Wie weiter mit der Altersreform?

Editorial

Adrian Bienz
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Die Reform der Altersvorsorge ist im letzten Herbst an der Urne gescheitert. Die damalige Vorlage sollte AHV und obligatorische berufliche Vorsorge gleichzeitig ins Lot bringen.

Seit der Einführung des Splittings und der Erhöhung des Frauenrentenalters auf 64 im Jahre 1997 wurden vom Volk alle Reformschritte abgelehnt. Das hochgelobte Schweizer Vorsorgesystem wird immer mehr zum Sanierungsfall. Andere Länder haben – unter anderem wegen existenzieller Krisen – ihre Vorsorgesysteme anpassen müssen und mutige, aber zuweilen auch sehr schmerzhafte Reformen umgesetzt. In der Schweiz fehlt dieser Leidensdruck. So wird weiter gewurstelt, auf hohem Niveau gejammert, und bereits kleine Anpassungen werden vehement bekämpft und mit unheiligen Allianzen verhindert.

Wir alle kennen die Fakten: Die Lebenserwartung steigt, und die dadurch gestiegene längere Rentenzahldauer kann entweder durch höhere Beiträge, eine Erhöhung des Rentenalters oder sinkende Renten aufgefangen werden. Gleichzeitig sinken die zu erwartenden Renditen an den Anlagemärkten, was nur teilweise durch boomende Aktienmärkte kompensiert werden kann.

Bundespräsident Alain Berset muss nun die Rentenreform neu aufgleisen. Anfang März präsentierte er seine Pläne. Die zwei wichtigsten Massnahmen: Das Frauenrentenalter soll bis 2025 auf 65 Jahre steigen, und die Mehrwertsteuer soll um 1,7 Prozent erhöht werden, um das Loch in der AHV zu füllen. Dieses Loch ist entstanden, weil immer mehr Pensionierte immer länger Rente beziehen.

Eine Mehrwertsteuer-Erhöhung um 1,7 Prozent würde der AHV rund 6 Milliarden Franken einbringen. Mit der Erhöhung will der Bundesrat die AHV bis im Jahre 2033 finanziell stabilisieren. Eine Vernehmlassungsvorlage zur AHV-Reform soll noch vor den Sommerferien vorliegen. Die Reform der zweiten Säule will der Bundesrat in einer separaten Vorlage weiterverfolgen.

Es ist zu hoffen, dass es dieses Mal gelingen wird, dem Schweizer Volk mehrheitsfähige Vorlagen für die 1. und die 2. Säule vorzulegen. Darauf verlassen kann man sich allerdings nicht. Somit bleibt die Unsicherheit rund um die Altersvorsorge hoch, und Eigeninitiative wird immer wichtiger. Arbeitnehmer sollten sich möglichst früh um den Aufbau einer starken dritten Säule kümmern und die Planung in die eigene Hand nehmen.

Adrian Bienz
Finanz- und Anlage-Experte, Weibel, Hess & Partner AG