Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

REISEN: Peru: Ein Land voller Überraschungen

Es geht aufwärts. Nach Jahren politischer Turbulenzen startet das südamerikanische Land wirtschaftlich durch und ist für Touristen immer attraktiver. Dabei punktet der Andenstaat nicht nur mit seinem einzigartigen Inka-Erbe.
Machu Picchu – Zeuge der vergangenen Hochkultur. Die immer noch gut erhaltene Ruinenstadt der Inkas liegt abgeschieden auf einem Hochplateau inmitten von Dschungelbergen. (Bild AP/Karel Navarro)

Machu Picchu – Zeuge der vergangenen Hochkultur. Die immer noch gut erhaltene Ruinenstadt der Inkas liegt abgeschieden auf einem Hochplateau inmitten von Dschungelbergen. (Bild AP/Karel Navarro)

Wolfgang Holz

Die Aussicht vom Turm des Santo-Domingo-Klosters in Lima ist faszinierend – und frustrierend zugleich. Vor einem breitet sich der Moloch der Zehn-Millionen-Metropole aus. Ein Drittel aller Peruaner lebt hier. Wie ein schmutziger Teppich wirkt die Stadtlandschaft, deren Konturen sich bereits nach einigen hundert Metern in einem mystischen Nebel verlieren. Ein feuchtes Grau, das der Stadt aufgrund des kalten Humboldtstroms fast den ganzen Winter über den Anblick auf die Sonne raubt. Was noch von oben zu erkennen ist – lärmende Autokolonnen auf einer Magistrale, Favelas, die an den Hängen des Küstengebirges von San Cristobal quasi zu Kreuze kriechen –, machen einem sofort klar: Lima aus der Vogelperspektive ist keine schöne Stadt.

Und doch. Wer in Lima ankommt, fühlt sich hier sofort wohl. Man glaubt nicht, mehr als 10 000 Flugkilometer von zu Hause weg zu sein. Die Stadt lebt, pulsiert, wirkt sehr europäisch. Und wer beobachtet, wie zielsicher Jorge, der Fahrer, den Wagen fliessend, ohne auch nur ein einziges Mal zu fluchen, durch den chaotischen Dauerstau der City steuert, der erlebt zum ersten Mal die angenehme Gelassenheit des peruanischen Wesens.

Pizarros sagenhafte Karriere

Man fragt sich, wie sich wohl der spanische Eroberer Francisco Pizarro am 18. Januar 1535 gefühlt haben mag, als er hier ankam und auf einer Eingeborenensiedlung des Rio Rimac, mitten in der Küstenwüste, die «Stadt der Könige», das heutige Lima, gründete. Die steile Karriere vom einstigen Schweinehirten aus der Extremadura zum «Conquistador» des Inkareichs wirkt auch heute noch sagenhaft. Und doch, wer vor seinem Grabstein in der sehr sehenswerten Kathedrale von Lima steht, die zwischen 1535 und 1625 erbaut wurde, atmet Historie.

Gleich in der Nähe, einen Steinwurf von der repräsentativen Plaza de Armas entfernt, kann man die Pracht und den Prunk einatmen, in dem Hauptmann und Kolonialherr Jerónimo de Aliaga y Ramírez, ein Amigo Pizarros, im ältesten Gebäude Amerikas, in der Casa de Aliaga, hauste – und all die 16 Generationen der Aliagas nach ihm. Verschiedenste Epochen exklusivster Stile möblieren dieses heutige Museum und dokumentieren nicht nur den Reichtum der einstigen Eroberer. Die Familienfotos und -gemälde der letzten Aliagas, die hier bis vor einigen Jahrzehnten noch gewohnt haben, sind auf einem Tisch aufgestellt und berühren einen: Impressionen eines peruanischen Minenclans. Sogar in einer Privatkirche in ihrer Casa konnten die Aliagas beten und sich die Beichte abnehmen lassen.

Alpaca und Fussballtrikots

Doch Lima hat noch viel mehr zu bieten. Skurriles, wie jene Militärkapelle hinter dem Zaun des Präsidentenpalais, die, mit Pickelhaube bestückt, lässige Swingrhythmen intoniert – während gleichzeitig schwerbewaffnete Sicherheitskräfte Schulklassen in Uniformen und taktwippende Touristen auf Distanz halten. Buntes, wie der Inkamarkt in Miraflores, wo man nicht nur kuschelige Meerschweinchen aus Alpacawolle erstehen kann, sondern auch Fussballtrikots der peruanischen Nati. Szeniges – wie die hippen Ausgehlokale im Barranco-Vergnügungsviertel. Erotisches – wie die beeindruckende Sammlung präkolumbianischer Kunst im Museum Larco, die in einem kleinen Anbau freizügige Keramiken zur menschlichen Lust der Moche-Kultur präsentiert.

«It’s all ritual!», sagt Cesar, unser Führer und jovialer Ethnologieprofessor mit einem süffisanten Lächeln im Gesicht. Oder eben doch gleich richtig Hochprozentiges bei einer Degustation in einer Pisco-Bar. Pisco ist eine Art peruanischer Grappa – der sich, gemixt und geshaket mit Eiweiss, Zuckersirup, Limettensaft und zwei Tropfen Amargo Chuncho Bitter oben drauf, in einen äusserst wohlschmeckenden und stimulierenden «Pisco Sour» verwandelt. Salud!

Die Küche – eine Wundertüte

Apropos. Nicht nur in diesem herb-süssen Cocktail schmeckt man die Seele des südamerikanischen Landes. Die peruanische Küche ist eine Wundertüte, die einen durch ihre Vielfalt und ihren Gourmetcharakter überrascht. Eigentlich könnte man jeden Tag «Lomo saltado» essen, jene mega zart gegrillten Rindsfiletstreifen mit Pommes und Reis. Doch es gibt so viele andere Genüsse in Peru, dessen Speisekarte sich aus der Tradition der Inkas, dem Einfluss der spanischen Kolonialherren und vieler Einwandererkulturen zusammensetzt.

Eine regelrechte Food-Ekstase erleben Besucher des Restaurants Maido in Miraflores in Lima, wo der japanischstämmige Koch Mitsuharu Tsumura göttliche Gerichte zaubert. Der Gaumenplausch hat allerdings seinen Preis – man muss so um die 150 Franken für besagtes Menü berappen. Viel Geld, wenn man bedenkt, dass Peruaner im Schnitt monatlich gerade so viel verdienen. Doch es gibt eben inzwischen in Lima aufgrund des Wirtschaftsbooms eine Klasse von «Nouveaux Riches» und eine gehobene Mittelschicht, die sich so etwas leisten kann.

Man stösst aber auch mitten im peruanischen Hochland ganz unerwartet auf lukullische Genüsse. Im «El Parador de Moray» etwa, einer früheren Hacienda in der Nähe jenes «Saatlaboratoriums» der Inkas. Oberhalb der Bergsenke, wo die Eingeborenen im Mittelalter auf mehreren Hochterrassen im geschützten Mikroklima die Aufzucht verschiedenster Lebensmittel testeten und kultivierten, kann man sich hervorragend stärken, bevor man die Ruinen der Inkas in den Anden erklimmt.

Mystik aus vergangener Zeit

Cusco, Ollantaytambo, Machu Picchu sind einige der Highlights jener unbeschreiblichen Hochkultur, die sich im Hochland der Anden von 1200 bis 1532 von Kolumbien bis Chile ausbreitete und Bauwerke von unglaublicher Eindrücklichkeit hinterlassen hat.

Besonders Machu Picchu, die noch immer gut erhaltene alte Ruinenstadt der Inkas auf rund 2400 Metern, verströmt den mystischen Glanz dieser vergangenen Zeit. Verständlicherweise ist das Hochplateau um den alten Berg (= Machu Picchu) deshalb überlaufen von Touristen aus aller Welt – aber die Ehrfurcht und die innere Ruhe, die den Besucher angesichts dieses sich über Hunderte von Quadratmetern erstreckenden Areals und der überwältigenden Wirkung der gespenstisch geformten, nebelverhangenen Dschungelberge rundum befallen, lassen einen den Rummel schnell vergessen.

Neben den terrassenförmigen Bauten sind es gerade die häufigen Wetterwechsel und die Abgeschiedenheit der gesamten Anlage, die faszinieren. Auch die gut eineinhalbstündige Fahrt in dem Orient-Express-ähnlichen «Hiram-Bingham»-Zug entlang des wildromantischen Rio Urubamba von Aguas Calientes bis Machu Picchu City hat ihre Reize. Hiram Bingham war jener amerikanische Forscher und Historiker, der Machu Picchu zusammen mit einem einheimischen Campesino 1911 entdeckte. In dem historischen Zug leben diese legendären Zeiten wieder auf.

Atemberaubendes Cusco

Cusco selbst, die einstige Metropole des Inkareichs und heute 500 000-Einwohner-Stadt, raubt einem völlig den Atem. Nicht nur wegen der dünnen Luft in 3400 Metern Höhe. Man merkt der Stadt an, dass sich die spanischen Eroberer und die indigenen Herrscher hier besonders harte Kämpfe geliefert haben müssen. Zeichen davon ist etwa das gülden blendende Denkmal des letzten Inka Atahualpa auf der Plaza de Armas, der dort von den Spaniern massakriert wurde.

Atemberaubend ist auch, dass die Santo-Domingo-Kathedrale und die Kirche der Jesuiten der Spanier direkt auf den Trümmern der Inkapaläste erbaut wurde – in Form eines sakralen Prunks, der seinesgleichen sucht. Allein der gold- und silberglänzende Barockaltar in der Kapelle der Heiligen Familie lässt erahnen, in welchem Rausch des Reichtums sich die Conquistadores befunden haben müssen. Dagegen wirken die engen, schachbrettartigen Gassen von «Cusco-Siddy», wie Reiseführer Juan immer wieder leidenschaftlich betont, deutlich bescheidener. An den Häuserfassaden lassen sich noch die Reste jener soliden, oft durch trapezoide Felsbrocken gekennzeichneten Bauweise der Inkas erkennen.

Damit einem die Luft tatsächlich nicht völlig wegbleibt, wird in einem der besten Hotels der Stadt, dem «Palacio Nazarenas» der Belmond-Gruppe, reiner Sauerstoff durch die Air Condition «zugefächelt». Der Luxus in dem durch die Spanier umgebauten Palacio im Kolonialstil wirkt unermesslich. Wobei diese Erstklassigkeit selbstverständlich ihren Preis hat. Die Junior Suite im «Palacio» in Cusco liegt bei 600 Franken pro Nacht.

Einen hervorragenden Service und ein exklusives Ambiente erwartet einen auch in der «Inkaterra Hacienda Concepcion», einer Art Öko-Hotel, im Dschungel bei Puerto Maldonado. Peru ist ein veritabler kleiner Minikontinent und hat neben der Costa (Küste) und der Sierra (Andenhochland) auch noch die Selva zu bieten. Sprich: den Regenwald. Und den kann man auf dem Areal der ursprünglichen Kakao- und Kautschukplantage hautnah erleben.

Sightseeing auf Hängebrücken

Am Ufer des Rio Madre de Dios bietet die neu gebaute Lodge seit den 80er-Jahren neben 18 komfortablen Holzhütten im Tropenstil für zwei Personen weitere Zimmer im Haupthaus an. Tägliche Exkursionen wie eine Wanderung durch den Regenwald mit Bootsfahrt auf einem See oder Baumkronen-Sightseeing über schwindelerregende Hängebrücken in 40 Metern Höhe sorgen für den kleinen Nervenkitzel.

Wenn es um sechs Uhr abends dann draussen plötzlich stockdunkel wird und der Dschungel zu leben beginnt, wird einem bei jedem Geräusch erst mal etwas mulmig. Am meisten staunt man, wenn plötzlich Affen vor den nur mit Moskitodraht bedeckten Fenstern der Hüttenterrasse durch die Bäume schwingen: die zivilisierte Wildnis vor der Haustür.

Hinweis

Diese Reportage entstand aufgrund einer Pressereise. Dazu eingeladen hat promperú, die Kommission zur Förderung von Export und Tourismus in Peru. www.peru.travel/de

Machu Picchu

Laut Forschungen wurde Machu Picchu im 15. Jahrhundert von Inka Pachacútec errichtet. Unter Archäologen gibt es diverse Theorien zum Zweck der Stätte. Einige halten Machu Picchu für eine heilige Stadt, andere für ein bedeutendes politisches, administratives und religiöses Zentrum der Inka. Zur terrassenförmigen Stadt, die auf rund 2400 Metern über Meer liegt, gehören auch Tempel, Paläste und Wasserkanäle.

Im Hintergrund der beleuchtete Regierungspalast an der Plaza de Armas in Limas Altstadt, rechts die Kathedrale. (Bild EPA)

Im Hintergrund der beleuchtete Regierungspalast an der Plaza de Armas in Limas Altstadt, rechts die Kathedrale. (Bild EPA)

Marktwagen in den engen Gassen von Cusco – die einstige Metropole des Inkareichs liegt 3400 Meter über Meer. (Bild AP/The New York Times Magazine/David Guttenfelder)

Marktwagen in den engen Gassen von Cusco – die einstige Metropole des Inkareichs liegt 3400 Meter über Meer. (Bild AP/The New York Times Magazine/David Guttenfelder)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.