Der Schneehase lebt im Stand-by-Modus

Mit der Kälte im Winter hat der Schneehase kein Problem. Mehr Mühe bereiten ihn Skitourer und Freerider. Warum?

Bruno Knellwolf
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Der Schneehase braucht mehr Energie, wenn er gestört wird. (Bild: Getty)

Der Schneehase braucht mehr Energie, wenn er gestört wird. (Bild: Getty)

Der erste Schnee liegt in den Bergen. Der Schneehase hat damit kein Problem und überlebt die Kälte und das knappe Nahrungsangebot. Warum aber stören ihn Skitourer und Free­rider dermassen?

Der Wildtierökologe Maik Rehnus hat im Natur- und Tierpark Goldau den direkten Einfluss von Störungen auf das Verhalten und den Energieverbrauch der Schneehasen gemessen. Als Störquelle setzte er den Hund einer Pflegerin und einen Flugdrachen ein. Bei den ge­störten Schneehasen konnte er mittels einer Methode der Universität Wien mehr Stresshormone im Kot nachweisen. Durch die Störung ändert sich auch das Verhalten der Tiere. Während sie in Ruhe gelassen auf der offenen Fläche liegen, flüchten sie bei einer Störung sofort ins Versteck.

Gemäss Rehnus benötigen belästigte Hasen rund 20 Prozent mehr Energie als ungestörte. Schneehasen, die im Bergwinter sowieso energetisch an der Grenze leben und ihren Stoffwechsel reduzieren, um Energie zu sparen, müssen ihren Stand-by-Modus aufgeben und aktiv werden. Die deswegen zusätzlich benötigte Nahrung ist nur schwer zu finden. Wenn er zudem übers offene Feld flüchten muss, ist er leichte Beute für die Adler. Kanadische Forscher konnten zudem zeigen, dass gestresste Weibchen weniger Nachwuchs haben als solche ohne Störungen.