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Ratgeber

Woher kommt der massive Gewichtsverlust meines Mannes?

Mein Mann (79) hat innert vier Monaten 13 Kilo abgenommen, obwohl er wirklich viel isst. Er hat auch schon beim Arzt einen grossen Check gemacht, in der Klinik wurde er geröntgt, zudem konsultierte er einen Darmspezialisten. Überall war alles in Ordnung. Aber ich mache mir trotzdem grosse Sorgen.
Dr. med. Joscha von Rappard

Ein so grosser ungewollter Gewichtsverlust ist in der Tat ungewöhnlich. Dass Sie sich deswegen Sorgen machen, kann ich gut nachvollziehen. Die Ursachen dafür können sehr unterschiedlich sein. Wir sprechen in diesem Fall von mehreren «Differenzialdiagnosen». Diese lassen sich grundsätzlich in drei grosse Blöcke einteilen.

Dr. med. Joscha von Rappard.

Dr. med. Joscha von Rappard.

1. Bösartige Erkrankungen, die verschiedene Krebsarten umfassen. 2. Endokrinologische Erkrankungen (Hormonstörungen). 3. Seltene Erkrankungen wie Autoimmun- oder Infektionserkrankungen.

Bösartige Erkrankungen können vor allem angesichts des Alters Ihres Mannes eine wichtige Ursache von ungewolltem Gewichtsverlust sein. Weil sich bösartige Erkrankungen in jedem Organsystem manifestieren können, ist eine zielgerichtete Diagnostik ohne hinweisende Beschwerden jedoch schwierig.

Zur weiteren Abklärung sollte sicherlich ein grosses Blutbild mit einem von Hand durchgeführten Differenzialblutbild erstellt werden, mit dem die zelluläre Zusammensetzung der unterschiedlichen weissen Blutkörperchen abgebildet wird. Zusätzlich würde ich eine Laborkontrolle der wichtigen Organsysteme wie Leber und Niere sowie eine Kontrolle des Elektrolythaushalts (Blutsalze) empfehlen.

Des Weiteren stellt sich die Frage, ob die üblichen Vorsorgeuntersuchungen beim Urologen und Gastroenterologen gemacht worden sind. Die Dickdarm-Krebsvorsorge mittels Dickdarmspiegelung ab dem 50. Lebensjahr spielt in diesem Kontext eine sehr wichtige Rolle. Ob und vor allem welche weiteren Bildgebungsverfahren (Röntgen, Ultraschall, CT) durchgeführt werden müssen, hängt stark von der jeweiligen Situation ab.

Um den zweiten Block, die Hormonstörungen, als mögliche Ursache zu überprüfen, sollte nach Hinweisen für eine Schilddrüsenfunktionsstörung, Diabetes-Mellitus-Erkrankung oder nach Anzeichen für ein Malabsorptionssyndrom (Störungen der Nahrungsaufnahme und -verwertung) gesucht werden.

Den seltenen Erkrankungen des dritten Blocks kommt man durch eine erweiterte Blutuntersuchung auf die Spur. Neben den Autoimmun- und Infektionserkrankungen gehören auch psychische Erkrankungen wie die Depression zu den möglichen Ursachen. Diese können sich im Alter oft unspezifisch, etwa durch Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust zeigen.

Am Wichtigsten scheint mir, dass Sie mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten Ihres Spitals das Gespräch suchen. Oft ist es nicht zielführend, während eines Spitalaufenthaltes alle erdenklichen Differenzialdiagnosen zu erfassen. Solange ein klarer Diagnostik-Plan vorliegt, können viele Abklärungen im ambulanten Setting durchgeführt werden. Der Hausärztin oder dem Hausarzt kommt hier als «Manager» der Abklärungen eine sehr grosse Bedeutung zu.

* Dr. med. Joscha von Rappard ist leitender Arzt für Innere Medizin und Nephrologie, Hirslanden Klinik St. Anna Luzern, www.hirslanden.ch

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