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Sind wir des Schlafens müde? Eine Ausstellung widmet sich dem Schlaf

Ein Drittel unserer Lebenszeit verbringen wir in der Horizontalen. Das Vögele-Kulturzentrum in Pfäffikon SZ hinterfragt mit einer interaktiven Ausstellung das Faulenzerimage des Schlafzustandes.
Julia Stephan
Totale Erschöpfung oder erholsames Nickerchen? Der Stoffhase von Cosima von Bonin und Moritz von Oswald. (Bild: Rudolf Sagmeister)

Totale Erschöpfung oder erholsames Nickerchen? Der Stoffhase von Cosima von Bonin und Moritz von Oswald. (Bild: Rudolf Sagmeister)

US-Präsident Donald Trump schläft angeblich vier Stunden pro Nacht – sofern das keine Fake-News ist. Roger Federer, das allzeit tiefenentspannte Tennisass, nimmt sich dafür zwölf Stunden Zeit. Und der Durchschnittsschweizer? Der hält’s mit dem Kompromiss: Acht Stunden pro Tag reichen ihm aus. Abends um elf geht er ins Bett. Knapp vor sieben steht er wieder auf.

Fokus, Aufgewecktheit, Produktivität sind in unserer Gegenwart gefragt. Der schlaffe Schlafmodus, in dem wir rund ein Drittel Lebenszeit verbringen, wirkt da wie ein unersättlicher Zeiträuber. Seit die Epoche der Aufklärung das Licht auf allen Ebenen des Geistes angeknipst hat, sitzt der Schlaf im Dunkeln. Mit der Erfindung funktionaler Raumaufteilung wurde er in private Räume verbannt. Und heute? Da will man mit Erkenntnissen der Wissenschaft und mit Aufputschmitteln seiner Herr werden.

Der japanische Nobelpreis­anwärter Haruki Murakami lässt seine in den Rhythmen der Lebensroutine gefangene Zahnarztgattin in seiner Erzählung «Schlaf» gar nicht mehr einschlafen. Worauf die Frau das Gefühl gesteigerter Lebendigkeit ergreift. «Ich habe mein Leben um ein Drittel erweitert», sagt sie. Bis sie ahnt, dass sie gestorben sein könnte.

Mehr Schlaf würde helfen

Kein Wunder, dass heute kaum jemand auf die Idee kommt, dass gegen müde Zustände nicht nur Kaffee oder Optimierungswerkzeuge wie Schlafphasenwecker helfen, sondern einfach mehr Schlaf. Die Macher der Ausstellung «Schlaf gut!» im Vögele-Kulturzentrum in Pfäffikon SZ wollen das Faulenzerimage des Schlafs aus unseren Köpfen vertreiben. Die Geisteswissenschafterin Simone Kobler, der Arbeitspsychologe Theo Wehner und die Künstlerin Ulrike Wehner lassen uns durch sieben Teilkapitel schlafwandeln. Und verweisen Murakamis dauerwache Zahnarztgattin mit den Argumenten der empirischen Wissenschaften ins Reich der Fiktion:

Langes Wachsein macht nicht wacher. Es macht launisch, dick, krank, übersteigert, risikobereit und ziemlich begriffsstutzig.

Zum Inbegriff dieser gesteigerten Wachheit bis zum Exzess liegt der riesige Plüschhase der deutschen Künstlerin Cosima von Bonin schlaff auf einem Tisch. An den Fusssohlen eingestickt das Wort «sloth», Englisch für «faul», während aufputschende Elektromusik von Moritz von Oswald seinen Löffeln die volle Dröhnung gibt.

Die Schlafdauer wird kürzer

Die Ausstellung, die nicht ganz an die Tiefe der vorigen heranreicht, zeigt in ihrer für diese Institution üblichen Verschränkung künstlerischer Positionen und wissenschaftlicher Expertise, wie der Mensch aus seinem wohlgetakteten Biorhythmus gerät. Und sie sensibilisiert für die Veränderung der Schlafgewohnheiten von Geburt bis Tod. Dabei wird offenbar, dass gesellschaftliche Konventionen und Lebensumstände wie intensiver digitaler Medienkonsum oder elektrisches Licht unser Schlafverhalten massiv umgekrempelt haben.

So hat sich die Schlafdauer in den westlichen Ländern während der letzten zwanzig Jahre um eine Stunde verkürzt. Und für unsere Vorfahren waren nicht die genormten Schlafzeiten der Industriegesellschaft, sondern ein Zweiphasenschlaf Normalität. Selbst das Bett war nicht immer Privatzone. Die römische Aristokratie feierte und empfing Gäste offiziell in den ­Federn.

Die Verletzlichkeit des Schlafenden

Der französische Künstler Virgile Novarina bricht mit einem Tabu, wenn er an öffentlichen Orten wie Einkaufszentren schläft, nachdem er sich vorher einem 48-stündigen Schlafentzug ausgesetzt hat. Novarina hat gelernt, die kurzen hellwachen Momente in der Nacht, die bei jedem auftreten, jedoch selten bewusst wahrgenommen werden, notizartig zu dokumentieren. Er ist der ungelösten Frage auf der Spur, wer wir sind, wenn unser Ego ausgeknipst ist. Diese Verletzlichkeit des Schlafenden haben auch andere Künstler der Ausstellung bewegt, etwa Stefan Banz. Der starrt auf einer in Orange getauchten Fotografie verzweifelt in seinem Bett an die Decke. Der intime Moment des Eintauchens in die Nacht, der im Romananfang von Marcel Prousts «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit» zu wundervollen Gedankenwanderungen führt, wird zum Frustrationsmoment.

«Schlaf gut». Vögele Kulturzentrum, Pfäffikon SZ. Bis 24.3. 2019.

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