenswert. Nützlich sind zudem selenreiche Nahrungsmittel wie etwa Nüsse oder Meeresfrüchte. Ebenso sollte darauf geachtet werden, dass der Körper genügend Vitamin D3 und Eisen erhält. Bekannt ist, dass ein Eisenmangel die Funktion des wichtigen, eisenabhängigen Schilddrüsenenzyms Thyreoperoxidase vermindert und die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen kann.

* Prof. Dr. med. Gudrun Neises ist Fachärztin für Endokrinologie/Diabetologie und Innere
Medizin an der Hirslanden-Klinik St. Anna, Luzern, www.hirslanden.ch/stanna

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