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SÄUMERPFADE: Schwitzen und schwimmen und schlemmen

Den Alpenkamm überqueren und sich abends in Luxushotels und Gourmet-Restaurants verwöhnen lassen: Das ist auf einer Rundwanderung vom Simmen- ins Rhonetal und zurück möglich.
Die Wanderung entlang der Bisse du Ro ist etwas für schwindelfreie Personen, denn der Weg klebt streckenweise an senkrechten Felswänden. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Wanderung entlang der Bisse du Ro ist etwas für schwindelfreie Personen, denn der Weg klebt streckenweise an senkrechten Felswänden. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Wandergruppe trifft sich am Vorabend im Hotel Lenkerhof in Lenk im Simmental. Das Hotel verfügt über eine eigene Schwefelquelle, die den Pool speist. Vor der Weinprobe bleibt noch etwas Zeit für ein Bad.

Das Restaurant des «Lenkerhofs» verfügt über 16 Gault-Millau-Punkte. Gastgeber Jan Stiller ist beim Abendessen – Auswahl aus 16 Gerichten für 6 Gänge – in seinem Element und lobt die Flexibilität der Küche. Ich teste sie und bestelle nach dem Dessert nochmals eine Suppe. Die Küche besteht souverän.

Die wunderbare Aussicht will verdient sein

Am nächsten Morgen starten wir unsere Wanderung auf ehemaligen Säumerpfaden in der Iffigenalp ob Lenk auf knapp 1600 Metern. Der Bergflanke entlang windet sich der Weg steil aufwärts. Die Atmung geht schwerer, und sehnsüchtige Blicke richten sich hinauf zur Militärseilbahn, die zum Plaine-Morte-Gletscher führt, aber keine Zivilisten mitnimmt. Ein Wasserfall sprüht Gischt über den Weg. Die Gratisdusche erfrischt.

Auf der Alp Stiereläger auf rund 2200 Metern wird der Weg flacher. Schon bald erblicke ich den kleinen See unterhalb des Rawilpasses. Er lädt nicht zum Bade, denn im Wasser schwimmen Eisberge. Bei der Mittagsrast ist der warme Pullover hochwillkommen, denn Wind kommt auf. Die Rawil-Passhöhe liegt auf 2429 Metern. Der Blick in die Berner und die Walliser Alpen entschädigt reichlich für die vergossenen Schweisstropfen. Im Osten sieht man die Bergstation des Sessellifts auf der Plaine Morte. Auffällig ist, wie wenig Menschen uns entgegenkommen. Vielleicht zehn Wanderer sind es von der Iffigenalp bis zum Stausee von Tseuzier.

Vor uns erstreckt sich der Alpage du Rawil, ein weites Hochtal, gut zwei Kilometer in Richtung Südwesten. Kühe sind Ende Juni noch keine hier oben. Am unteren Ende des Alpage folgt der Abstieg zum Stausee von Tseuzier. Er ist fast so steil wie der Aufstieg von der Lenk her. Dafür bietet er spektakuläre Ausblicke auf die türkisfarbene Wasserfläche des Sees. Nun vertreibt die Sonne die Wolken. Die Marschzeit für die Strecke von der Iffigenalp zum Stausee von Tseuzier ist mit viereinhalb Stunden angegeben, was sportlich erscheint.

Tollkühne Konstruktion hoch über dem Flussbett

Nach einer Rast im Restaurant beim Stausee folgt der letzte Teil des Tagespensums auf dem Trassee des früheren Bewässerungskanals Bisse du Ro. Er versorgte seit dem Mittelalter Crans mit Wasser. Nach kurzem Aufstieg geht es in meist sanftem Gefälle teils senkrechten Felswänden entlang, hoch über dem Flussbett. Ich ziehe in Gedanken den Hut vor den Männern, die mit den damaligen Hilfsmitteln den Kanal gebaut und unterhalten haben. 1946 wurde der Kanal durch einen Tunnel ersetzt und später als Wanderweg wiederhergestellt.

Für die Strecke vom Stausee von Tseuzier nach Crans-Montana muss man gut drei Stunden rechnen. Eine Alternative ist das Postauto. Vom Stausee aus hat man mit Umsteigen eine Verbindung nach Siders. Von dort fährt die Standseilbahn nach Crans-Montana.

Die zweite Nacht verbringen wir in der im Chaletstil gehaltenen «Hostellerie du Pas de l’Ours» in Crans-Montana. Da wir relativ spät eintreffen, bleibt keine Zeit mehr, das Spa zu testen. Das Restaurant mit 17 Gault-Millau-Punkten ist zwar Ende Juni noch zu, aber Küchenchef und Hotelier Franck Reynaud sorgt dennoch für den kulinarischen und önologischen Höhepunkt der Wanderung, Letzteres mit sechs verschiedenen Walliser Weinen.

Gemütliche Wanderung vom Gemmi-Pass nach Kandersteg

Die nächste Etappe nach Leukerbad folgt einem weiteren Bewässerungskanal. Wir legen den Weg am Folgetag im Bus zurück und beginnen die gut dreistündige Wanderung von der Gemmi-Passhöhe nach Sunnbühl ob Kandersteg. Den Aufstieg von Leukerbad auf die Gemmi – und den letzten Abstieg nach Kandersteg – erleichtern Luftseilbahnen.

Der Weg führt erst von der Gemmi-Passhöhe dem Daubensee entlang und dann sanft abwärts in Richtung Kantonsgrenze. Im Hotel Schwarenbach, einer früheren Zollstation zwischen Bern und dem Wallis, lockt der Aprikosenkuchen. Etwas später erreichen wir auf der Spittelmatte genannten Ebene, die heute ein Waldschutzgebiet bildet, wieder Berner Boden. Geformt wurde die Landschaft durch Eisabbrüche vom 3629 Meter hohen Altels. Ein Stein erinnert an sechs Männer, die bei einem solchen Ereignis 1895 ihr Leben verloren haben. Plötzlich drückt der Nebel aus dem Kandertal herauf, verfängt sich in den Bäumen und schafft eine geradezu mystische Stimmung.
Das Ziel des Tages ist das Waldhotel Doldenhorn in Kandersteg. Ich nächtige in einer Suite. Von den vielen Angeboten im Spa teste ich die Salzgrotte. Das Restaurant macht seinen 15 Gault-Millau-Punkten alle Ehre, und beim Anblick des Dessertwagens bedauere ich, dass ich schon fast satt bin.

Von Kandersteg führt die vierte und letzte Etappe der Rundreise nach Lenk. Wer auch dieses Teilstück absolvieren will, fährt mit dem Bus von Kandersteg bis Adelboden und wandert von dort über den Hahnenmoospass nach Lenk.

Martin Knoepfel

Der Weg von der Gemmi-Passhöhe entlang dem Daubensee ist vielbegangen. (Bild: Martin Knoepfel)

Der Weg von der Gemmi-Passhöhe entlang dem Daubensee ist vielbegangen. (Bild: Martin Knoepfel)

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