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Wir wollen keinen Sex: Schadet das der Beziehung?

Meine Partnerin und ich (57/60) sind seit bald 30 Jahren zusammen, unsere Kinder sind ausgeflogen. Wir verstehen uns gut und unternehmen viel miteinander. Sexuell läuft aber praktisch nichts mehr, was mich nicht gross stört. Wie mir scheint, auch meine Frau nicht. Kann es der Beziehung schaden, wenn man keinen Sex hat?
David Siegenthaler
An elderly couple enjoys a mild afternoon in June on a park bench in Buerkliplatz square in Zurich, Switzerland, pictured on June 11, 2009. (KEYSTONE/Gaetan Bally) Ein aelteres Paar geniesst den lauen Juninachmittag auf einer Parkbank am Buerkliplatz in Zuerich, aufgenommen am 11. Juni 2009. (KEYSTONE/Gaetan Bally) (Symbolbild: Gaetan Bally / Keystone (Zürich, 11. Juni 2009))

An elderly couple enjoys a mild afternoon in June on a park bench in Buerkliplatz square in Zurich, Switzerland, pictured on June 11, 2009. (KEYSTONE/Gaetan Bally) Ein aelteres Paar geniesst den lauen Juninachmittag auf einer Parkbank am Buerkliplatz in Zuerich, aufgenommen am 11. Juni 2009. (KEYSTONE/Gaetan Bally) (Symbolbild: Gaetan Bally / Keystone (Zürich, 11. Juni 2009))

Tatsächlich gibt es in der Fachliteratur Theorien, welche davon ausgehen, dass regelmässige Sexualität die Beziehung stärkt. Quasi als Ritual, das ein Bündnis wieder auffrischt. Wenn die Qualität stimmt, würden demnach die Verbundenheit des Paares und das dabei entstehende Sicherheitsgefühl erneuert und vertieft.

In dieser Logik wird Sex also als Zeichen und als Kontinuitätsgarant für die Liebe gedeutet. Grundsätzlich ist der Geschlechts­akt für viele Menschen (wenn auch nicht alle) körperlich ausführbar, und bis ins hohe Alter ist es möglich, Sexualität zu leben.

Sexualität verändert sich

Doch trotz solcher Aussagen ist es für sie als Paar entscheidend, wo Ihre ganz eigenen Bedürfnisse nach Sexualität und Zärtlichkeit liegen. Dies gilt es gemeinsam zu klären. Zumal sich alles im Leben verändert, warum also sollte dies bei der Sexualität nicht der Fall sein?

In der Beratung habe ich oft festgestellt, dass Klientinnen und Klienten erstaunt sind, dass sich ihre Sexualität im Laufe der Jahre verändert hat. Dies kann die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs betreffen, die Qualität, die Form des Orgasmus und auch die besonderen Vorlieben. Wer es früher vielleicht wild, spontan und schnell wollte, bevorzugt heute womöglich einen langsamen, zärtlichen und «schönen» Sex. Jemand anderes kannte früher nur den zärtlichen, klassischen Geschlechtsverkehr im abgedunkelten Schlafzimmer. Und möchte sich heute eher im Licht zeigen, vielleicht gar mit Fesseln (Bondage) und bestimmten Formen von Kleidung (Fetisch).

Behindert etwas die Lust?

Wird die Lust auf Sexualität durch etwas blockiert? Prüfen Sie, ob Angst, ein innerer Konflikt, ein Beziehungsproblem oder etwas anderes der Lust im Wege steht und diese behindert. Sie können sich entscheiden, Zeit und Energie zu investieren, um wieder eine befriedigende Sexualität zu leben. Doch auch die Entscheidung, aktiv nichts dagegen zu unternehmen, ist eine legitime Wahl. Vielleicht ist Geschlechtsverkehr für Sie nicht wichtig, und auch das ist in Ordnung.

Andere Formen von Intimität

Zwischen allem oder nichts gibt es noch andere Möglichkeiten. Es kann tatsächlich sein, dass Sie beide keine Lust mehr auf Geschlechtsverkehr haben. Vielleicht ist jedoch einer von Ihnen an anderen Formen von Sexualität und Intimität interessiert, die Sie dann gemeinsam entdecken könnten.

Allenfalls ist der Wunsch nach Sex nicht mehr da, doch beide wollen Zärtlichkeit miteinander erleben. Dies kann Kuscheln, Streicheln und ­Massieren sein. Vielleicht sind Sie damit auch etwas aus der Übung geraten. Wenn dem so ist, können Sie den Körperkontakt sachte wieder aufbauen. Prüfen und probieren Sie als Paar, ob einer dieser Wege für Sie in Frage kommt. Höchstwahrscheinlich lernen Sie dabei sich selber und einander von einer neuen Seite kennen.

David Siegenthaler

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