Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Inselhüpfen in Griechenland: Reiche Seefahrer, Taubenschlösser und Tavernen

Es muss nicht immer Mykonos sein, die wertvollsten Schätze der Ägäis liegen ganz in der Nähe von Athen. So auch die unterschätzten Schönheiten Andros und Tinos.
Anna Karolina Stock
Andros und Tinos stehen ganz zu Unrecht im Schatten der Insel Mykonos.Andros und Tinos stehen ganz zu Unrecht im Schatten der Insel Mykonos.
Das 400-Seelen-Dorf Pyrgos auf der Insel Tinos ist das Zentrum der Marmorkunst. (Bild: Bilder: Anna Karolina Stock)Das 400-Seelen-Dorf Pyrgos auf der Insel Tinos ist das Zentrum der Marmorkunst. (Bild: Bilder: Anna Karolina Stock)
2 Bilder

Reiche Seefahrer, Taubenschlösser und Tavernen

Der Sommerwind Meltemi braust ihm als natürlicher Ventilator um die Ohren, wenn Nikolaou Isidoros mit seinem Forschungsboot unterwegs ist. Nicht umsonst werden die Kykladen «Inseln der Winde» genannt. Störend sei die luftige Brise aber nicht, findet der gelernte Elektroingenieur, besser als stehende Hitze. Neben seinem eigentlichen Job kümmert er sich im Rahmen des EU-Projekts Life Andros um den Vogel- und Umweltschutz auf Andros. Während das Boot gemütlich an der Küste entlangschippert, blinzelt der Kapitän konzentriert durch sein Fernglas. «Das Gebiet um Achla Beach ist offiziell als Naturschutzreservat ausgewiesen, da dort der vom Aussterben bedrohte Eleonorenfalke nistet», sagt Isidoros. Im besten Fall solle das Projekt nicht nur der Natur helfen, sondern auch den Umwelttourismus auf Andros fördern. Interessierte Besucher seien daher jederzeit auf seinem Boot willkommen.

Zwar wirkt die andriotische Landschaft auf den ersten Blick etwas karg, doch ist sie fruchtbar wie kaum eine zweite. Etliche Quellen entspringen in den höheren Lagen und tauchen die Täler in saftiges Grün. «Aufgrund des Wassers sind weite Teile der Insel ganzjährig bewachsen», sagt Ariana Masselou. Die Athenerin hat sich mit ihrer Firma Trekking Andros selbstständig gemacht. Ariana kennt das 300 Kilometer lange Wegenetz der Insel wie keine andere. Mit ihr geht es durch kleine Wälder, grüne Täler, vorbei an Quellen und Wasser­mühlen, die über die Insel verstreut sind. Erst 2015 wurden die nach europäischen Standards beschilderten Andros Routes mit dem Prädikat «Leading Quality Trails – Best of Europe» ausgezeichnet.

Restaurantkritikerin kocht in eigener Taverne

Im Einklang mit der Natur zu leben, scheint den Andrioten eine Herzensangelegenheit zu sein. Selbst auf den Speisekarten vieler Tavernen sind heimische Produkte zu finden. So auch bei Katerina Remoundou im Tou Josef im kleinen Dorf Pitrofos. In Athen hat sich die deutsch sprechende Griechin als Restaurantkritikerin einen Namen gemacht, heute kocht sie selbst für ihre Gäste – mit allem, was die Insel hergibt. In ihr Restaurant, das mehr wie ein gemütliches Wohnzimmer wirkt, kommen neben Touristen vor allem Stammgäste. «Bei 10 000 Inselbewohnern kennt jeder jeden», sagt die Köchin lachend. «Und genügend Zeit für einen Schluck Ouzo oder eine lebhafte Diskussion haben hier sowieso alle.» Wie diese Ursprünglichkeit überleben konnte? Die Antwort der Einheimischen ist simpel:

Als sehr wohlhabende Insel war Andros nie auf den Tourismus angewiesen.

Grund dafür ist die nautische Vergangenheit und die vielen reichen Seefahrerfamilien. In Andros-Stadt ist dieser Reichtum bis heute zu spüren: Brunnen und Pflasterstrassen aus Marmor, stattliche Häuser reihen sich an neoklassizistische Gebäude – ­errichtet mit dem Wohlstand der See­fahrer.

Schneeweisse Tauben aus Marmor

Noch mehr Marmor gibt es nur auf der Nachbarinsel Tinos: Häuser, Kirchen, ja ganze Dörfer sind mit Elementen aus Marmor versehen. Das 400-Seelen-Dorf Pyrgos im Nordwesten der Insel gilt wegen seines Steinbruchs als Zentrum für Marmorkunst. Der Abbau von weissem und grauem Marmor bestimmt seit vielen Jahrzehnten das Leben im Dorf – so auch das von Petros Marmarinos. In seinem Freiluftatelier führt er in die Kunst der Bildhauerei ein. Mit Hammer und Meissel schlägt der Künstler eine feine Linie in den weissen Marmorblock. «Wenn ich nicht aufpasse und der Stein springt, war die ganze Arbeit ­umsonst», erklärt er. In seiner Galerie bietet der Bildhauer marmorne Tischplatten, Wandfliesen, Geschirr und schneeweisse Taubenfiguren an.

1000 Taubenhäuschen sind die Wahrzeichen der Insel Tinos

«Dass auf den Kykladen jahrhundertelang Tauben gezüchtet wurden, ist ­heutzutage wenig bekannt», erwähnt Marmarinos. Übrig geblieben sind mehr als 1000 mehrstöckige Taubenschläge (griechisch: Peristeriones). Strahlend weiss, reichlich verziert mit geometrischen Figuren, manchmal etwas mitgenommen von Zeit und Wetter, sind sie in die Landschaft hineingestreut. Die ersten dieser Minischlösschen wurden von den Venezianern erbaut. Über 500 Jahre beherrschten sie die Kykladeninsel und schätzten Tauben als Briefboten und Delikatesse. Obwohl das Taubenzüchten mittlerweile nicht mehr so populär ist, werden einige der schmucken Häuschen auch heute noch von Tauben bewohnt und gelten als Wahrzeichen der Insel.

Inselhopping in der Ägäis

Anreise: Aegean und Swiss fliegen mehrmals täglich von Zürich nach Athen. Von dort mit Bus oder Taxi zum Hafen von Rafina, wo mehrere Fähren (z.B. Golden Star Ferries) nach Andros und Tinos ablegen. Alternativ kann Mykonos angeflogen werden, von wo die Fähre nur 30 Minuten nach Tinos braucht. Auf den Inseln ist ein Mietwagen notwendig (z.B. Euro Car Andros, Dimitris Rent a Car Tinos). www.aegeanair.com, www.golden­starferries.gr/en/ Unterkunft: Viele kleine, familiengeführte Hotels: Anemomiloi Hotel auf Andros und Aeolis Tinos Suites auf Tinos. Aktivitäten: Andros steht für nachhaltigen Tourismus und bietet mit 100 Wanderkilometern viele Möglichkeiten, die Insel zu Fuss zu erkunden (www.trekkingandros.gr). Am Hafen in Korthi legt Nikolaou Isidoros Forschungsboot zur Vogelbeobachtung ab (www.androslife.gr/en/). Besuch der Nissos-Bierbrauerei auf Tinos (www.nissos.beer). Sehenswert ist der Ort Volax mit seiner eigentümlichen Mondlandschaft voller eiförmiger Granitfelsen.
Essen: Andros: Köstlich und rustikal ist es im Tou Josef in Pitrofos. Am Hafen von Batsi bietet das Stamatis Fisch zu vernünftigen Preisen an. Tinos: Das elegante Restaurant Itan Ena Mikro Karavi an der alten Hafenpromenade von Chora serviert kreative mediterrane Küche. Perfekt für einen Sundowner ist die Káktos Bar.
Beste Reisezeit: Frühling bis Herbst. Nur im August kann es voll werden. Dann ist in Athen Sommerpause, und auch die Städter geniessen das Inselleben.

Der Windgott hat seine Hände im Spiel

Jedoch sind es nicht die Taubenschläge, die Tinos Bekanntheit verschafften, sondern die Wallfahrtsbasilika der Gottesmutter (Panagia Evangelistria) in Tinos-Stadt. Auch als «Lourdes der Ägäis» bekannt, ist sie die wichtigste Marien-Wallfahrtsstätte Griechenlands. Zu Mariä Himmelfahrt strömen mehrere zehntausend Gläubige auf die Insel, um die wunderumwobene Heiligen­ikone der Jungfrau Maria zu verehren. Für viele griechisch-orthodoxe Christen ist diese jährliche Pilgerfahrt ein Muss. Einige von ihnen bestreiten den Weg vom Hafen hinauf zur Kirche sogar auf den Knien. Begleitet werden sie – wie jeder auf der Insel – vom stetig brausenden Sommerwind Meltemi. Es scheint, als habe der griechische Windgott Aiolos auch heute noch seine Finger im Spiel.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.