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Roboter-Hotel entlässt Roboter

Eine japanische Hotelkette feuert ihre «dienstbaren Geister» wegen Unfähigkeit. Das visionäre Konzept mit Robotern erlebt derzeit im technikverliebten Japan einen herben Rückschlag.
Angela Köhler, Tokio
Das Henn-na Hotel in Sasebo wurde 2015 eröffnet. Es war das erste Roboterhotel der Welt. Bild: EPA (Sasebo, 16. Juli 2015)

Das Henn-na Hotel in Sasebo wurde 2015 eröffnet. Es war das erste Roboterhotel der Welt. Bild: EPA (Sasebo, 16. Juli 2015)

Sie waren die hochgelobten und gefeierten Stars der japanischen Hotelszene: Roboter, die bei­nahe alle Jobs in einem solchen Gastrobetrieb übernehmen. Fast schien es so, als würde der Mensch in diesem Gewerbe überflüssig. Jetzt werden viele «dienstbare Geister» plötzlich entlassen, ausgemustert und verschrottet. Die künstlichen Servicemitarbeiter haben über weite Strecken versagt und werden wieder durch Menschen «ersetzt».

Es begann alles mit einem grossen Hype im westjapanischen Sasebo bei Nagasaki. 2015 wurde dort mit einem gewaltigen Medienspektakel das «Hotel der Zukunft» eröffnet. Schon sein Name verspricht eine völlig neue Dimension. Henn-na-Hotel bedeutet in etwa das seltsame, ­komische, in jedem Fall das «andere Hotel». Weltweit staunte man, wie schnell und konsequent Science-Fiction Realität wurde: An der Rezeption wurden Roboter mit Dino-Kopf platziert, die die Gäste in verschiedenen Sprachen begrüssen können. Transportroboter bringen das Gepäck auf die Zimmer, die Tür öffnet sich per Gesichtserkennung, smarte Assistenten versehen den Dienst im Raum, bedienen zum Beispiel das Licht. Selbst die verantwortungsvolle Funktion des Concierge übernahm eine Maschine.

Über 240 Roboter im Einsatz

Ein Robo-Page bringt das Gepäck auf das Zimmer. Bild: EPA (Sasebo, 16. Juli 2015)

Ein Robo-Page bringt das Gepäck auf das Zimmer. Bild: EPA (Sasebo, 16. Juli 2015)

Angefeuert von der überwältigenden Resonanz wurde das ­Kader immer weiter aufgestockt, aus den 80 automatischen Kollegen am Anfang wurden bald 243, die Dienst im ganzen Haus verrichten sollten und sogar vor den Gästen in der Lobby tanzten.

Das Henna-na-Hotel schien die praktische Lösung für den chronischen Arbeitskräftemangel in der drittgrössten Wirtschaftsmacht der Welt. Und es erwies sich als Attraktion für technikaffine Touristen aus Japan und der ganzen Welt. Schnell legte der Betreiber, das grosse Reiseunternehmen H.I.S, nach. Es folgten roboterbetriebene Gästehäuser in und um Tokio sowie in anderen Grossstädten. Bis 2020, so der aktuelle Plan, sollen es 100 Henna-na-Hotels sein.

Jetzt aber erlebt das visionäre Konzept einen herben Rückschlag. Viele dieser dienstbaren Geister haben in den Luxusherbergen offenbar versagt und mehr Frust als Freude ausgelöst, wie als Erstes die «Wall Street Journal» herausfand. Mehr als die Hälfte der Automaten musste stillgelegt werden, weil sie den wenigen Menschen viel mehr Arbeit verursachten als abnahmen.

Als erster Roboter wurde der Concierge-Roboter ausgemustert. Er war programmatisch nicht in der Lage, Anfragen nach Flügen, Taxis, günstigen Strassenverbindungen oder auch nach Touristenattraktionen zufriedenstellend zu beantworten. Die ­Reception, besetzt mit zwei Maschinen in der Gestalt von Velociraptoren, kann problemlos japanische Kunden einchecken. Pässe von Ausländern aber sind ein Problem, zum notwendigen Kopieren brauchen sie menschliche Unterstützung.

Einer der Rezeptionisten im Hotel: Ein Robo-Dinosauerier.Bild: Shizuo Kambayashi/AP (Sasebo, 15. Juli 2015)

Einer der Rezeptionisten im Hotel: Ein Robo-Dinosauerier.
Bild: Shizuo Kambayashi/AP (Sasebo, 15. Juli 2015)

Menschliche Geräusche nicht erkannt

Für Verdruss sorgte auch der persönliche Zimmerassistent «Churi», der sprachgesteuert das Telefon ersetzt und die Heizung sowie das Licht reguliert. Er konnte offenbar menschliche Geräusche nicht unterscheiden und reagierte auf das Schnarchen mancher Gäste mit den Worten «Entschuldigung, das habe ich nicht verstanden. Können Sie Ihre Frage wiederholen?» Natürlich war es mit dem Schlaf erst einmal vorbei. «Churi» wurde in Sasebo und in anderen Häusern gefeuert.

Als Enttäuschung erwiesen sich auch einige im «Henna-na» eingesetzte Gepäckträger. Sie funktionierten nur auf ebenen sowie auf trockenen Böden und erreichten daher nur rund einen Viertel der mehr als 100 Zimmer des Hauses. Zuweilen blieben die Transporteure auch in den Gängen stecken, weil sie nicht aneinander vorbeikamen. In jedem Fall klagten Gäste, die technischen Helfer seien viel zu langsam und laut. Andere Hotels allerdings haben mit Greifarm-Robotern bessere Erfahrungen. Generell wird in Japan extrem viel mit technischen Konzepten experimentiert.

Die H.I.S-Kette will ihr Konzept des roboterbetriebenen ­Hotels in keinem Fall gänzlich aufgeben, wie der Chef des Reiseveranstalters H.I.S, Hideo Sawada, betont. Er habe gelernt, dass viele Aufgaben derzeit nur für den Menschen geeignet seien. «Wenn du Roboter tatsächlich nutzt, erkennst du, dass es Plätze gibt, wo sie nicht praktisch sind oder die Menschen einfach nur nerven.»

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