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Kreuzfahrt von Lyon ins Burgund ist Landschaftskino ohne Pause

Pittoreske Städtchen, idyllische Landschaft und gutes Essen – eine Fahrt auf der Saône von Lyon ins Burgund und wieder zurück bietet noch einiges mehr. Kein Wunder boomen nicht nur Kreuzfahrtreisen auf dem Meer, sondern auch auf Flüssen.
Silvia Schaub
Kreuzfahren heisst reisen im Slowmotion-Rhythmus. (Bilder: PD)

Kreuzfahren heisst reisen im Slowmotion-Rhythmus. (Bilder: PD)

Während Kapitän Logan die 110 Meter lange MS Amadeus Provence millimetergenau in die Schleuse hineinzirkelt, jubelt Henriette hinten im Pool. «Das habe ich nun wirklich noch nie erlebt: Im Pool zu baden und gleichzeitig durch die Schleuse zu fahren! Einfach einmalig!» Dabei hat die braun gebrannte, rüstige Rentnerin doch schon so manche Kreuzfahrt miterlebt. Natürlich kann sie ob ihres persönlichen Tages-Highlights nicht umhin, sämtliche Mitreisenden ­darüber zu informieren. Diese allerdings interessiert es mehr, ob der Kapitän es schafft, das Schiff perfekt in die Schleuse zu manövrieren. Also richten sich ihre Augen Richtung Wasser – dankbar für ­etwas Abwechslung an Bord.

Kreuzfahren heisst reisen im Slowmotion-Rhythmus und ist wunderbar entschleunigend. Es passiert wenig, es geht alles langsam – und vor allem: Man muss an nichts denken. Das ist das Fazit unserer Flusskreuzfahrt-Feuertaufe auf der MS Amadeus Provence, die uns von Lyon auf der Saône ins Burgund und wieder zurückbringt, bevor sie weiter auf der Rhône Richtung Süden fährt. Aber langweilig muss diese Reiseform keineswegs sein, auch wenn sie manche abschätzig als Altersheimausflug betiteln, liegt doch der Altersdurchschnitt bei 60–70 Jahren.

Eigentlich beginnt das Abenteuer schon einige Stunden zuvor im Busterminal in Windisch, als wir bei Chauffeur Stephan Billeter in den Bus steigen. Er ist mit seinen über 20 Jahren Buserfahrung ein ­alter Fuchs und weiss, wie man die Gäste ein paar Stunden in Stimmung hält, bis der Einschiffungsort erreicht ist. Und sei es auch nur mit ein paar Bonmots über die Drückwippe an den Sitzen oder die an uns vorbeiziehende Landschaft. Ein bisschen wie ein Klassenausflug fühlt sich das an. Spätestens beim Willkommens-Apéro an Bord kommt man mit den Mitpassagieren ins Gespräch – und merkt: Kreuzfahrer sind Wiederholungstäter. Wie etwa Rosalinde, die gerade im neuesten Rivage-Katalog blättert. «Ich habe noch längst nicht alle Flüsse gesehen.» Obwohl sie auch schon oft auf dem Meer war, zieht sie Flussreisen vor. «Die Schiffe sind kleiner und exquisiter, die Leute kultivierter», findet sie. «Und meist ist auch die Küche besser.» Das können wir nur bestätigen. Da ist nichts von wilden Schlachten am Buffet um die letzten Brötchen oder Schinkenröllchen, wie wir es auf den gigantischen Meereskreuzfahrtschiffen erlebt haben. Stattdessen lockt die Menukarte mit Foie Gras Crème Brûlée, gebratenem Angus Striploin oder Filet de Truite à la Gre­nobloise.

Was die Flussfahrten so beliebt macht, beschreibt Mike Papritz, Geschäftsleiter bei Rivage Flussreisen: «Diese Reiseform bietet den Komfort eines Luxushotels und 24 Stunden Landschafts-Kino pro Tag.» Wie wahr. Statt das unendliche Meer von der Kabine aus zu betrachten, ziehen wir vorbei an herausgeputzten Steinhäusern, kleinen idyllischen Dörfchen, Kuhherden oder picknickenden Franzosen, die es sich zur ­Gewohnheit machen, ihr Auto direkt am Flussufer zu parkieren. Dann wieder gibt es Abschnitte, die einfach nur Ackerland und mit alten, knorrigen Bäumen gesäumtes Ufer präsentieren. Langweilig? Nein. Landschafts-Kino eben, das keine Pausen und kein Ende kennt.

Kaum ausgestiegen, heisst es schon wieder: «An Bord!»

Trotzdem mag man dazwischen auch ­etwas mehr Aktivität vertragen als bloss Schleusen-Erlebnisse. Die leichte Gymnastik mit Lacra um 7 Uhr lassen wir ­jedoch aus. Den Landgang in Mâcon nutzen wir für eine Rundfahrt ins Mâconnais. Stephan Billeter nimmt uns mit seinem Eurobus in Empfang und kurvt gekonnt durch die engen Strässchen in dieser hügeligen Gegend, dem Tor zum Beaujolais mit den Weinbergen mit Gamay, Pinot Noir und Chardonnay. Eindrücklich die Felsen von Solutré und Vergisson. Die lokale Führerin Emilie weiss viel zu erzählen und tut dies mit einem charmanten Akzent. Kaum richtig eingetaucht in diese eindrückliche Landschaft, heisst es schon wieder: «An Bord!». Aber uns stehen noch ein paar Landgänge bevor.

Nur einmal ein- und auspacken

Wir werden in den nächsten Tagen noch ein paar weitere Vorteile zu schätzen bekommen, die eine solche Schiffsreise mit sich bringt. Etwa, dass man nur einmal aus- und einpacken muss. Dass die ­Kabinen auf diesem Schiff vergleichbar mit einem grosszügigen Hotelzimmer sind. Dass man sich nicht um die Routenplanung oder Buchungen für Touren kümmern muss. Kein Rambazamba bis in alle Nacht hinein, kein Kindergequengel im Speisesaal, kein Stau und keine Parkplatz- oder Hotelsuche.

Es ist wohl die Summe all dieser Annehmlichkeiten, die diesen Tourismuszweig überdurchschnittlich boomen lässt. Auf europäischen Flüssen haben im Jahr 2016 1,36 Millionen Menschen eine Flusskreuzfahrt unternommen, wie eine Studie der IG River Cruise belegt. Damit wurde ein neuer Rekordwert erreicht. Und dies, obwohl die Destinationen und Routen zumindest in Europa mehr oder weniger gegeben sind. «Das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit in einer Gruppe, wie man es auf Flusskreuzfahrten ausgeprägt erlebt, entspricht als Reiseart vielen älteren Menschen», sagt Tourismusexperte Heinz-Dieter Quack, Leiter der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Salzgitter. «Alles ist komplett durchorganisiert, und trotzdem bietet es auf dem Fluss noch eine andere, ruhigere Sichtweise auf die Landschaft.»

Weil die Kunden aber zunehmend anspruchsvoller werden, wie Mike Papritz von Rivage-Flussreisen feststellt, baut der Anbieter sein Angebot stetig aus, nimmt neue Destinationen auf, wie im nächsten Jahr mit Flussreisen auf dem Mississippi oder Mekong. Themenreisen mit «Group in Group»-Konzepten sollen auch ein jüngeres Publikum anlocken: Velo- und Wanderreisen mit Baumeler, Advents-Kurzreisen oder Wein-, Musik- und Gartenreisen. «In Sachen Kulinarik und Ausstattung sind die Ansprüche ebenso gestiegen.» So sind die Schiffe von Rivage meist nicht älter als zwei Jahre und wie etwa die Amadeus Provence mit dem ökologischen Gütesiegel «Green Certification» von Green Globe ausgezeichnet. Ein Aspekt, der auch auf den Flüssen immer wichtiger wird, fährt doch das schlechte Gewissen immer ein bisschen mit. Vor allem, wenn man in manchen Städten erlebt, wie gut die Anlegeplätze besetzt sind.

Wir schätzen den Mikrokosmos immer mehr und gewöhnen uns allmählich an den Kreuzfahrt-Rhythmus. Vor allem in kulinarischer Hinsicht. Der Magen knurrt bereits, wenn die nächste Ansage über den Lautsprecher ertönt und zum Essen auffordert. Das ist vielleicht die einzige Schattenseite einer Flussfahrt. Am Ende hat man bestimmt ein paar ­Kilo mehr auf den Rippen. «Anfangs bestellen die Gäste das ganze Menu, mit den Tagen verzichten sie immer mehr auf einzelne Gänge», meint Kerstin Scholl schmunzelnd, die seit fünf Jahren als Hotelmanagerin über die Flüsse Europas tourt.

Man kann nun denken, dass all diese Flussfahrtreisenden nur die Bequemlichkeit und das Feeling suchen, eigentlich zu Hause zu sein. Vielleicht aber ­suchen sie einfach das kleine Glück. Der britische Biologe Wallace J. Nichols hat nämlich nachgewiesen, dass ein Aufenthalt am Wasser gesund und glücklich macht. Da ist nicht nur das «Blau sehen», das beruhigend wirkt, sondern auch das Wellenrauschen, wenn sich das Schiff durch die Wassermassen pflügt. Also setzen wir uns beim Eindunkeln nochmals an Deck. Das Licht in der Abendsonne zaubert eine Stimmung auf die Landschaft, als wären wir irgendwo in der Steppe Afrikas.

Hinweis
Die Reise wurde ermöglicht von Rivage Flussreisen,www.rivage-flussreisen.ch.Weitere Schweizer Anbieter von Flussreisen:www.mittelthurgau.ch,www.thur<i style="font-size: 1em;">gautravel.ch</i>,www.twerenbold.ch.

Während sich das Schiff durchs Wasser pflügt, kann man eine Runde schwimmen. (Bild: PD)

Während sich das Schiff durchs Wasser pflügt, kann man eine Runde schwimmen. (Bild: PD)

Die Kabinen bieten den Komfort eines gehobenen Hotels. (Bild: PD)

Die Kabinen bieten den Komfort eines gehobenen Hotels. (Bild: PD)

Das Städtchen Tournus am Ufer der Saône. (Bild: Silvia Schaub)

Das Städtchen Tournus am Ufer der Saône. (Bild: Silvia Schaub)

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