Ratgeber

Wie kann die Erbschaft ausgeschlagen werden?

Nach dem Tod unseres Vaters wissen wir (3 Geschwister) nicht, ob seine Schulden grösser sind als sein Nachlass. Wie können wir das Erbe ausschlagen? Müssten dies dann auch unsere Nachkommen tun? Wie kann sich unsere Familie definitiv von der Schuldenlast unseres verstorbenen Vaters befreien?

Simeon Beeler*
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Simeon Beeler.

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Die Erben haben das Recht, die Erbschaft auszuschlagen. Die Ausschlagung muss innert einer Frist von drei Monaten ab Kenntnis vom Tod des Erblassers erklärt werden. Sie ist bei der zuständigen Behörde (in Ihrem Wohnsitzkanton Luzern z.B. beim Teilungsamt des letzten Wohnsitzes des Erblassers) mündlich oder schriftlich zu erklären.

Wird innert Frist keine Ausschlagung erklärt, erwerben die Erben die Erbschaft vorbehaltlos, d.h. die Erb­-schaft gilt mit den Schulden als angenommen.

Ausschlagung kann auch verwirkt werden

Zu beachten ist ausserdem, dass das Recht zur Ausschlagung verwirkt werden (sprich: entfallen) kann. Dann beispielsweise, wenn ein potenzieller Erbe sich in die Ange­legenheiten der Erbschaft einmischt, Handlungen vornimmt, die nicht durch die blosse Verwaltung der Erbschaft und durch den Fortgang der Geschäfte des Erblassers gefordert sind, oder sich Erbschaftssachen aneignet oder verheimlicht.

Sofern die Zahlungsunfähigkeit des Erblassers im Zeitpunkt seines Todes amtlich festgestellt oder offenkundig ist, besteht eine gesetzliche Vermutung zu Gunsten der Ausschlagung.

Dann müsste die Erbschaft explizit angenommen werden. Aber auch in diesem Fall gilt die Erbschaft durch einen Erben als angenommen, wenn er durch Handlungen (siehe oben) die Ausschlagung verwirkt hat.

Müssen auch die Nach- kommen ausschlagen?

Bei Ausschlagung eines von mehreren Erben vererbt sich dessen Anteil, wie wenn er vorverstorben wäre. Schlagen Sie aus, rutschen Ihre Nachkommen als Erben nach.

Wird die Erbschaft jedoch von allen nächsten gesetzlichen Erben ausgeschlagen, kommt es zu einer konkursamtlichen Liquidation. Resultiert bei der Liquidation ein Überschuss, wird dieser den Erben überlassen, wie wenn keine Ausschlagung stattgefunden hätte.

Öffentliches Inventar verlangen

Wie kann sich die Familie definitiv von der Schuldenlast befreien? Im Falle der Ausschlagung werden keine Schulden übernommen. Das Gesetz sieht vor, dass jeder Erbe ein öffentliches Inventar verlangen kann. Dieses muss innert Monatsfrist in der gleichen Form wie die Ausschlagung bei der zuständigen Behörde verlangt werden.

Jeder Erbe muss sich einzeln erklären

Nach Abschluss des Inventars wird jeder Erbe aufgefordert, sich binnen Monatsfrist über den Erwerb der Erbschaft zu erklären. Innert dieser Frist kann die Erbschaft ausge­schlagen, unter öffentlichem Inventar oder vorbehaltlos angenommen werden oder es kann die amtliche Liquidation verlangt werden.

* Lic. iur. Simeon Beeler ist Rechtsanwalt/Notar, Fachanwalt SAV Erbrecht, Beeler & Marbacher AG, Luzern; www.beelermarbacher.ch

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