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REISEN: Frühlingserwachen in Paris

Im Frühling bietet sich ein Besuch in der französischen Hauptstadt besonders an. Die mildere Luft treibt die Menschen wieder nach draussen. Bei Streifzügen durch die verschiedenen Viertel können auch Kenner der Metropole noch viele unbekannte Seiten entdecken. Die «Ville Lumière» entfaltet auch tagsüber ihren Zauber.
Text und Bilder: Gerhard Bläske
Seit die Stadt viele Uferstrassen vom Verkehr befreit hat, sind Spaziergänge entlang der Seine noch vergnüglicher und bieten immer wieder schöne Ausblicke. (Bild: Daniel Candal/Getty)

Seit die Stadt viele Uferstrassen vom Verkehr befreit hat, sind Spaziergänge entlang der Seine noch vergnüglicher und bieten immer wieder schöne Ausblicke. (Bild: Daniel Candal/Getty)

Text und Bilder: Gerhard Bläske

Vom Dach des Kaufhauses Galeries Lafayette schweift der Blick weit über die grauen Metalldächer des Pariser Häusermeeres. Einzelne Bauwerke wie die nahe Oper, der Montmartre-Hügel mit der weiss leuchtenden Kirche Sacré-Cœur oder der Eiffelturm ragen heraus. Die Aussicht ist spektakulär. Alles scheint zum Greifen nah.

Einen Stadtbesuch in Paris mit einem solchen Ausblick zu beginnen, ist gerade im Frühling ein Erlebnis – wenn ein milder Luftzug Blütenduft herüberweht. Gut möglich, dass er vom Dach selbst kommt. Denn das Start-up «Sous les fraises» («unter den Erdbeeren») baut hier und auf dem Kaufhaus BHV Obst und Gemüse an: Erdbeeren, Tomaten, Kräuter und Himbeeren. Unternehmenschef Yohan Hubert hat auch ein Konzept für vertikale Gemüse- und Früchtegärten an Wänden entwickelt. Der Sender CNN France und das Immobilienunternehmen Nexity haben solche Anbauflächen.

Doch nun hinaus. Der Frühling ist die Zeit, in der sich die Terrassen der Strassencafés und die Parks wieder füllen. Eine Oase der Ruhe ist der Garten des Palais Royal, mitten in Paris und doch abgeschirmt vom Verkehr. Wenn die ersten Sonnenstrahlen wärmen, nehmen Pariser wie Touristen gern ein Picknick hierher mit oder lesen ein Buch. Herrlich um diese Jahreszeit ist auch der Garten des Musée Rodin, in dem die Skulpturen des berühmten Bildhauers bewundert werden können, etwa die Plastik «Der Denker». Ein kleines Café sorgt für das leibliche Wohl.

Wo Picasso in jungen Jahren seine Karriere begann

Paris ist die Stadt der Flaneure. Der Montmartre-Hügel ist zwar teilweise recht touristisch. Es gibt aber auch ru­hige Ecken im Gassengewirr, das sich den Hügel hinaufzieht. Künstler wie Picasso und Giacometti begannen hier einst ihre Karriere. Im Bateau-Lavoir an der baumbestandenen Place Emile Gaudeau entstand das berühmte ku­bistische Gemälde «Les Demoiselles d’Avignon». In der lebendigen Rue Lépic laden viele schöne Cafés und kleine ­Läden zum Besuch. Dörfliche Atmosphäre mit zwei alten Mühlen bietet weiter oben die Rue Tholozé. Hier malte Auguste Rodin einst die «Moulin de la Galette». Die Rue de l’Abreuvoir schlängelt sich mit ihren kleinen, windschiefen Häuschen den Berg hinauf. Mittendrin liegt ein kleiner Weinberg. In der Rue Cortot erinnert das Musée du Montmartre an die Geschichte der Künstler des Viertels, und am Place du Tertre versuchen Künstler, Touristen zu einem Por­trät zu überreden. Ganz oben, an der Sacré-Cœur, kann man sich dann auf den Treppen niederlassen und auf die Stadt blicken.

Ruhiger geht es zu Füssen des Hügels zu, im mystisch-romantischen Friedhof. Auf den teilweise protzigen Grabmälern und Figuren, die oft Moos angesetzt haben, sonnen sich an schönen Tagen Katzen. Neben dem Komponisten Hector Berlioz ist hier auch der deutsche Dichter Heinrich Heine begraben: Eine weisse Büste erinnert an ihn. Wem eher nach Shopping ist, der kann durch das Marais mit seinen vielen Boutiquen schlendern – die Geschäfte haben übrigens auch am Sonntag geöffnet. Die Textilkette Uniqlo hat ihr Domizil in einer wunderschönen alten Goldgiesserei in der Rue des Francs-Bourgeois gefunden. Der Besuch des geschmackvoll eingerichteten Gebäudes mit seinem 35 Meter hohen Backsteinkamin lohnt sich auch, wenn man nichts kauft. Noch viel bekannter ist das ehemalige Adelsviertel für herrliche Paläste wie das Musée Carnavalet, in dem die Geschichte der Stadt Paris erzählt wird, oder für den arkadengesäumten Place des Vosges.

Sämige Trinkschokolade im Belle-Epoque-Café

Nicht nur am Nachmittag lockt Stohrer, die älteste Patisserie der Stadt, in der lebendigen Einkaufsstrasse Rue Montorgueil. Beeindruckend sind nicht nur die «Religieuses», an Nonnenkleidung erinnernde Eclairs, die mit Schokoladen- und Kaffeecrème gefüllt sind, sowie andere Leckereien. Auch die Dekoration des Ladens mit Spiegeln und Jugendstilmalereien ist ein Erlebnis. Alternativ ist ein Besuch bei «Angelina» zu empfehlen. Das ist keine Dame, die einem zweifelhaften Gewerbe nachgeht, sondern ein Belle-Epoque-Café in der Rue de Rivoli, das für seine sämige und gehaltvolle Trinkschokolade bekannt ist – ein nicht ganz billiges, aber eindrucksvolles Erlebnis. Ob dann allerdings noch Platz ist für den berühmten «Mont Blanc», eine Kalorienbombe aus Maronen­crème, Sahne und Baiser, ist die Frage.

Immer interessant ist ein nachmittäglicher Bummel über die beiden Seine-Inseln. Auf dem grossen Platz vor der gotischen Kathedrale Notre-Dame führen Treppen in den Untergrund. Dort sind die römischen Ursprünge des ehemaligen Lutèce zu besichtigen. Ein Besuch, der sich lohnt. Wir sind hier im ältesten Teil der Stadt. Gleich gegenüber, auf der anderen Seite der Seine, steht im Square René-Viviani-Montebello der älteste Baum der Stadt, eine mehr als 400 Jahre alte Robinie, die von einem Betonpfeiler gestützt werden muss. Gleich daneben die jetzt griechisch-orthodoxe Kirche Saint Julien Le Pauvre, deren Ursprünge im 6. Jahrhundert liegen. Alles atmet hier, nahe der Universität Sorbonne, Geschichte: Nur ein paar Schritte entfernt sind die Arènes de Lutèce, ein römisches Amphitheater, das Jugendliche häufig zum Fussballspielen nutzen. Einige Meter weiter stadtauswärts, der Seine entlang, am Quai St-Bernard, schwingt am frühen Abend so mancher das Tanzbein. Sobald jemand Musik aufgelegt hat, tanzen Jung und Alt Tango, Salsa oder Swing. Viele haben auch ein Picknick mitgebracht oder schauen einfach nur zu.

Wem jetzt der Magen knurrt, der hat die Qual der Wahl. Wenige Schritte von Notre-Dame entfernt, auf der Ile de la Cité, kann man in einem ehemaligen Domherrenhaus speisen: «Au Vieux Paris d’Arcole» bietet traditionelle Küche in originellen Räumen. Besonders schön ist es im Frühjahr, wenn an der Fassade die Glyzinien blühen. An warmen Abenden sitzt man dann gern draussen. Alternativ bietet sich ein Besuch des berühmten Cabarets Chez Michou am Fusse des Montmartre an. Nach dem Abendessen bietet der stets blau gewandte Michou, inzwischen 86 und eine Institution in Frankreich, der in seinem Etablissement Filmstars und Staatspräsidenten empfangen hat, nach dem Abendessen ein amüsantes Spektakel. Perfekt geschminkte Transvestiten, die vorher bedient haben, imitieren Sängerinnen wie Adèle, Lady Gaga, Marlene Dietrich, Edith Piaf oder Dalida. Die Stimmung ist stets grossartig.

Mittagessen unter einem Fresco von Tiepolo

Nach so vielen Eindrücken kann der nächste Tag geruhsamer angegangen werden. Nach dem Frühstück ist ein gemütlicher Bummel über den Marché d’Aligre kurz hinter der Bastille, im Osten der Stadt, immer ein Vergnügen (täglich ausser Montag). In und um eine traditionelle Halle aus dem 18. Jahrhundert wird an Ständen und in Geschäften eine unglaubliche Vielfalt an Waren angeboten. Überbordende Auslagen mit Obst und Gemüse, Käse, Wurstwaren, Oliven und Fisch erfreuen das Auge. Ein bunter Markt, auch was das Publikum angeht: Bobos, alternativ-bürgerliche Clientèle, mischt sich mit «Normalos», Studenten und Arabern. Nach dem Einkauf trifft man sich beim «Baron Rouge», einer beliebten Weinbar. Schier unerschöpflich erscheint die Auswahl an Weinen, die zu moderaten Preisen im Glas, in der Karaffe oder in der Flasche ausgeschenkt werden. Dazu gibt es Charcuterie und/oder Käse, von September bis April sind auch Austern sehr beliebt. Wer drinnen keinen Platz bekommt, steht vor der Tür oder im danebenliegenden Square Ar­mand Tousseau. Für den Nachmittag kann man mal den Louvre oder die spektakuläre Fondation Louis Vuitton im Bois de Boulogne ins Auge fassen.

Doch warum immer auf ausgetretenen Pfaden wandeln? Das Musée Jacquemart-André am Boulevard Haussmann im 8. Arrondissement ist ein wenig bekanntes Juwel. In dem Stadtpalast aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind nicht nur erlesene Gemälde von Malern wie Canaletto, Van Dyck, Rembrandt, Le Brun, Mantegna oder Botticelli sowie wechselnde Sonderausstellungen zu sehen. Auch die Tapeten, Wandteppiche und Vergoldungen in den geschmackvollen Salons sind vom Feinsten. Ein besonderes Erlebnis ist aber der Salon de thé. Unter einem Fresco von Tiepolo kann man hier ein kleines Mittagessen oder raffinierte Kuchen zu sich nehmen. Und an warmen Tagen lockt eine traumhafte Terrasse.

Jung und Alt schwingen am Quai St-Bernard das Tanzbein. (Bild: Gerhard Bläske)

Jung und Alt schwingen am Quai St-Bernard das Tanzbein. (Bild: Gerhard Bläske)

Das Louis-Vuitton-Museum ist ein architektonisches Juwel. (Bild: Gerhard Bläske)

Das Louis-Vuitton-Museum ist ein architektonisches Juwel. (Bild: Gerhard Bläske)

Treffpunkt nach dem Einkauf auf dem Marché d’ Aligre: «Le Baron Rouge». (Bild: Gerhard Bläske)

Treffpunkt nach dem Einkauf auf dem Marché d’ Aligre: «Le Baron Rouge». (Bild: Gerhard Bläske)

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