Fitness
Reiner Körper und Geist im Lockdown

Im Lockdown scheint der eigene Körper wichtiger zu sein als zuvor. Immer mehr Menschen haben Spass am Sport und an gesundem Essen.

Deborah Gonzalez
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Dank dem Lockdown setzen immer mehr Leute auf Home-Work-out.

Dank dem Lockdown setzen immer mehr Leute auf Home-Work-out.

Pixabay

Wer im Lockdown seine Zeit auf Social Media vertreibt, hat zwei Optionen. Schuldgefühle oder Motivation. Denn fast jeder Beitrag auf den sozialen Netzwerken zeigt jemanden, der sich sportlich betätigt. Sei es in Form eines Home-Work-outs, Joggen in der Natur oder Ausdauersport mit vermeintlichem Kinderspielzeug. Denn wer heutzutage Sport-Spass haben möchte, der kann sich etwas bei den Kindern und Jugendlichen abschauen. Die Nintendo Switch gibt es zwar bereits seit einigen Jahren, doch seit dem Lockdown sind die Käufe der Konsole in die Höhe geschossen. Besonders an Weihnachten war sie sehr begehrt: Knapp 11,6 Millionen Konsolen wurden verkauft, wie aus den neuesten Geschäftszahlen des Unternehmens hervorgeht. Bereits jetzt soll die Nintendo Switch zu den fünf meistverkauften Nintendo-Konsolen gehören.

Eine Tatsache, die sich auf den sozialen Medien widerspiegelt. Die Influencer zeigten ihre Errungenschaft immer wieder in ihren Instagram-Storys und animierten viele ihrer Follower zu einem Kauf. «Die beste Anschaffung seit langem» oder «So macht Sport endlich spass» lauten einige der Kommentare. Wer ganz sportlich sein möchte, der greift zum sogenannten «Ring Fit», einem Spiel, das aus einem Abenteuer-Parcours, aber auch aus einzelnen Fitnessplänen und Minispielen besteht.

Die Nintendo Switch bietet Sport- und Spielspass für Jung und Alt.

Die Nintendo Switch bietet Sport- und Spielspass für Jung und Alt.

zvg

Dank dem Ring und einem Bein-Band, kann man alle Körperpartien trainieren. Mit «Just dance» kann man tanzend Kalorien verbrennen und mit «Fitness boxing» schlägt man sich fit. «Es ist für jeden etwas dabei und man hat Spass, ohne das Wohnzimmer verlassen zu müssen», sagt eine deutsche Influencerin, die über eine Million Follower hat. Jung und Alt teilen ihre Erfahrungen im Internet. Mit der Konsole verbringe man zwar viele Stunden vor dem Fernseher, mache aber Sport, ohne es überhaupt richtig zu merken. «Man schwitzt, aber der Spass steht an erster Stelle», schreibt jemand. «Das Beste, was man im Lockdown kaufen kann», heisst es von einem anderen Nutzer.

Der Ring-Con und der Beingurt erfassen Bewegungen und übertragen sie ins Spiel.

Der Ring-Con und der Beingurt erfassen Bewegungen und übertragen sie ins Spiel.

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Da die Fitnessstudios noch immer geschlossen sind und Sport-Detailhändler wie Decathlon permanent ausverkauft zu sein scheinen, greifen viele auf diese Sport-Alternativen. «Fitness-Spiele sind für alle Altersgruppen geeignet und können einen fit halten – auch mental», schreibt etwa ein Fitness-Ökonom auf seinem Instagram-Profil.

Vegetarische Rezepte sind gefragt

Doch nicht nur die Käufe der Fitness-Spiele sind in den letzten Monaten in die Höhe geschossen. Auch in Sachen Ernährung setzen nun viele auf Fitness und Achtsamkeit. Das deutsche Unternehmen HelloFresh, das sogenannte «Kochboxen» mit vorbereiteten Zutaten und Rezepten anbietet, blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Die Nachfrage nach den Boxen habe sich in allen Märkten deutlich erhöht, heisst es auf Anfrage.

Die Anzahl der Kundinnen und Kunden sei um über 90 Prozent gestiegen. Knapp 20 Millionen Bestellungen seien letztes Jahr eingegangen. Der wachsende Bedarf am Kochen spiegele sich hier deutlich wider. Frau und Herr Schweizer suchen vermehrt nach Keywords wie «vegetarische Rezepte», «Gemüselasagne», «gesund».

Dass Fitness und die eigene Wahrnehmung während des Lockdowns immer wichtiger geworden sind, überrascht Sportwissenschafter Julian Dutoit, indes nicht: «Die Leute haben mehr Zeit und machen sich vermehrt Gedanken über ihre Gesundheit.» Ohne das Fitnessstudio würde vielen der Ausgleich fehlen, weshalb Alternativen wie Youtube-Videos und Fitnessspiele eine willkommene Abwechslung darstellen würden. Doch nicht nur das Körperbewusstsein spielt hierbei eine Rolle, auch für die Psyche sei die Bewegung und Ernährung wichtig, erklärt Dutoit. «Die momentane Situation ist für jeden eine Last. Jeder macht sich Gedanken und das kann schnell Überhand nehmen.»

Auch im Master-Studiengang, den der Aargauer letzten Sommer besucht hat, sei die Pandemie im Unterricht Thema gewesen. «Es ist klar, dass derart Situationen einen grossen Einfluss im Sport- und Essverhalten der Menschen hat.» Trotzdem spricht der Sportwissenschafter hier von einem Trend. Ob dieser nach dem Lockdown so bleiben wird, kann Dutoit indes nicht ganz einschätzen. «Ich denke es wird für eine gewisse Zeit so weitergehen, aber sobald die Realität zurückkehrt, wird sich das wieder einpendeln.» Solange die Influencer auf Social Media aber weiterhin diesen gesunden Lebensstil propagieren, werden ihnen sicherlich viele folgen – auch nach Ende des Lockdowns.