Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ratgeber

Wie bringe ich meinen Mann zum Reden?

Ich (w, 57) lebe 25 Jahre mit meinem Partner zusammen. Unsere Kommunikation war zu Beginn offen. Im Laufe der Zeit hat sich mein Partner aber zurückgezogen. Wenn ich ihn etwa auf etwas anspreche, was mich stört, reagiert er sehr wortkarg. Manchmal schweigt er nach einer einfachen Frage drei Tage lang. Das macht mich hilflos.
Eugen Bütler*

Es ist irritierend, wenn ein Partner so lange das Gespräch verweigert. Schweigen kann in einer Partnerschaft eine Waffe sein. Doch warum braucht Ihr Partner das? Fühlt er sich bedroht und muss sich verteidigen? Natürlich fragen Sie sich, wie Sie sein Verhalten ändern können, damit es Ihnen besser geht.

Eugen Bütler.

Eugen Bütler.

Das scheint nicht zu genügen. Vielmehr lautet die Frage: Was hindert Sie beide (!) an einer Kommunikation, die auf Verständnis und Wohlwollen beruht? Das Problem, das Sie beschreiben, kann also nur von beiden Seiten her gelöst werden.

Innere Distanz statt Liebe

Zudem geht es nicht nur um Kommunikation, sondern viel allgemeiner um Ihre Beziehung. So wie Sie Ihr Verhältnis schildern, klingt es nicht mehr nach einer Liebesbeziehung. Das tagelange Schweigen Ihres Partners weist auf eine schon fortgeschrittene innere Distanz hin. Dem Grund dafür müssten Sie beide nachgehen. Was hat dazu geführt, dass Ihr Mann sich so zurückzieht? Woher kommt seine damit verbundene tiefer liegende Unzufriedenheit? Was stört ihn an Ihrer Kommunikation? Was wird durch Ihr Verhalten in ihm vielleicht an nicht verarbeiteten Verletzungen aus der Vergangenheit wachgerufen?

Fragen, was ihn stört

Wie Sie sehen, gibt es mehr Fragen als Antworten. Ich kann Ihnen nur empfehlen, mit Ihrem Mann das Gespräch zu suchen. Teilen Sie ihm mit, wie sehr Sie unter seinem Rückzug leiden, und bitten Sie ihn, Ihnen zu sagen, was ihn in solchen Momenten stört. Tun Sie das in einem ruhigen stressfreien Moment. Fragen Sie ihn, was ihm ganz allgemein in der Partnerschaft fehlt und was er gerne anders hätte. Bitten Sie ihn dann, auch Ihre Bedürfnisse anzuhören und sich dazu zu äussern.

Wenn Sie nicht weiterkommen, suchen Sie sich eine Fachperson, eventuell zuerst für sich selber, dann auf jeden Fall gemeinsam. Sollte Ihr Mann sich all dem inklusive externer Beratung verschliessen, rate ich Ihnen, die eigenen Bedürfnisse bezüglich Ihrer Partnerschaft zu notieren. Kommunizieren Sie diese dann Ihrem Partner mündlich oder schriftlich.

Sollte er dafür kein Verständnis zeigen, ist der Zeitpunkt gekommen, sich darüber Gedanken zu machen, ob Sie die Beziehung weiterführen wollen. Stimmt es für Sie, diesen Zustand weiter zu ertragen? Wie könnte das gehen? Oder wollen Sie zu Ihrem Partner auf Distanz gehen, eine Auszeit nehmen? Oder die Beziehung beenden?

Beide Wege sind nicht einfach. Es lohnt sich aber, sich persönlich Klarheit zu verschaffen. Wenn Ihr Mann und Sie bereit sind, einen gemeinsamen Prozess zu gehen, besteht die Aussicht auf eine Verbesserung. Es braucht dazu viel Offenheit von beiden Seiten und den Wunsch, den Partner wirklich zu verstehen. Und es braucht sowohl Ihre Bereitschaft wie auch diejenige Ihres Partners, die je eigenen Anteile zu sehen und anzugehen. Ich wünsche Ihnen Geduld, Mut und Kraft, um eine solche Entwicklung in Gang zu bringen.

* Eugen Bütler, Luzern, ist psychologischer Berater, dipl. Ergotherapeut, Theologe, Einzel- und Paarberatung; www.buetlercoaching.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.