Ratgeber

Wie überwinde ich meine Redescheu?

In meiner neuen Position muss ich vermehrt vor Publikum sprechen. Nicht selten hören mir 30 bis 80 Personen zu. Ich bin stets extrem nervös, weiss nicht, wie ich das in den Griff bekommen kann. Haben Sie Tipps?

Doris Pfyl*
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Doris Pfyl

Doris Pfyl

Auf einer Liste der unbeliebtesten Tätigkeiten rangierte das Halten eines Vortrags bestimmt sehr weit oben. Sich vor Menschen zu stellen, egal, wie gross die Anzahl Zuhörender ist, macht vielen Mühe. Aber das Positive gleich vorab: Lampenfieber gehört dazu und ist durchaus nützlich. Denn die vom Lampenfieber ausgelöste Nervosität und Anspannung sorgen für eine erhöhte Adrenalinproduktion. Der Körper wird besser mit Energie versorgt, die Aufmerksamkeit steigt – das befähigt zu Höchstleistungen!

Woher die Redeangst?

Das klingt sehr theoretisch und hilft Ihnen vermutlich noch nicht weiter. Deshalb macht es sicher Sinn, sich zu überlegen, woher die Redeangst kommt. Ist es die Angst, zu versagen und damit auf Ablehnung zu stossen? Die Furcht vor einer Blamage und dem Ausgelachtwerden? Vielleicht ist Ihnen das tatsächlich schon passiert – etwa als Kind in der Schule. Und dieses negative Erlebnis hat sich in Ihrem Kopf festgekrallt.

Wer Angst überwinden möchte, muss sich dieser bewusst stellen. Natürlich ist das kein Pappenstiel. Die Angst ist eventuell tief verankert. Das bedeutet aber nicht, dass man ihr hilflos ausgeliefert sein muss. Es gibt tatsächlich einige Tricks, wie dieses schlechte Gefühl unter Kontrolle gehalten werden kann.

Suchen Sie Rat?

Schreiben Sie an: Ratgeber, «Luzerner Zeitung», Maihofstrasse 76, 6002 Luzern  E-Mail: ratgeber@luzernerzeitung.ch. Bitte geben Sie bei Ihrer Anfrage Ihre Abopass-Nummer an.

Wenn Sie vor Ihrem Auftritt merken, dass Panik und Nervosität Überhand gewinnen, sollten Sie eine Entspannungsübung ausführen. Eine nach meiner Erfahrung sehr effiziente Übung ist: Einatmen und die Luft vor dem Ausatmen einige Sekunden anhalten. Das wiederholt man so lange, bis eine Entspannung spürbar wird.

Ein ganz wichtiger Punkt ist sicher, gut vorbereitet zu sein. Steigen Sie nun mit einer persönlichen Anekdote ein und erzählen Sie etwas Ihnen sehr Vertrautes. Wenn die ersten Sätze sitzen, kann Ihnen eigentlich nichts mehr passieren. Sie spüren das Wohlwollen der Zuhörer, und das wiederum bestärkt Sie.

Um sich körpersprachlich sicher zu fühlen, stellt man sich am besten hüftbreit, mit geradem Rücken hin und lässt das Körpergewicht ganz bewusst gleichmässig auf beiden Füssen ruhen. Das sorgt für Stabilität und wirkt auf die Zuhörenden souverän.

Eine bewährte Methode ist auch, sich «an etwas festzuhalten». Das können einige Karteikarten sein. Oft genügt bei Lampenfieber die Gewissheit, darauf schauen zu können, sollte man den Faden verlieren.

Freundliche Augen suchen

Auch wenn es Ihnen erst schwerfällt: Halten Sie mit dem Publikum Blickkontakt. Suchen Sie zunächst eine Person, die Ihnen sympathisch erscheint, halten Sie mit ihr ein paar Sekunden Blickkontakt. Dann fixieren Sie die nächste sympathische Person etc. Augenkontakt lässt das Publikum aufmerksam bleiben. Sie werden auch Zeichen von Zustimmung in Form von Nicken erkennen können. Das macht Mut. Halten Sie sich an freundlich nickende Zuhörer, nicht an jene mit verschränkten Armen und mürrischen Gesichtern.

Erwarten Sie nach der Präsentation nicht zu viele Komplimente. Es gibt die 2-2-96-Regel: Nach einem Vortrag vor 100 Personen werden zwei begeistert gratulieren, zwei die Meinung vertreten, der Vortrag sei nichts sagend gewesen. 96 Personen werden die Rede versiert und ansprechend finden. Ein tolles Resultat!

*Doris Pfyl ist Knigge-Trainerin, Farb- und Modestilberaterin, Ausbildnerin des Schweizer Fachverbands FSFM, www.imagemodestil.ch

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