Wie kann ich den notorischen Sprücheklopfer stoppen?

Ein Bekannter glaubt stets, sich in grösserer Runde als nimmermüder «Hofnarr» betätigen zu müssen. Seine Witze und Sprüche sind jedoch nicht sehr lustig – er erntet höfliches Schmunzeln, danach folgt betretenes Schweigen. Er verunmöglicht aber das Aufkommen ernsthafter Gespräche. Wie ihn stoppen, ohne ihn blosszustellen?
Irène Wüest Häfliger
Irène Wüest Häfliger. | Bild: PD

Irène Wüest Häfliger. | Bild: PD

Spässe machen gute Laune, bauen Stress ab, können das Wirgefühl fördern und einer schwierigen Situation eine andere Richtung geben. Wichtig beim Anekdoten- bzw. Witzeerzählen und Sprücheklopfen ist jedoch, das Fingerspitzen­gefühl walten zu lassen.

Den perfekten Ort für den guten Witz gibt es nicht. Humor ist nicht planbar. Dennoch gilt es, stets den Kontext zu beachten! Ein cooler Spruch, der in unkomplizierter Kollegenrunde für schallendes Gelächter sorgt, verliert am gepflegten Essen oft seine Leichtigkeit. Hier ist eher dezentes Auftreten angezeigt. Denn je grösser das Publikum, desto höher die Gefahr, dass jemand die Einlage nicht witzig findet – der nett gemeinte Spruch geht nach hinten los und nervt.

Wiederholen Sie einen Witz nicht öfter als einmal. Die wenigsten humorvollen Beiträge werden lustiger, je öfter man sie hört – sie wirken dann eher bemüht und werden peinlich.

Leider merken einige Menschen nicht, dass sie mit ihren Scherzen negativ auffallen. Dass Zuhörer ein Problem mit dem «notorischen Unernst» haben könnten, scheint ihnen nicht bewusst zu sein. Deshalb bringt es herzlich wenig, wenn Sie während des Zuhörens die Augen verdrehen, die Nase rümpfen, den Kopf schütteln, ein böses Gesicht machen – und danach den Beitrag mit Schmunzeln und Schweigen quittieren. Allenfalls merkt der Scherzkeks, dass etwas nicht in Ordnung ist. Was das aber mit ihm zu tun hat und was Sie von ihm erwarten, liest er in aller Regel nicht daraus. Wenn Sie also etwas bewirken bzw. ändern wollen, müssen Sie dar­über reden, ganz nach dem Motto: Probleme löst man am besten, indem man sie anspricht.

Suchen Sie Rat?

Schreiben Sie an: Ratgeber, Luzerner Zeitung, Maihofstrasse 76, 6002 Luzern. E-Mail: ratgeber@luzernerzeitung.ch Bitte geben Sie bei Ihrer Anfrage Ihre Abopass-Nummer an.

Hier eine wirksame Strategie, um den Sprücheklopfer zu bremsen, bevor betretenes Schweigen eintritt:

— Greifen Sie ein Wort aus dem Witz auf und leiten Sie das Gespräch damit auf «seriöse» Bahnen um: «Beim Stichwort ‹soundso› fällt mir ein ...» Stellen Sie sodann eine Frage an die anderen Mitglieder der Runde.

— Erzählt der Witzbold hartnäckig weiter, versuchen Sie es auf diese Weise: «Deine Witze sind recht interessant. Vielleicht können wir später eine zweite Runde einlegen.» Versuchen Sie daraufhin, sofort andere Teilnehmer ins Gespräch zu ziehen.

— Falls diese Varianten nichts fruchten, scheint das Problembewusstsein beim Witzeerzähler noch nicht vorhanden zu sein. Nehmen Sie ihn kurz zur Seite, und sprechen Sie das Thema unter vier Augen an.

Höflich, aber eindeutig

Machen Sie in höflichen Worten, aber dennoch unmissverständlich klar, dass er alle anderen mit seinen Einlagen langweilt oder gar nervt: «Mir ist aufgefallen, dass du Witze aus deinem Repertoire kundtust, die nicht passen, immer die gleichen sind und uns langweilen. Hast du bemerkt, dass keiner schallend lacht und betretenes Schweigen herrscht? Ich bitte dich, unterlass doch deine Einlagen. Wir schätzen deine Anwesenheit auch ohne Sprüche.»

Spass ist, was sich selbst und andere zum Lachen bringt!

*Irène Wüest Häfliger, Soziologin und Sozialpsychologin Expertin für Stilfragen. Infos: www.stilprofil.ch

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