Ratgeber

Wie vermeide ich es, als Chef ausgenützt zu werden?

Ich bin Führungskraft in einem kleineren Unternehmen mit zehn Mitarbeitenden. Da ich ständig vieles erledige, was eigentlich meine Mitarbeitenden erledigen müssten, fühle ich mich permanent überlastet und ausgelaugt. Wie kann ich dieses Verhalten ändern, um mehr Zeit für meine eigenen Aufgaben zu bekommen?

Lic. phil. Irène Wüest*
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Eine zentrale Führungsaufgabe ist es, Sachaufgaben an Mitarbeitende abzugeben. Dabei ist sicherzustellen, dass der Mitarbeiter die geeigneten Fähigkeiten aufweist. Und Sie als Chef sollten die Aufgabe richtig übergeben. Hier bewähren sich meist die fünf W’s der Delegation (Was, Wie, Warum, Womit, bis Wann).

Irène Wüest

Irène Wüest

Luzerner Zeitung

Oft wird in diesem Zusammenhang auch das Bild vom wandernden Affen gebraucht. Übergibt der Chef dem Mitarbeiter eine Aufgabe, so setzt er den Affen (die Aufgabe) dem Mitarbeiter auf die Schulter. Steht der Mitarbeiter unter Druck oder hat zu wenig Selbstvertrauen, versucht er den Affen wieder loszuwerden.

Sobald Sie nun sagen: «Ich kümmere mich darum», tappen Sie in die Falle und die Aufgabe landet wieder auf Ihrem Tisch. Mit folgenden Tipps lässt sich das Wandern des Affen vermeiden:

Welcher Typ Chef sind Sie?

Machen Sie sich bewusst, welcher Typ Chef Sie sind, um sich zu schützen: Macher? Dann schnappen Sie sich den Affen aus Ungeduld. Denn Sie erledigen die Arbeit lieber selbst, als warten zu müssen. Perfektionist? Sie mögen keine Ungenauigkeiten. Sie schnappen sich den Affen, weil Sie so die Kontrolle behalten. Chrampfer? Sie machen lieber alles selbst, als lange zu diskutieren. Teamplayer? Sie lassen sich gerne erweichen, können kaum Nein sagen und nehmen aus Freundlichkeit dem Mitarbeiter die Last ab.

Unterdrücken Sie bewusst den Impuls, selbst die Lösung zu bieten, wendet sich der Mitarbeiter an Sie. Vergegenwärtigen Sie sich das Bild vom Affen auf den Schultern des Mitarbeiters. Bedenken Sie: Der Mitarbeiter soll nicht abhängig von Ihnen werden.

Vereinbaren Sie einen Gesprächstermin, wenn es Probleme gibt. Als Chef sind Sie Ansprechpartner auf dem Lösungsweg. Finden Sie heraus, was dem Mitarbeiter für die selbstständige Erledigung fehlt, indem Sie wenig reden, sondern nur mit offenen W-Fragen und gezieltem Nachfragen führen. Nur so gelingt es Ihnen herauszufinden, ob es sich um ein technisches oder persönliches Problem handelt. Nur so kann beim Mitarbeiter ein Denkprozess ausgelöst werden, der ihn selbst zur Lösung führt.

Fordern Sie den Mitarbeiter danach auf, Lösungsvorschläge zu erarbeiten, erst dann soll er sich wieder bei Ihnen melden. Besprechen Sie sodann gemeinsam die Vor- und Nachteile jeder Lösung.

Bleiben Sie konsequent. Haben Sie einen Affen delegiert, kommt er nur in absoluten Ausnahmefällen wieder zurück auf Ihre Schultern. Schützen Sie sich langfristig vor den Affen, indem Sie darauf achten, dass Sie Ihre Mitarbeiter zum selbstständigen Denken und Handeln anleiten. Ansonsten riskieren Sie, dass die Aufgabenverteilung von unten nach oben anstatt von oben nach unten verläuft und Sie viele Affen auf Ihren Schultern haben.

* Lic. phil. Irène Wüest ist SkillCoach sowie Organisations- und Kommunikationsberaterin. www.skillcoach.ch

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