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Weste zum Anzug: Ist das wirklich spiessig?

Ich (m, 52) trage gerne Westen/Gilets zum Anzug. Nun liegt mir aber meine Frau in den Ohren, das sehe heutzutage spiessig aus, das würden nur noch ältere Herren tragen. Auch moniert sie, dass ich bisweilen nicht darauf achte, ob der Gürtel farblich zu den Schuhen passt. Mir ist das nicht so wichtig. Was sagt die Stilkundige dazu?

Doris Pfyl*
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Doris Pfyl

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Ich finde Herren mit Gilet keinesfalls spiessig. Im Gegenteil: Ein Herr mit Gilet zeigt für mich Stil und modisches Verständnis. Denn das zusätzliche Teil verleiht einem Outfit Individualität und Pep. Das mag ein Grund sein, weshalb die Mode dieses Bekleidungsteil auch seit einiger Zeit wieder variantenreich anbietet und viele Herren es zu einem festen Bestandteil ihrer Garderobe zählen. Ausserdem sind Gilets praktisch. In den kühleren Jahreszeiten wärmt der zusätzliche Stoff, und ein Mann ist damit sprichwörtlich «angezogener», wenn er sich seiner Jacke oder des Vestons entledigt.

Natürlich entfaltet ein Gilet nur eine gute Wirkung, wenn es auch typgerecht gewählt und nicht zu gross getragen wird. Ansonsten wirkt ein Mann darin tatsächlich spiessig oder sogar «veraltet». Ein Gilet muss körpernah anliegen, den Hosenbund bedecken, und der unterste Knopf bleibt offen.

Das Gilet zum Anzug ist relativ einfach erklärt: Es ist aus demselben Stoff gefertigt und in derselben Farbe gehalten wie der Anzug. Der Rücken korrespondiert mit dem Innenfutter des Anzuges und verfügt über eine justierbare Taillenweite. In dieser Kombination getragen, wirkt ein Gilet sehr formell und elegant. Stil- und traditionsbewusste Herren tragen es deshalb nach wie vor gerne.

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Eine andersfarbige Weste kombiniert zum Hemd, einer Jeans oder Chinohose wirkt unkomplizierter, individueller und modischer. Bei diesen Varianten kommen Modelle aus elastischem, strukturiertem Material zum Einsatz. Sie kommen unifarben, gestreift oder kariert daher. Junge Herren tragen ihr Gilet auch gerne zum Shirt. Sie haben entdeckt, dass sie damit unkompliziert und cool umstylen können. Aber auch bei diesen Modellen gilt: Das Gilet muss sitzen.

Beim zweiten Thema pflichte ich Ihrer Frau bei: Gürtel und Schuhe sollen farblich aufeinander abgestimmt sein. Je offizieller der Anlass, desto konsequenter ist diese Regel einzuhalten. Das heisst, dass in jede Herrengarderobe mindestens ein schwarzer Schuh mit dazu passendem Gurt gehört. Wobei ein Set oft nicht ausreicht. Wenn der Schuh täglich getragen wird, muss aufgestockt werden. Ein Lederschuh sollte sich doppelt so lange erholen können, wie er getragen wurde. Beim Gurt verhält es sich ähnlich. Deshalb empfehle ich, auch eine Kombination in Dunkelbraun anzuschaffen. Diese wirkt weniger offiziell und ist auch prima zu freizeitlicheren Outfits tragbar.

Augen offen halten

Die Suche nach dem passenden Gurt zu «exotischeren» Schuhfarben wie Cognac ist nicht selten mit grossem Zeitaufwand verbunden. Es macht also Sinn, beim Schuhkauf auch gleich nach dem assortierten Gurt Ausschau zu halten. Glücklicherweise bewegt sich die Mode laufend. So ist es mittlerweile in Ordnung, wenn zum knallgrünen Sneaker der Gurt eine Bekleidungsfarbe aufnimmt. Also zur blauen Hose ein blauer Gurt, oder zum Shirt mit rotem Aufdruck der rote Gurt.

*Doris Pfyl ist Knigge-Trainerin, Farb- und Modestilberaterin, Ausbildnerin des Schweizer Fachverbands FSFM, www.imagemodestil.ch

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