Sambia: Die Magie der Savanne

Die beiden Luzerner Lorenz A. Fischer und Judith Burri haben im südlichen Afrika die Savanne erforscht. Und dabei eine spannende Welt entdeckt.

Judith Burri
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Ein Fischermädchen, das mit seiner Familie am Rand der Bangweulu-Sümpfe lebt. (Bild: Lorenz A. Fischer)

Ein Fischermädchen, das mit seiner Familie am Rand der Bangweulu-Sümpfe lebt. (Bild: Lorenz A. Fischer)

Seit Tagen erhellen Blitze den graublauen Horizont. Ununterbrochen grollt ferner Donner. Plötzlich verdunkeln gewaltige Wolkentürme die Sonne, eine heftige Windböe wirbelt Sand auf. Dann ein Krachen und der Wolkenbruch. Nach über einem halben Jahr regnet es - endlich! Im Schutz unseres Geländewagens beobachten wir fasziniert das Geschehen. Neben uns rücken die Gnus dicht zusammen. Mit dem Hintern gegen den peitschenden Regen trotzen sie stoisch dem Sturm. Als der Regen nachlässt, jagen sie in neuem Schwung über die Ebene, springen tollkühn in die Luft und sprühen vor Lebensfreude.

Ende des Trockenschlafs

Nur wenige Tage nach dem ersten grossen Regen überzieht zartes Grün die Ebenen des Liuwa-Plain-Nationalparks im Westen Sambias. Zehntausende Gnus und Zebras ziehen wie in der Serengeti zu den frischen Weiden. Rosa, gelbe und weisse Lilien verwandeln den Savannenboden in Blumenwiesen. Frösche und Kröten erwachen aus dem Trockenschlaf. Am Abend leuchten ihre Augen im Scheinwerferlicht des Geländewagens. Dann reissen wir oft im letzten Moment das Steuer herum, denn die Amphibien hocken gerne in den feuchten Radspuren.

Ein Fischermädchen, das mit seiner Familie am Rand der Bangweulu-Sümpfe lebt. (Bild: Lorenz A. Fischer)

Ein Fischermädchen, das mit seiner Familie am Rand der Bangweulu-Sümpfe lebt. (Bild: Lorenz A. Fischer)

Wir sind die einzigen Besucher des extrem abgelegenen Parks. Eine touristische Infrastruktur ist erst im Aufbau. Einen Monat lang teilen wir unser Camp nur mit Lady Liuwa, der letzten Löwin im Park. Seit ihre Rudelmitglieder von Wilderern abgeschossen wurden, sucht sie die Gesellschaft von Menschen. Nur langsam gewöhnen wir uns an die Nähe des wilden Raubtiers. Ohne Konkurrenz von Löwen haben sich dafür die Tüpfelhyänen stark vermehrt. Die nachtaktiven Raubtiere tolerieren uns mit der Zeit am Bau und erlauben uns einen tiefen Einblick in ihr Sozialleben. Fasziniert folgen wir ihnen auf die Jagd und amüsieren uns über ihren liebevollen Umgang mit den Jungen.

Das «wahre» Afrika

Sambia gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Trotz vieler Probleme ist es aber politisch stabil und sehr sicher zu bereisen. Über siebzig ethnische Gruppen leben friedlich zusammen und haben ihre traditionellen Lebensweisen beibehalten.

Das Land birgt fantastische Wildnisgebiete, die jedoch noch weitgehend unbekannt sind. Bis in die Neunzigerjahre wurde in ihnen intensiv gewildert. Inzwischen hat der Schutz der Wildnis hohe Priorität. Tourismus ist der Schlüssel dazu. Er bringt dem Land dringend benötigte Devisen und der lokalen Bevölkerung Arbeitsplätze. Die Kombination von Naturschutz mit einem nachhaltigen Tourismus ist für Sambia die einzige Chance, seine grandiose Natur zu erhalten. Mit dem Slogan «The Real Africa - das wahre Afrika» setzt Sambia im Tourismus auf Qualität und echte Wildnis. Wir als Individualreisende hingegen erlebten vor allem in der Regenzeit «das wahre Abenteuer» mit Expeditionscharakter.

Im Dezember fahren wir in den Nordosten Sambias in den Kasanka-Nationalpark. Es regnet täglich, und oft trommeln die ganze Nacht dicke Wassertropfen auf unser Zeltdach.

Barfuss waten wir in Begleitung eines Wildhüters durch Wald, Sumpf und Wasser, bis wir endlich ein Versteck auf einem Baum erreichen. Von dort, 5 Meter über Grund, überblicken wir den überschwemmten Sumpf. Auf kleiner Fläche hängen acht bis zehn Millionen Palmenflughunde wie Früchte an ihren Schlafbäumen. Eingehüllt in ihre Flughäute, trotzen sie eng aneinandergeschmiegt Regen, Wind und Sonne. Sie haben sich hier seit Ende Oktober versammelt, weil dann mit dem ersten Regen innert kurzer Zeit besonders viele wilde Früchte reifen.

Invasion der Flughunde

Kurz vor Sonnenuntergang beginnt es zu rascheln und zu schnattern. Millionen von Tieren fliegen in immer neuen Wellen in die dunkelblaue Nacht hinaus. Wie kleine Flugsaurier schwärmen sie über unsere Köpfe.

Auf dem Höhepunkt der Regenzeit im Januar besuchen wir den Südluangwa-Nationalpark im Osten Sambias. Der Park wird als einziger des Landes seit 30 Jahren touristisch genutzt. Oft regnet es, meistens kurz und heftig. Doch sobald das Gewitter weiterzieht, füllt sich die Luft wieder mit dem sorglosen Zwitschern der Vögel. Elefanten wandern auf der Suche nach wilden Mangos von Baum zu Baum. Antilopen, Zebras, Büffel und Giraffen sind gut genährt, fit und muskulös. Sie alle haben Nachwuchs, überall hüpfen die Jungtiere selbstbewusst umher. Löwen und Leoparden sind im dichten Gebüsch jetzt schwieriger zu entdecken. Aber mit etwas Übung finden wir sie trotzdem.

Die regenreichen Monate füllen die Flüsse, Seen und Sümpfe. Im Bangweulu-Sumpfgebiet im Norden Sambias verschiebt sich die Wasser-Land-Grenze bis Ende März um bis zu 20 Kilometer.

Überwältigende Wildnis

Am Rand der überschwemmten Ebene steigen wir vom Geländewagen in ein kleines Boot um. Wildhüter staken uns auf die Insel Chikuni, wo wir im Camp des Parkmanagers wohnen. Menschen in Einbäumen gleiten vorbei. Seit Jahrhunderten ziehen sie gegen Ende der Regenzeit in die Sümpfe, um zu fischen.

Auf unseren Ausflügen staken wir im Boot durch Wasserkanäle und Lagunen voller Seerosen. Am Ufer grasen Zehntausende Schwarze Litschi-Moorantilopen, eine Art, die nur in Bangweulu vorkommt. An den Abenden geniessen wir die Einsamkeit des Wasserparadieses. Auch hier befindet sich der Tourismus erst im Aufbau. Die untergehende Sonne vergoldet den flachen See. Enten, Gänse und Sichler fliegen schnatternd und pfeifend zu ihren Schlafplätzen. Bald werden sie übertönt vom hohen Glockengeläut des grünen Riedfroschs. Die Schönheit der afrikanischen Wildnis in der Regenzeit überwältigt uns jeden Tag von neuem.

Multimedia-Tour ab 5. Januar

Tipps Veranstaltungen: In der Multimedia-Livereportage «Afrika - Die Magie des Sambesi» mit Bildern, Originaltönen und afrikanischen Rhythmen bringen Lorenz A. Fischer und Judith Burri die Magie Afrikas live in den Vortragssaal und erzählen vom Leben der Menschen und Tiere in den unberührten Wildnisgebieten am Sambesi. (Mittwoch 5. 1. 2011, und Donnerstag, 6. 1., Luzern, Paulusheim; Freitag, 7. 1., Nottwil, Paraplegiker-Zentrum; Montag, 10. 1., Stans, Pestalozzisaal; Dienstag, 11. 1., Cham, Lorzensaal. Beginn jeweils 19.30 Uhr, Infos und Reservation unter www.explora.ch

Safaris in Sambia: Beste Reisezeit für klassische Safaris in der Trockenzeit: alle Nationalparks von Juni bis Oktober. Beste Reisezeit für Safaris in der Regenzeit: Liuwa Plain N.P. (November und Mai); Kasanka N.P. (November bis Mitte Dezember); Südluangwa N.P. (Dezember bis Mai); Bangweulu (Mai).

Sambia bietet noch Natur pur, besonders während der Regenzeit. Wer kein aufwendiges Abenteuer sucht, begibt sich dann am besten in professionelle Hände.

Weitere Infos: www.zambiatourism.com

Anbieter: Exklusive Reisen zu den im Text beschriebenen Gebieten über www.robinpopesafaris.net

Hinweis: Bildband «Die Savanne erwacht - Wenn der Regen kommt in Afrika». Fotografie: Lorenz A. Fischer, Text: Judith Burri, 200 S., zirka 150 Abbildungen, 2010, Verlag Frederking und Thaler, München, Fr. 74.-.