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REISEGEPÄCK: Ein smarter Begleiter für unterwegs

Luxuriös oder billig – so lautete lange die einzige Frage beim Kauf eines Koffers. Jetzt aber rollen junge, trendige Labels den etablierten Marken davon.
Laura Gianesi

Laura Gianesi


Ob ein Städtetrip nach London, Abenteuerferien in Indien oder Wandern in Neuseeland: Noch nie sind wir so oft und weit gereist wie heute. Über die perfekten Destinationen, Hotels und Transportmittel machen wir uns ein­gehend Gedanken, recherchieren im Internet, blättern Reiseführer durch, fragen Freunde nach ­Geheimtipps. Schliesslich soll in den Ferien keine Wolke unsere sonnige Stimmung trüben.

Umso erstaunlicher ist es, dass ein unscheinbarer, aber entscheidender Gegenstand, der uns bei jeder Reise begleitet, so selten Beachtung findet: Unsere Koffer bleiben auffallend unauffallend. In Anbetracht der Grösse und Vielfalt der Tourismusbranche kann es nur erstaunen, dass die Auswahl an Koffern so uninspiriert geblieben ist: Wir haben die Wahl zwischen hochwertigem Luxus und billigen No-Name-Marken. Das Gepäckstück scheint vom Markt grösstenteils vergessen worden zu sein.

Ein Koffer wie ein Flugzeug

Auf der Billigseite der Koffer finden wir grelle Plastikschalen für 50 Franken, auf der Luxusseite eta­blierte Marktriesen wie Rimowa, bei dem einer der gerillten Koffer auch mal 1000 Franken kosten kann. Diese Häuser setzen auf zeitlose Eleganz statt Innovation. Die Zeit der bahnbrechenden Neuerfindungen liegt bei Rimowa lange zurück: 1898 eröffnete Paul Morszeck in Köln eine Sattlerei und produzierte bald auch Koffer und Hutschachteln aus Holz und Leder. Als die Stadt im Zweiten Weltkrieg zerbombt wurde, verbrannten auch die Stoffe in der Fabrik – bis auf ein paar Platten Aluminium. Ab diesem Punkt waren die Zeiten des Leders im Hause Morszeck passé: Rimowa stellte nur noch Aluminiumkoffer her. Und kürzte den holprigen Namen «Richard Morszeck Warenzeichen» zu «Rimowa» ab. Vor 67 Jahren entstand das Wiedererkennungsmerkmal der Marke, die typischen Rillen, welche die Aluminiumhaut stabilisieren. Die Designer haben sich dabei von der gerillten Oberfläche des 1919 entworfenen Flugzeugtyps Junkers F13 inspirieren lassen, dem ersten Personenflugzeug mit einer Struktur und Tragfläche aus ­Metall.

Seither will die Marke ihre Spitzenposition verteidigen. Sie setzt auf bewährte Erfolgsrezepte und ihre Klassiker, nicht auf gewagte Neuerfindungen. Auch deshalb haftete den Kofferherstellern bis vor kurzem noch der abgestandene Geruch einer eingeschlafenen Branche an.

Im selben Preissegment wie Rimowa befinden sich die amerikanische Marke Samsonite, die 1910 gegründet wurde, und der von ihnen kürzlich gekaufte Koffer-Brand Tumi. Jetzt kommt aber frischer Wind in das Geschäft. Jenseits von kurzlebigen Billigprodukten und Luxus­marken rollen immer mehr ­junge Start-up-Unternehmen auf den Markt. Wenn sich die ­Innovationskraft der jungen Neuen weiterhin durchsetzt, wird die Reisegepäckbranche wohl endlich aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen. Wer kreative Innovation etablierten Marken vorzieht, wird zum Beispiel beim holländischen Brand «Bugaboo» fündig, der eigentlich für seine Kinderwagen berühmt ist, aber auch Koffer produziert. Der «Bugaboo Boxer» besteht aus einem Stossgerät, das auch gezogen werden kann und auf das man je nach Reisegepäck nur eine ­grosse oder dazu noch eine kleine Box oder Tasche stellt.

Bei der texanischen Marke «Paravel» setzt man ebenfalls auf neue Entwürfe statt auf ­Klassik: Sie führen zwar ­keine Trolleys im Sortiment, ihre bunten Leinen- und Lederkoffer überzeugen dafür durch ihr praktisches Design: Man kann sie zu­sammenfalten, die darin liegenden ­Packtaschen verschieben und herausnehmen. Die Koffer sind leicht, platz­sparend und schmutzabweisend.

Mistkerle erobern den Markt

Die norwegische Marke mit dem wortspielerischen Namen «Douchebag» (wört­liche Übersetzung: Spül-Tasche, inhaltliche Übersetzung: Mistkerl) gehört ebenfalls zu den jugendlich-aufstrebenden Neuen im Reisebusiness. Ursprünglich haben sich die Gründer auf Skitaschen spezialisiert, jetzt stellen sie auch sportlich-praktische Reisekoffer her. Den Trolley «Little Bastard» gibt es ab 235 Franken.

Auch die ultraleichten ­Ziehkoffer des amerikanischen ­Labels «Away» stechen aus der Menge heraus: Sie fallen durch minimalistisch-moderne Designs und tiefe Preise auf, die bei 215 Franken beginnen. Im ersten Geschäftsjahr hat das auf­strebende Unternehmen 50 000 Koffer verkauft. «Away» setzt, wie es auch eine wachsende Anzahl Marken tut, auf sogenannt «smarte Koffer». Mit ihnen lässt sich das Handy über integrierte Akkus aufladen.

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