Büchertipp
Ab in die Verlängerung: Sechs Bücher-Empfehlungen gegen die Leere nach der Fussball-EM

Die Europameisterschaft ist vorbei. Nach einem solchen Grossanlass leidet der geneigte Fan unter dem Fussball-Blues. Mit dieser Literatur erspielen sich Fussball-Aficionados eine veritable Verlängerung.

Stefan Künzli
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Pedro Lenz: «Der Goalie bin ig»

Der Goalie, der die Fehler anderer ausbadet.

Der Goalie, der die Fehler anderer ausbadet.

Zvg / Aargauer Zeitung

Schaurig nett und zu gutgläubig, so einer ist der Goalie. So einer stellt sich als Junge hinter den miserablen Goalie der Bubenmannschaft und sagt: «Der Goalie bin ig.» Er bleibt wohl der liebenswürdigste Verlierer der Schweizer Literatur, auch mit der späteren Drogensucht und Liebesmisere. Ein begnadeter Geschichtenerzähler ist er und einer, der sich von den vermeintlichen Kumpels reinlegen lässt, und für diese ein Jahr in den Knast wandert. Der Goalie also als jener, der die Fehler oder Gemeinheiten im Fussball und im Leben ausbaden muss. (hak)

Campino: «Wie ich einmal englischer Meister wurde»

Ein Fussballbuch für Verrückte.

Ein Fussballbuch für Verrückte.

Zvg / Aargauer Zeitung

Über das Auswärtsspiel («bis zum bitteren Ende») und den FC Bayern München («Scheissverein») hat Campino mit den «Toten Hosen» schon gesungen. Der wahren Fanliebe widmet der Punkrocker aber über 350 Seiten. Eine Saison sah er jedes (!) Spiel des FC Liverpools. Nebenbei geht es um die deutsch-englische Familiengeschichte – hauptsächlich ist es aber ein Fussballbuch für Verrückte. «Ich sehe das wie ein Alkoholiker», sagt Campino. «Ich könnte jeder Zeit aufhören, wenn ich wollte.» Aber wer will das schon. (ray)

Nicolas Mathieu: «Wie später ihre Kinder»

Mit Fussball ein Land versöhnen.

Mit Fussball ein Land versöhnen.

Zvg / Aargauer Zeitung

Am Ende dieses grossen Gesellschaftsromans wird Frankreich Weltmeister. Der WM-Titel 1998 erlöst für eine Nacht das Land von Tristesse und Arbeitslosigkeit und überwindet die tiefe politische Spaltung. Der Sommer 1998 aber ist heiss, die zukunftslose Jugend in der trostlosen nordfranzösischen Industriestadt träumt von einer möglichen Zukunft, die Elterngeneration ist erschöpft und verbittert. Nicolas Mathieus Gesellschaftspanorama ist drastisch und rührend und erhellt die verzweifelte Hoffnung, mit Fussball ein Land zu versöhnen. (hak)

Ronald Reng: «Der Traumhüter. Die unglaubliche Geschichte eines Torwarts»

Eine kuriose Karriere.

Eine kuriose Karriere.

Zvg / Aargauer Zeitung

Unzählige Freizeitfussballer träumen davon: Plötzlich kommt einer und macht Dich zum umworbenen Profi. Für Lars Leese ging der Traum in Erfüllung – für kurze Zeit. Mit 22 Jahren spielt er in der Kreisliga. Mit 28 Jahren sicherte er mit seinen Paraden dem englischen Erstligisten Barnsley vor 40'000 Zuschauern einen 1:0-Sieg über den FC Liverpool. Mit 32 ist er wieder da, wo er herkam. Witzig und anekdotenreich berichtet der Sportjournalist Ronald Reng von dieser kuriosen Karriere. (hak)

Ror Wolf: «Das nächste Spiel ist immer das schwerste»

Die Komik eines Rasensports.

Die Komik eines Rasensports.

Zvg / Aargauer Zeitung

Der «abgestaubte Ball, der abgetropfte Ball, der abgefälschte Ball, der abgeprallte Ball», über solche Bälle, runde Bälle, schrieb der ehemalige DDR-Betonmischer und spätere Fussball-Poet der BRD in den Siebzigerjahren. Es war noch nicht chic damals, über die Komik eines Rasensports kurzbehoster Mannspersonen zu schreiben. Ror Wolf tat es trotzdem und pfiff darauf. Das hat Ironie und einen Kern aus Kruppstahl. Der Comedian, dem heute auch nur Annäherndes glückt, ist noch nicht geboren. (M.D.)

Nick Hornby: «Fever Pitch. Ballfieber – Die Geschichte eines Fans»

Der Fussball: Ein Spiegel des Lebens.

Der Fussball: Ein Spiegel des Lebens.

Zvg / Aargauer Zeitung

Es braucht nicht den famosen Schriftsteller Nick Hornby (1957), um zu wissen, dass der Fussball ein Spiegel des Lebens ist. Doch so leidenschaftlich wie der Arsenal-Fan im Jahr 1992 hatte noch niemand vom Tanz um den Ball erzählt. Es ist allerdings die Fussballwelt von einst, wo auf den Stehplätzen das Bier in Strömen floss, die Begriffe «political correctness» und «Champions League» keiner kannte. Hornby zeigte damals, dass der Hooligan ein Intellektueller sein kann. Oder umgekehrt. (bez)