SPANIEN: Magie, Mythos und Lebenslust

Der Real Alcázar im reizvollen Sevilla, die grandiose Mezquita-Kathedrale in Córdoba, die märchenhafte Alhambra unter den Gipfeln der Sierra Nevada. Ein Fest der Sinne im maurisch-arabischen Andalusien, dessen Städte mit Kulturschätzen glänzen.

Merken
Drucken
Teilen
Der Löwenhof der Alhambra mit seinen maurischen Arkaden. (Bild: Ingrid Isermann)

Der Löwenhof der Alhambra mit seinen maurischen Arkaden. (Bild: Ingrid Isermann)

Ingrid Isermann

Ausgangspunkt der Kulturreise ist die Hafenstadt Málaga, umgeben von den Gebirgen Sierra de Mijas und Montes de Málaga. Mit ihren 650 000 Einwohnern ist sie nach Sevilla die zweitgrösste Stadt Andalusiens mit Flughafen, Handelshafen und einer Universität. Die Restaurierung der Altstadt und der moderne Umbau des Hafenareals trugen zur Aufwertung der Mittelmeermetropole bei, die sich für 2016 als europäische Kulturhauptstadt beworben hatte. Denn Málaga ist mittlerweile mit 20 Museen auch eine Stadt für Kunstbegeisterte.

Diese Entwicklung hatte 2003 mit dem «Museo Picasso Málaga» und der Schenkung der Erben Christine und Bernhard Ruiz Picasso den Anfang genommen. Im «Museo Casa Natal» besichtigen wir das Appartement, wo Picasso 1881 geboren wurde.

Dépendance El Cubo

Im aufwendig restaurierten Palacio de Villalón wurde 2011 das «Museo Carmen Thyssen Málaga» eröffnet, für das die Thyssen-Erbin der Stadt 230 Werke mit dem Schwerpunkt Spanische Malerei des 19. Jahrhunderts überliess.

Das neue «Centre Pompidou Málaga» – den monumentalen Glaswürfel mit roten, grünen und gelben Farbflächen hat der französische Maler Daniel Buren gestaltet – bietet eine permanente Schau zahlreicher Kunstwerke aus dem 20. und 21. Jahrhundert als Dépendance der Sammlung des Centre Pompidou, Paris.

Eleganz an den Flaniermeilen

Das Museum, El Cubo genannt, an der trendigen Hafenmole Muelle 1, wurde im März von Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy und der französischen Kulturministerin Fleur Pellerin eingeweiht. Die Flaniermeilen Muelle 1 und 2 säumen nebst Läden auch elegante Restaurants und Bars. Ein Bummel zum palmenumsäumten Hafen gehört zu einem Málaga-Ausflug.

Flamenco liegt in Sevillas Luft

Sevilla hat einen magischen Klang, Flamenco liegt in der Luft ... Das Flair der lebensfrohen Stadt bezaubert uns schon vom Moment an, als wir aus dem Reisebus steigen. Die breiten Boulevards und Alleen sind mit dem Duft üppiger zartlila Blüten der Jacaranda-Bäume erfüllt. Wir flanieren durch die malerische Altstadt, zur Plaza de España, vorbei am Kolumbusdenkmal vor den exotischen Murillo-Gärten bis zum Real Alcázar – der ersten Residenz der früheren und jetzigen spanischen Könige, die auf eine maurische Festung aus dem 9. Jahrhundert zurückgeht. Deren schöne Gärten und die weiträumige Plaza mit den geschwungenen Arkaden und Marmorsäulen, unten denen die fünfzig Provinzen Spaniens mit tiefblauen Keramikkacheln abgebildet sind, laden zum Verweilen in der Mittagshitze ein.

Glockenturm war einst Minarett

«Buen dia» ... fliegende Händler preisen mit klappernden Kastagnetten und Flamencomusik lautstark ihre Fächer an. Modisch rot getupft oder mit Rosenbildern verziert, sind sie als originale Souvenirs für einige Euro zu erstehen. Von hier sind es ein paar Schritte zur «Catedral Santa Maria de la Sede», der grössten Kathedrale Spaniens und zugleich dem weltgrössten gotischen Kirchenbau. 97 Meter hoch ist der begehbare Glockenturm, die «Giralda», der einst ein Minarett und nun das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt ist.

Wir schlendern durch den fünfschiffigen Kirchenbau, der mit Gruppen von Touristen gefüllt ist, die wie wir den 23 Meter hohen Altarretabel (1490) bewundern. Vor der «Puerta de San Cristobal» auf der Südseite befindet sich das Grabmal des Christoph Kolumbus. An den Real Alcázar grenzt das hübsche Viertel Barrio de Santa Cruz. Die berühmten Gemälde von Velázquez, Murillo und Zurbarán finden sich im «Museo de Bellas Artes».

Eine gemächliche Pferdekutschenfahrt sollte man in Sevilla unternehmen oder auch eine einstündige, erholsame Bootsfahrt auf dem Fluss Guadalquivir, die beim «Torre del Oro» startet. Lauschige Restaurants und überdachte Innenhöfe locken an jeder Ecke, um Gazpacho, Jamon Ibérico oder Paella mit einem Wein des Südens zu probieren.

Fahrt über Land bis Córdoba

Die abwechslungsreiche Fahrt nach Córdoba führt von der Küste durch die bergige Landschaft Andalusiens. Korkeichenwälder, Pinien, Weinreben, Sonnenblumen- und Klatschmohnfelder, leuchtend gelbe Ginsterbüsche und Weizenfelder wechseln sich mit Olivenhainen ab. Unterwegs begegnen uns immer wieder auch die riesigen Stiersilhouetten.

Kirchenschiff in der Moschee

«711 wurde die Stadt von den Mauren eingenommen, war ab 716 zeitweise Sitz der Statthalter von al-Andalus und ab 756 die Hauptstadt des umayyadischen Emirats von Córdoba. Im 10. Jahrhundert wurde das Kalifat von Córdoba errichtet. In dieser Zeit lebten ungefähr eine halbe Million Menschen in Córdoba, damals eine der grössten Städte der bekannten Welt. Christen, Juden und Muslime lebten friedlich zusammen», erzählt unsere in Córdoba geborene und sehr gut Deutsch sprechende Führerin.

Sie bringt uns die Epochen der Zeitgeschichte näher und jongliert mit Zahlen, bis es uns schwindlig wird: «Die Mezquita-Catedral ist das bedeutendste Bauwerk der Stadt. Der Emir Abd ar-Rahman I. begann 785 mit dem Bau einer Moschee, die, mehrfach erweitert auf 23 000 Quadratmeter, heute die drittgrösste der Welt wäre.» Etwa 860 Marmorsäulen in parallelen Reihen tragen jeweils zwei übereinander liegende rot-weisse Bögen und vermitteln ein wunderbar wechselndes Spiel von Licht und Schatten. 1236, im Jahr der Rückeroberung durch die Christen, wurde die Moschee zur christlichen Kathedrale geweiht. Die Moschee war so umfangreich, dass man in ihrer Mitte ab 1523 über 234 Jahre hinweg ein gewaltiges Kirchenschiff im Stil der Renaissance erbauen konnte.

Synagoge aus dem Jahr 1315

Córdoba, am Fluss Guadalquivir gelegen, den mit sechzehn Bögen eine Brücke auf römischem Fundament überspannt, zählt heute 328 000 Einwohner und lebt hauptsächlich vom Tourismus. In Córdobas jüdischem Viertel verstecken sich zwischen Souvenirläden und Lokalen blumengeschmückte Patios. In der schmalen Gasse «De los Judios» wurden ein jüdisches Bad und eine Synagoge gefunden, die ab 1315 im Mudejar-Stil errichtet worden war. Sie verfügt über Stuckarbeiten, die mit geometrischer Dekoration, Blumenmotiven und hebräischen Inschriften versehen sind.

Traum des Morgenlands

Auf dem Platz vor der lichtdurchfluteten Kathedrale Santa Maria de la Encarnación in Granada genehmigen wir uns in einem Strassencafé ein dunkles spanisches Bier, bevor wir zur Alhambra gelangen: dem Stein gewordenen Traum des Morgenlandes mit den prächtigen Gartenanlagen.

Granada ist die unbestrittene Kulturstadt Andalusiens. «1492 musste Abu Abd Allah Mohammed seine Macht, Schlüssel und Siegel der Stadt, an das kastilisch-aragonische Königspaar Ferdinand und Isabella übergeben. Begleitet von 50 Reitern, schaute er wehmütig auf einer Anhöhe auf das gewaltige Panorama der Alhambra zurück», berichtet unser Stadtführer. Die arabische Kultur war jahrhundertelang führend gewesen in der Heilkunst, Astronomie, Mathematik und im Handwerk. Nach 800 Jahren begann die christliche Rückeroberung, die Reconquista Espana.

Gemietet von Michelle Obama

Staunend steht man im Palast der Nasriden, im mächtigen Löwenhof oder unter der überwältigenden Muqarnas-Kuppel mit den filigranen Schnitzarbeiten; Anmut und Atmosphäre der Patios sind ein unnachahmliches Glanzstück der arabischen Baukunst. Mehr als zwei Millionen Menschen besichtigen jährlich das Weltkulturerbe Alhambra. Michelle Obama mietete sie für 6000 Euro, um zwei Stunden lang die maurische Pracht in Ruhe geniessen zu können.

300 Sonnentage, Luxus und Blickkontakt mit Afrika

Bild: Grafik oas

Bild: Grafik oas

Costa del SolMit 8,5 Millionen Einwohnern ist das mit jährlich 300 Sonnentagen verwöhnte Andalusien die meistbevölkerte autonome Gemeinschaft Spaniens.

  • Strände, Wellen, Jachten und Golf: Torremolinos mit endlos weiten Sandstränden an der Costa del Sol ist das wichtigste Tourismuszentrum, Fuengirola ist beliebt wegen der surftauglichen Wellen. Marbella lockt mit dem luxuriösen Jachthafen der Reichen und Schönen, die Altstadt schmückt sich mit Skulpturen von Salvador Dalí. Mehr als 60 Golfplätze gibt es allein zwischen Málaga und Gibraltar.
  • 14 Kilometer bis Marokko: Der «Campo de Gibraltar», mit dem Felsen von Gibraltar, bildet als englische Enklave den südlichsten Teil des europäischen Festlandes. Beim spanischen Tarifa liegen Europa und Afrika nur 14 Kilometer voneinander entfernt, vom «Point of Europe» in Gibraltar ist das Rif-Gebirge Marokkos zu sehen
  • Anreise, Übernachten: Täglich Flüge nach Málaga, Mietauto und/oder Buchung der Ausflüge durch Hotel an der Costa del Sol. Etwa im Hotel Posada del Patio in Málaga: hübsches Viersternehotel am Rande der Altstadt mit Dachterrasse und Pool. Oder im Hotel Kempinski Bahía Estepona in Estepona/Marbella, fünf Sterne und Golfplatz.

www.malagaturismo.com
www.visitasevilla.es
www.turiscordoba.es
www.turismodegranada.org

Karten, Flamencokostüme und Fächer in einem Souvenirladen in Córdoba. (Bild: ap/Manu Fernandez)

Karten, Flamencokostüme und Fächer in einem Souvenirladen in Córdoba. (Bild: ap/Manu Fernandez)

Einer der bekanntesten Plätze Spaniens, die Plaza de España in Sevilla. (Bild: Ingrid Isermann)

Einer der bekanntesten Plätze Spaniens, die Plaza de España in Sevilla. (Bild: Ingrid Isermann)

Auf der Dachterrasse des Museo Picasso in Málaga, unweit des Geburtshauses des Malers. (Bild: ap/Cooper-Hewitt Museum, David Heald)

Auf der Dachterrasse des Museo Picasso in Málaga, unweit des Geburtshauses des Malers. (Bild: ap/Cooper-Hewitt Museum, David Heald)