Erdbeben sind in der Region Albanien häufig – so stark bebte es allerdings letztmals 1979 

Heute am frühen Morgen hat es in der Nähe der albanischen Hauptstadt Tirana stark gebebt. Mehrere Tote sind zu beklagen. In dieser Region sind Erdbeben häufig, sagt eine Seismologin vom Schweizerischen Erdbebendienst.

Bruno Knellwolf
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Starke Zerstörung nach dem Erdbeben in Durres im Westen Albaniens. (Bild: AP Photo/Hektor Pustina)

Starke Zerstörung nach dem Erdbeben in Durres im Westen Albaniens. (Bild: AP Photo/Hektor Pustina)

Die erste Erdbebenmeldung aus Albanien kommt letzte Nacht um 01:47 Uhr: Dort hat es mit einer Stärke von Magnitude 4,9 nach der Richterskala gebebt. Dann eine Stunde und sieben Minuten später folgt der grosse Schlag: Magnitude 6,4. Kurz darauf bebt es noch am frühen Morgen im benachbarten Norditalien und noch weitere vier Mal in Albanien. Eines dieser vier Nachbeben hat nochmals eine horrende Stärke von 5,3.

Anne Obermann, Schweizerischer Erdbebendienst der ETH Zürich.

Anne Obermann, Schweizerischer Erdbebendienst der ETH Zürich.

Das letzte Beben in Albanien um 7.27 Uhr hat immerhin noch die Magnitude 4.8. Das Zentrum des stärksten Bebens in den frühen Morgenstunden lag etwa 34 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Tirana, wie das Erdbebenzentrum EMSC mitteilt. Mindestens vier Tote sind bis jetzt zu beklagen, ein 50-jähriger ist in Panik aus einem Haus gesprungen. Die anderen drei Opfer werden unter Trümmern gefunden. Mit mindestens 150 Verletzen wird gerechnet.

Starkes Erdbeben schon im September

Schon im September war in der dieser Region zu einem Erdbeben mit einer Stärke von 5,6 gekommen, so stark wie zwei bis drei Jahrzehnte nicht mehr. Und auch am 15. November hat es in Albanien immerhin mit einer Stärke von Magnitude 4,5 gebebt. Erdbeben sind dort nicht aussergewöhnlich wie Anne Obermann vom Schweizerischen Erdbebendienst SED in Zürich erklärt: «Beben dieser Stärke sind östlich der Adria und auch westlich davon, im Apennin zu erwarten. Sie haben ihre Ursache in einer Quetschbewegung, mit der das zentrale und südliche Italien gegen Nordosten gedrückt und das Adriatische Meer zunehmend eingeschnürt wird.

Entlang der Küstengebirge des Balkans von Griechenland bis Kroatien treten daher immer wieder Erdbeben mit Magnituden über 6 auf. So zum Beispiel bereits in den Jahren 1959, 1962 und 1967 in Albanien sowie 1979 in Montenegro, dort sogar mit einer Magnitude von 6.9», sagt die Seismologin vom SED. Das Beben erschütterte auch Nordalbanien. In Zürich sind solche Beben auf Schweizer Stationsaufzeichnungen sehr deutlich zu sehen. Obermann sagt:

«Wir haben sogar vereinzelte Meldungen von Leuten, die sagen, sie hätten das Beben gespürt, zum Beispiel im Südtessin. Das ist allerdings mit Vorsicht zu geniessen»

Mehrere Erdbeben hat man vor zwei Wochen auch in der Schweiz verzeichnet. Nördlich von Sion haben sich ungefähr 200 Erdbeben mit Magnituden zwischen 0,1 und 3,3 ereignet. Im Vergleich zu den Erdbeben diese Nacht in Albanien ist das wenig. So wurde in der Schweiz aufgrund der Beben auch keine Schäden gemeldet. Da ein Erdbeben ab einer Stärke von 2,5 für die Menschen spürbar wird, wurden einiger Erschütterungen im Wallis und im benachbarten Berner Oberland aber deutlich gespürt.

Statistische Wahrscheinlichkeit von Nachbeben

In der Schweiz kam es mit den Erdbebenschwärmen zu vielen Nachbeben. Mit solchen ist nun auch in Albanien zu rechnen. Anne Christine Obermann sagt:

«Es gibt bisher rund ein Dutzend Nachbeben mit einer Magnitude 4 oder grösser, zwei davon waren mit einer Magnitude über 5 so stark, dass sie nennenswerte Folgeschäden verursacht haben können. Die Bewohner im Epizentralgebiet werden sich momentan nicht in die Häuser zurücktrauen»

Allerdings können die Seismologen auch mit der modernsten Technik nicht mit Bestimmtheit Erdbeben-Voraussagen machen. Statistische Aussagen zur Wahrscheinlichkeit aber schon. «Normalerweise klingt eine solche Aktivität nach ein paar Tagen oder Wochen wieder ab. Normal heisst mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 90 Prozent. In diese Richtung scheinen sich die Beobachtungen auch jetzt zu entwickeln», sagt Philipp Kästli vom SED.

So stark wie 1356 in Basel

In der Schweiz gehört das Wallis, wie die Region Basel und das St.Galler Rheintal zu den Gebieten in der Schweiz mit der grössten Erdbebengefahr. In Basel hat die Erde im Jahr 1356 sehr stark gebebt, mit einer Magnitude von 6,6. Also ungefähr so stark wie vergangene Nacht in Albanien. Ein solches Erdbeben kommt dort etwa alle 1000 bis 1500 Jahre vor. An welchem Datum es dann wirklich rüttelt, ist damit aber nicht gesagt. Sicher ist dagegen, dass ein solches Erdbeben heute extremere Schäden entstehen liesse als vor 763 Jahren. Denn diese haben nicht nur mit der Stärke des Bebens zu tun, sondern auch mit der Besiedlung.

Retter suchen in Thumane nach Verschütteten. (Bild: AP Photo/Hektor Pustina)

Retter suchen in Thumane nach Verschütteten. (Bild: AP Photo/Hektor Pustina)

Und mit der Qualität der Bauten. Weil die Schweiz ein Bebenland ist, sollten deshalb bei Neubauten Erdbebennormen eingehalten werden, die für die Erdbeben-Regionen gesetzlich vorgeschrieben. Sie sollen sicherstellen, dass ein Haus nicht einstürzt, wenn es zu einem Erdbeben kommt, wie es alle 500 Jahre an diesem Standort zu erwarten ist. Für wichtige Infrastrukturen wie Spitäler, Feuerwehrgebäude, wichtige Verkehrsverbindungen oder gefährliche Anlagen gelten spezielle Anforderungen.

Die Normen bestehen zwar für die gesamte Schweiz, aber nicht alle Kantone prüfen ihre Einhaltung, siehe dazu auch http://www.seismo.ethz.ch/de/earthquakes/what-to-do/earthquake-resistant-construction/