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Ratgeber

Wie verhindere ich Familienstreit an Weihnachten?

In den letzten Jahren habe ich (49, w) erlebt, dass zu Tisch an Weihnachten plötzlich hitzige Diskussionen losbrechen, die dann sogar Richtung Streit gehen und die Stimmung verderben. Dabei kann es etwas Familiäres oder Politisches sein. Wie kann man solches vermeiden? Und was kann ich notfalls tun, um eine Eskalation einzudämmen?
Josef Jung *

Weihnachten ist vor allem ein Fest der Kinder, nicht umsonst steht auch ein Kind im Mittelpunkt des Festes. Moderne Erwachsene haben viel Wahlfreiheit, so auch, wie man die Festtage verbringen will. Doch Kinder wollen das volle Programm. Hier kommt auch ein anderes, nicht modernes Zeitverständnis zum Vorschein: Alle Jahre wieder ..., das Rituelle, das Bekannte, das Sichere, das im Gegensatz zu einem modernen, linearen – immer weiter, immer schneller – Zeitverständnis steht.

Der Preis ist eine Unfreiheit: Man ist gezwungen zu wählen, wie man Weihnachten verbringen will. Will ich mich wieder mit all jenen Familienangehörigen zusammensetzen, denen ich sonst im Laufe des Jahres eher ausweiche? Im Gegensatz dazu ist das Ritual unfrei, alles ist mehr oder weniger festgelegt, etwa das Fondue chinoise. Nun schreiben Sie, dass Sie an Weihnachten auch etwas Rituelles erleben – plötzliche heftige Diskussionen oder sogar Streit.

Sich selber nicht überfordern

Dies scheint so zuverlässig zu sein, dass Sie die Wiederkehr bereits jetzt befürchten. Wir können nicht anders, als uns Weihnachten als harmonisches Zusammensein im Kreis der Lieben vorzustellen. Deshalb sind wir wenig vorbereitet und enttäuscht, wenn Meinungsverschiedenheiten auftreten.

Dabei sind Differenzen unvermeidlich, wenn Menschen mit unterschiedlichen Weltanschauungen längere Zeit zusammensitzen. Besonders dann, wenn sie aus der eigenen Familie sind. Angehörige haben sich eben unterschiedlich entwickelt. Es ist unwahrscheinlich, dass sie den Erwartungen von Freude und Liebe gerecht werden. Es ist sogar wahrscheinlich, dass die Festtage «einladen», oft kaschierte Animositäten oder verletzende Schlagabtausche von einst wieder hochzukochen. Man will die Gelegenheit da nutzen, um endlich die «Wahrheit» zu verkünden oder auftauchende alte Verletzungen aus den Kindertagen zu rächen.

Wenn Sie die Verantwortung übernehmen, das zu verhindern, oder, falls es dann doch losgeht, einzudämmen, so überfordern Sie sich möglicherweise damit und sind dann enttäuscht, dass Sie es diesmal wieder nicht geschafft haben. Denn wenn das Ritual des Streitens einmal gestartet ist, wird es schwierig, dies zu unterbrechen.

Etwas Überraschendes tun

Wenn Sie dieses «Ritual» durchbrechen möchten, können Sie versuchen, etwas ganz Überraschendes tun. Sie teilen etwa die Verantwortung, dass es diesmal doch friedlich zugehen möge, mit allen anderen. Dies könnten Sie vorsorglich tun, indem Sie den anderen Familienangehörigen mitteilen, wie Sie dieses «Ritual» bisher jeweils erlebt haben und fragen, ob es dieses Mal wieder ähnlich ablaufen soll oder ob diesbezüglich andere Wünsche bestehen, gepaart mit der Bereitschaft jedes Einzelnen, aktiv dazu beizutragen. Vielleicht erleben die anderen die hitzigen Diskussionen anders und gar nicht so schlimm. Oder sie überlegen sich nun, ob sie hier selber einem «eingeübten» Gesprächsmuster unterworfen sind.

* Dr. phil. Josef Jung, ist eidg. anerkannter Psychotherapeut www.psychotherapie-jung.ch

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