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Bis zu 400 Frauen jährlich lassen ihre Eizellen einfrieren – Tendenz steigend

Immer mehr Frauen in der Schweiz lassen ihre Eizellen einfrieren, weil der richtige Partner fehlt oder die Karriere vor der Familiengründung kommt. In Zukunft dürften es mehrere Tausend pro Jahr sein, welche das Social Freezing machen.
Jürg Ackermann
Die Eizellen werden bei minus 196 Grad in flüssigem Stickstoff eingefroren. (Bild: Getty)

Die Eizellen werden bei minus 196 Grad in flüssigem Stickstoff eingefroren. (Bild: Getty)

Facebook und Apple griffen 2014 zu einer Aufsehen erregenden Massnahme. Die beiden US-Firmen verkündeten, sie würden ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren der Eizellen bezahlen. Damit diese zuerst Karriere machen und dann eine Familie gründen. Kritiker warnten damals davor, Social Freezing könnte zu einem Massenphänomen mit ungeahnten Folgen werden. Wenn die Familienplanung immer mehr wirtschaftlichen Interessen untergeordnet werde, laufe etwas falsch.

Nun liegt erstmals eine detaillierte Studie der Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung vor, die das Phänomen in der Schweiz untersucht hat. Die Zahlen sind beachtlich: Jährlich lassen hierzulande 300 bis 400 Frauen ihre Eizellen aus «sozialen Gründen» einfrieren. Tendenz steigend. Die Studien-Autoren rechnen damit, dass es künftig 2000 bis 10000 pro Jahr sein könnten. Die Mehrheit der Frauen greift auf diese Methode zurück, weil sie den richtigen Partner noch nicht gefunden haben. In bis zu einem Drittel der Fälle jedoch aus Karrieregründen. Sie wollen erst im Beruf durchstarten oder die Welt bereisen, ehe sie eine Familien gründen.

Vor allem gut gebildete und gut verdienende Frauen

Die Frauen profitieren dabei von einer Methode, die einst für Krebspatientinnen entwickelt wurde. Bei der Chemotherapie werden deren Eizellen oft irreparabel beschädigt. Die Entnahme der Eizellen vor der Behandlung ist ihre einzige Chance auf Kinder. Der Vorgang ist medizinisch jedoch aufwändig. Ein Eingriff mit Narkose ist ebenso nötig wie eine Stimulation mit Hormonen. Danach werden die Eizellen in Stickstoff bei minus 196 Grad eingefroren. Ist der richtige Partner gefunden, werden die Eizellen wieder aufgetaut und befruchtet. Dass am Schluss eine Schwangerschaft resultiert, ist nicht sicher. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich jedoch auf 60 bis 80 Prozent, wenn bis zu 20 Eizellen vor dem 35. Lebensjahr entommen werden.

Dass vor allem gebildete und gut verdienende Frauen auf Social Freezing zurückgreifen, überrascht nicht. Allein die Entnahme kostet bis zu 6000 Franken. Hinzu kommen bis zu 300 Franken jährlich für die Lagerung. Die Kosten dafür müssen die Frauen selbst tragen. Die Krankenkassen zahlen die Eizellenentnahme selbst dann nicht, wenn eine schwere Erkrankung vorliegt. Israel ist bisher das einzige Land, in dem das Einfrieren der Eizellen von der Allgemeinheit getragen wird. Über die gesundheitlichen Risiken gibt es keine Klarheit. Weil das Phänomen relativ neu ist, fehlen Langzeitstudien. Bisher haben erst 10 Prozent der Frauen auf ihre eingefrorenen Eizellen zurückgegriffen. Gemäss einigen Studien könnte die In-vitro-Fertilisation das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Kinder jedoch erhöhen. «Kinder, die vor dem Jahr 2000 ausserhalb des mütterlichen Körpers gezeugt wurden, können einen leicht erhöhten Blutdruck aufweisen», sagt Felix Häberlin, der Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin. «Dies scheint bei später geborenen Kindern aber nicht mehr der Fall zu sein.»

Trügerische Hoffnung bei späten Schwangerschaften

Sicher ist: Die Ansichten über späte Schwangerschaften gehen auch kulturell auseinander. Während die Skepsis in der Schweiz gemäss der Studie eher gross ist, können sich viele Frauen in den USA auch eine sehr späte Schwangerschaft mit 49 bis 58 Jahren vorstellen. Um auf ihre Angebote aufmerksam zu machen, veranstalten US-Kliniken deshalb Egg-Freezing-Partys, wo Frauen zusammen mit Fruchtbarkeitsmedizinern das Einfrieren der Eizellen als Errungenschaft für mehr Autonomie in der Lebensplanung zelebrieren. Eine trügerische Hoffnung? «Ja», meint der im Thurgau praktizierende Pränatalmediziner und Geburtshelfer Thomas Eggimann. «Eine Schwangerschaft ist eine körperliche Höchstleistung. Deshalb sind ältere Schwangere gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, die bei jungen Frauen viel seltener vorkommen.» Bald 60jährige Mütter hätten zudem ein Risiko, dass ihre Kinder Waisen oder Halbwaisen werden, bevor sie erwachsen sind.

«Eine Schwangerschaft bis zum 45. Altersjahr verläuft für Mutter und Kind meist sicher. Später häufen sich die Komplikationen», sagt auch Felix Häberlin. Er erachtet eine gesetzliche Altersgrenze jedoch «als nicht sinnvoll», weil es sich bei der «Elternschaft um etwas sehr persönliches» handle. Die Eizellen dürfen in der Schweiz höchstens zehn Jahre lang eingefroren werden. Eine Alterslimite gibt es nicht. Viele Reproduktionsmediziner verzichten jedoch freiwillig auf das Einpflanzen der Eizellen nach dem 50. Lebensjahr.

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