Soziales Design verbessert die Welt

Architekten, die günstige Modulhäuser für die Ärmsten entwerfen. Solarlampen, die Slums beleuchten: Eine kleine Ausstellung in Zürich stellt besondere Designprojekte vor.

Katja Fischer de Santi
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Der Solarkiosk ist eine mobile Box und ein soziale Infrastruktur: Er liefert Strom und kann vom Laden bis zum Spital vieles sein. (Bild: pd)

Der Solarkiosk ist eine mobile Box und ein soziale Infrastruktur: Er liefert Strom und kann vom Laden bis zum Spital vieles sein. (Bild: pd)

Weltweit müssen über eine Milliarde Menschen ohne Strom auskommen, davon allein 600 Millionen in Afrika. Viele dieser Menschen haben aber ein Mobiltelefon, um dieses aufzuladen, benutzen sie Dieselgeneratoren. Das ist teuer, dreckig und wenig nachhaltig. Mit ihrem Entwurf eines Solarkioskes, will das Ber­liner Designbüro Graft eine ­Lösung anbieten. Entworfen haben sie eine einfach Box mit Solarzellen auf dem Dach und Steckdosen im Innern. Leicht zu transportieren, einfach aufzubauen, wetterbeständig. Die Idee dahinter: der Solarkiosk soll Laden und öffentliche Steckdose in einem sein. Ein hell erleuchteter Treffpunkt in der Nacht, betrieben von Einheimischen für Einheimische.

Der Solarkiosk ist eines von 26 Projekten, die in der aktuellen Ausstellung des Museums für Gestaltung in Zürich versammelt sind. Sie alle eint, dass sie unter dem Label Social Design laufen. Konkret geht es darum, dass Architekten, Designerinnen, Handwerker und Ingenieurinnen durchdachte und partizipative Lösungsansätze für Probleme – meist der zweiten und dritten Welt austüftlen.

Etwa ein aus simplen Teilen gebauten Webstuhl zur Existenzgründung. Entworfen hat ihn Andreas Möller, nachdem er in Äthiopien Webkurse gegeben hatte und sah, dass die dortigen Webstühle viel zu kompliziert, fehleranfällig und zu teuer für die Einheimischen waren. Sein preiswerter Webstuhl ist einfacher zu bedienen und kann von den Webern selber repariert werden. Bereits wird er in 20 Ländern eingesetzt und ermöglicht Menschen eine nachhaltige Existenzgründung. Der «Flying8»-Webstuhl ist im Museum ausgestellt, jeweils sonntags kann an ihm gewebt werden. Ebenfalls ausgestellt ist ein grosses, weisses Zelt, gebaut aus leichten Kartonrohren. Entworfen wurde es von Shigeru Ban als Reaktion darauf, dass die herkömmlichen Flüchtlingszelte mit Holzstützen zur Rodungen ganzer Wälder geführt hatte. Die Rohre können von lokalen Firmen hergestellt werden.

26 Projekte werden auf grossen Plakaten mit vielen Bildern und noch mehr Texten vorgestellt. Eine so nüchterne wie interessante Ausstellung. Empfehlenswert ist die umfassende Publikation dazu, erschienen bei Lars Müller Publishers. 

Bis 03.02.2019, Museum für Gestaltung, Toni-Areal, Zürich