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Wie gefährlich ist dieser sogenannte Horrorpilz?

In den Medien gab es in den letzten Wochen Schlagzeilen über einen «Horrorpilz», der tödlich sein könne. Er soll sich rasant ausbreiten, vor allem in Spitälern und Heimen. Wie ernst muss man das nehmen?

Dr. med. Christina Orasch*
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Der erwähnte Pilz ist der Hefepilz mit dem Namen Candida auris. Erstmals festgestellt wurde er 2009 bei einem Ohreninfekt eines japanischen Patienten. Daher der lateinische Zusatz «auris» (Ohr). Inzwischen hat sich Candida auris über den ganzen Globus verbreitet, weshalb er dann und wann zum Medienthema wird, denn die Gefahr, die von Candida auris ausgeht, ist effektiv nicht zu unterschätzen.

Dr. med. Christina Orasch

Dr. med. Christina Orasch

In der Schweiz gibt es aber momentan keine Hinweise für eine akute Bedrohung. Hierzulande ist bisher nur ein Fall von einem Candida-auris-Befall aus dem Jahr 2017 bekannt: Eine Frau hatte sich in Spanien infiziert und wurde dann in ein Genfer Spital überführt, wo sie schliesslich verstarb.

Aber auch wenn wir bislang von Befällen noch weitgehend verschont geblieben sind, ist die Gefahr, die von Candida auris ausgeht, ernst zu nehmen. Hauptgrund: Der Erreger kann nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch über Oberflächen übertragen werden. Zudem ist er gegen viele gängige Pilzbehandlungsmittel resistent. Die Voraussetzung für eine Epidemie wäre so gegeben.

Gefahr vorab für geschwächte Menschen

Dass sich ein Befall zu einer Infektion auswächst, hängt allerdings auch vom Patienten ab. Dazu muss man wissen, dass wir alle von vielen Bakterien und in geringerem Ausmass auch von Pilzen besiedelt sind – auf der Haut und auf den Schleimhäuten. Das ist unproblematisch, ja viele Bakterien und Pilze sind sogar nützlich für uns. Das gilt nicht für Candida auris, aber auch dieser Pilz stellt kein Problem dar, solange unsere Organe und das Immunsystem intakt sind. Bei geschwächten Patienten aber drohen bei einem Befall schwer­wiegende Infektionen, die im Fall von Candida auris und anderen Erregern tödlich enden können. Das stellt gerade Spitäler vor grosse Herausforderungen, weil hier viele kranke Menschen aufeinandertreffen.

Dass wir in der Schweiz bis anhin glimpflich davongekommen sind, ist nicht einfach Glück. Denn Candida auris tritt – wie auch andere multiresistente Erreger – vor allem dort auf, wo Antibiotika und Antimykotika (Antipilzmedikamente) unsachgemäss oder übermässig eingesetzt werden, in der Human- und auch in der Tiermedizin. Das kann zu Multiresistenzen führen, gefährliche Bakterien und Pilze sprechen dann nicht mehr auf die Therapie an.

Betroffene Patienten würden sofort isoliert

Anders als etwa in Südeuropa oder auch in den USA werden in der Schweiz die erwähnten Medikamente in aller Regel sehr gezielt eingesetzt. Und dank guter Überwachung wird ein Patient sofort isoliert, wenn irgendwo ein problematischer Erreger festgestellt wird.

Sollten sich Candida-auris-Fälle im nahen Ausland häufen, würden insbesondere Patienten, die von einem ausländischen Spital in die Schweiz repatriiert werden, screeningmässig auf diesen Pilz untersucht. Im Moment gibt es keine entsprechende Empfehlung seitens des Bundesamts für Gesundheit (BAG) oder von den Fachgesellschaften. Gleichwohl ist man sich der potenziellen Gefahr bewusst und bleibt in den Kliniken wachsam.

Anders als für rund fünfzig andere problematische Infektionskrankheiten gilt für Candida auris noch keine Meldepflicht. Diese einzuführen, obliegt dem BAG. Wird aber eine unübliche Häufung eines Keims festgestellt, muss dies auch ohne Meldepflicht zwingend weitergeleitet werden.

* Dr. med. Christina Orasch ist Leiterin für Infektiologie und Spitalhygiene, Hirslanden-Klinik St. Anna, Luzern www.hirslanden.ch/stanna.

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