SCHWEDEN: «Ljusstraaket» in Göteborg: Ein Glögg auf dem Kanal

In der Vorweihnachtszeit lässt der «Ljusstraaket» die schwedische Stadt Göteborg erstrahlen.

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Glitzernde Bäume, Holzhütten und Kettenkarussell 
im Vergnügungspark Liseberg. (Bild Dagmar Krappe)

Glitzernde Bäume, Holzhütten und Kettenkarussell im Vergnügungspark Liseberg. (Bild Dagmar Krappe)

Andreas Milstas Augen leuchten. Es ist die Vorfreude darauf, dass in wenigen Stunden der «Ljusstraaket» (Lichterweg) weiss, gelb, rot, grün, blau und violett funkeln wird. Dann glitzern rund 700 echte und künstliche Bäume, Brücken und Häuserfassaden.

Drei Kilometer zieht sich die weihnächtliche Beleuchtung von der Oper am Hafen über den Boulevard Kungsportsavenyn bis zum Götaplatsen und weiter zum Freizeitpark Liseberg. «Bis vor 15 Jahren gab es im Winter nur wenig Touristen. Es herrschte ‹tote Hose› in Göteborg», erzählt der Lichtdesigner: «Auch der grösste skandinavische Vergnügungspark Liseberg hatte nur von April bis Oktober geöffnet.» Wer heute an den Adventswochenenden durch das Zentrum der zweitgrössten schwedischen Stadt schlendert, läuft nicht mehr allein durch dunkle Gassen.

Süsse Lussebulle und Kanelbulle

Göteborg mit dem grössten Hafen Skandinaviens am Fluss Göta älv ist eine Grossstadt mit Kleinstadtcharme. Die Hauptstrasse der Altstadt ist die Haga Nygata. Der Stadtteil entwickelte sich Mitte des 17. Jahrhunderts, unterhalb der Festungsanlage Skansen Kronan, von der heute noch der achteckige Turm erhalten ist. Zunächst entstanden niedrige Holzhäuser. Wegen der Feuergefahr ersetzte man die meisten später durch dreistöckige Gebäude, wobei das Erdgeschoss aus Stein errichtet wurde.

Über 70 schmucke, individuelle Läden gibt es in Haga: Buchhandlungen, Antiquitäten-, Hut-, Strick- und Lederwarengeschäfte, gemütliche Cafés wie «Le Petit Café», «Kringlan» oder «Hebbe Lelle». Auf Tischen vor den Eingängen türmen sich Kalorienbomben: Lussebulle (Safranbrötchen), Chokladbollar, Walnussküsse, Hallongrotto (Vanilletörtchen mit Himbeerkonfi) und Ingwer-Guetzli. Die grössten Kanelbulle (Zimtschnecken) Skandinaviens gibt es im Café Husaren.

Sportlich auf der Bootstour

Mittelalterliches Flair verströmt der Markt im Kronhuset. Es ist das älteste öffentliche Gebäude der Stadt. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde es für militärische Zwecke und als Kornspeicher errichtet. In den umliegenden Langhäusern befanden sich die Werkstätten des Schmieds, Sattlers, Drehers und Büchsenmachers. Inzwischen haben wieder «Handwerker» Einzug gehalten. Verschiedene Designer fertigen und präsentieren ihre Waren.

Gleich neben der grössten Markthalle Göteborgs, der Saluhallen von 1889, befindet sich die Bootsanlegestelle für eine Kanaltour zum Liseberg-Park. Auch wenn ein Glögg, ein Glühwein, im Fahrpreis enthalten ist, die vielen funkelnden Lichter am Ufer eine romantische Atmosphäre verbreiten, 40 Minuten im offenen Kahn können ohne Wolldecke bei null Grad ganz schön eisig sein. Da nützen auch die sportlichen Übungen nichts: Die Brücken über die Kanäle sind so niedrig, dass sich die Fahrgäste fast jedes Mal ducken müssen. 22 Hektar umfasst der Vergnügungspark, der 1923 öffnete.

Damit ist er wesentlich jünger als der Tivoli in Kopenhagen, aber mehr als doppelt so gross. Riesenrad, Kettenkarussell und Wurfbuden haben auch zur Adventszeit geöffnet. Dazwischen verteilen sich 70 Holzhütten, in denen Kulinarisches und Handwerkliches angeboten werden. Wenn um 22 Uhr die fünf Millionen Lichter in Liseberg löschen, haben sie nicht nur Andreas Milstas Augen zum Leuchten gebracht.

Dagmar Krappe

30 Sorten Caramelkonfekt 
bei Mrs. Curlie’s. (Bild Dagmar Krappe)

30 Sorten Caramelkonfekt bei Mrs. Curlie’s. (Bild Dagmar Krappe)