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Ratgeber

Wie lange sollen wir die Kinder abends fernsehen lassen?

Unsere Kinder (4 und 6) schauen sehr gerne Trickfilme im Fernsehen oder auf Youtube, vor allem nach dem Nachtessen. Wir wissen nicht so recht, wie lange wir sie schauen lassen sollen. Oder ist es vor allem wichtig, dass wir mit ihnen zusammen schauen? Oder was sie darüber hinaus tagsüber gemacht und erlebt haben?
Josef Jung*

Sie sprechen gleich zwei erzieherische Herausforderungen an: Fernsehkonsum von kleinen Kindern und die «Zu Bett gehen»-Situation.

Zum TV-Konsum gibt es nur sich dauernd verändernde Regeln. Auch in der Forschung konkurrenzieren sich Studien, wonach Fernsehen Sprache und Entwicklung fördere, bis zu solchen, gemäss denen TV-Konsum der Entwicklung der Kinder völlig abträglich sei.

Josef Jung.

Josef Jung.

Fakt ist, dass das TV-Gerät sehr präsent im Wohnraum steht, einfach zu bedienen und leichter an- als abzuschalten ist. Als allgemeine Empfehlung ergibt sich für Kinder im Alter von drei bis sechs etwa eine halbe Stunde maximale tägliche Fernsehzeit. Nun haben aber manche Animationsfilme Spielfilmlänge, also 60 oder mehr Minuten. Da schon beginnt die Herausforderung!

Schauen Sie nach Möglichkeit mit den Kindern zusammen und benutzen Sie den Fernseher nicht als Babysitter, was sehr verführerisch und im Alltagsgeschehen verständlich ist. Kinder in diesem Alter brauchen einen Ansprechpartner, um das Gesehene zu begreifen und zu verarbeiten. Ihre Unterscheidung zwischen Fantasie und Wirklichkeit ist noch nicht so gefestigt.

Mindestens so wichtig wie das Geschehen im Fernsehen ist Ihre Präsenz. Die Kinder mögen sich dann sogar bei Ihnen ankuscheln. Dann kann das gemeinsame Schauen eines Videos ein schönes Erlebnis werden. Dabei spielt das «Analoge» (Kuscheln, darüber sprechen usw.) die wohl grössere Rolle als das virtuelle Geschehen.

Nicht vor dem Schlafen

Beginnen Sie frühzeitig mit der Einstimmung auf das Schlafengehen. Sie können die abendliche Routine, die möglicherweise mit dem Nachtessen beginnt, dazu nutzen. Damit Kinder gut den Schlaf finden, sollten sie schon vorher etwas zur Ruhe kommen. Dabei ist das Fernsehen oft ungeeignet, weil der Inhalt die Kinder eher anregt. Das wäre so, als wenn Sie kurz vor der Schlafenszeit mit den Kindern ein wildes Räuber-und-Polizei-Spiel veranstalten, dieses dann abrupt beenden und «Jetzt schlafen!» verordnen würden.

Für das Gehirn ist es egal, ob das «Aufdrehen» analog, also durch Herumtoben in der Wohnung, oder digital durch eine Verfolgungsjagd im Trickfilm stattfindet. Es kann Eltern irritieren, wenn Kinder nach dem Fernsehen nicht gleich umstellen können auf den geruhsamen Abendrhythmus.

Wie ein geeignetes Abendritual aussieht, ist individuell und abhängig von den Bedürfnissen der Eltern und der Kinder. Wichtig ist, dass Sie es kreieren und auch immer wieder der Entwicklung der Kinder anpassen. Ein Ritual hat einen Beginn, einen Schluss und zieht sich nicht unendlich in die Länge. Viele Eltern bauen dabei das Erzählen über das am Tag Erlebte ein. Das kann sehr bereichernde Momente geben, in denen die Kinder sich Ihnen öffnen und Ihnen Einblicke in die kindliche Erlebenswelt geben.

* Dr. phil. Josef Jung, Hitzkirch, ist eidg. anerkannter Psychotherapeut; www.psychotherapie-jung.ch

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