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Rettet den Frauenschuh

Der Frauenschuh ist die Ikone unter den einheimischen Orchideen. Seine zauberhafte Blüte ist ihm aber zum Verhängnis geworden, es gibt ihn kaum mehr. Nun startet eine Rettungsaktion in neun Kantonen.
Heini Hofmann
Die nektarlose Frauenschuh-Blüte mit gelber, schuhförmiger Lippe. (Bild: Schweizerische Orchideen-Stiftung)

Die nektarlose Frauenschuh-Blüte mit gelber, schuhförmiger Lippe. (Bild: Schweizerische Orchideen-Stiftung)

Orchideen sind allgemein gefährdet und daher geschützt. Speziell der Frauenschuh, auch Marienschuh genannt, weist in der ganzen Schweiz einen bedeutenden Rückgang auf, besonders drastisch im zentralen und westlichen Mittelland. Im Jurabogen und im Grossraum Basel ist er bereits ausgestorben.

Gründe für diesen Rückgang in der Schweiz und in Europa sind, neben Klima- und Biotopveränderungen vor allem Kahlschläge und Monokultur-Aufforstungen sowie maschinelle Waldnutzung. Aber auch der Frevel, die Wilderei. Orchideenraub gab es zwar schon früher. Aus neuerer Zeit sind aber besonders grosse Raubtouren bekannt: Am Creux-du-Van im Val-de-Travers und bei Scuol im Unterengadin wurden je rund 2000 blühende Frauenschuh-Orchideen geraubt. Die Schuldigen fand man nie.

Schönheit wird ihm zum Verhängnis

Beim Wildern von Nashörnern geht es um deren Horn, dem Frauenschuh wird seine Schönheit zum Verhängnis. Und wie bei den Nashörnern ist bei den Orchideen trotz strenger Gesetze der totale Schutz schwierig. Die Basler Samuel Sprunger und Werner Lehmann, zwei engagierte Orchideen-Kenner, starten im Juni deshalb eine Frauenschuh-Rettungsaktion in der Schweiz. Die Idee dahinter: Man vermehrt die Orchidee im Labor und pflanzt sie dann in freier Natur wieder aus. Parallel dazu soll einheimischer Frauenschuh im Treibhaus kultiviert werden. Dieser gelangt – analog den tropischen Pflanzen-Hybriden – in den Handel. So ist der Frauenschuh legal und zudem günstiger zu erwerben als unrechtmässig geräuberter auf dem Schwarzmarkt, und er blüht erst noch fast doppelt solange wie der Gewilderte.

Doch Frauenschuh in vitro zu vermehren und dann wieder an Originalstandorten anzupflanzen, ist extrem schwierig. Das zeigten schon erste Versuche in England, wo 1970 landesweit gerade noch eine allereinzige, Tag und Nacht bewachte Pflanze existierte. In der Schweiz verfolgte das gleiche Ziel die Schweizerische Orchideenstiftung am Herbarium Jany Renz mit Sitz in Basel. Sprunger und Lehmann lassen mit ihrer Frauenschuh-Rettungsaktion den Geist des 1999 verstorbenen «Orchideen-Vaters» Jany Renz weiterleben und haben dafür einen geeigneten Partner für ihr Projekt gesucht. Fündig wurden sie in Holland bei der Firma Anthura in Bleiswijk, einer riesigen Blumengärtnerei in der Nähe von Rotterdam, die spezialisiert ist auf Flamingoblumen, Phalaeopsis- sowie selektionierte Garten-Orchideen.

Schwierig anzupflanzen

Einfach ist dieses Frauenschuh-Projekt jedoch nicht, denn «Cypripedium calceolus» ist eine geschützte Spezies und unterliegt den Cites-Schutzbestimmungen und somit vielen Vorschriften. Auch das Auskeimen der Sämlinge und das anschliessende Heranwachsen der Vorkeimlinge ist ein schwieriges Unterfangen. Die Samen werden im Gewebekultur-Zentrum von Anthura in Flaschen mit steriler Nährlösung zum Keimen gebracht, dann erst kommen sie in Erde und werden in klimatisierten Gewächshäusern mehrmals umgetopft, bis sie nach drei bis vier Jahren kräftig genug sind für das Auspflanzen.

Im aktuellen Pilotversuch resultierten rund 28000 Keimlinge, wovon etwa 3500 für die Repatriierung ausgewählt werden. Die Kosten des Projekts von rund 40000 Euro übernimmt Anthura als Sponsor und kann dafür, sofern dies klappt, Langblüher für den Handel produzieren.

Bereits neun Kantone an Bord

Die Resonanz ist erfreulich: Bereits neun Kantone machen beim «Projekt Frauenschuh» mit: Neuenburg, Jura, Basel-Stadt, Baselland, Bern, Obwalden, Aargau, Zürich und St. Gallen. Im Juni sollen die Repatriierungs-Auspflanzungen in allen neun Kantonen gleichzeitig stattfinden. Wo genau, wird – verständlicherweise – nicht kommuniziert, mit einer Ausnahme: Auf der Älggialp in Obwalden im Zentrum der Schweiz entsteht eine Referenzanlage.

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