Interview

Sparmassnahmen bei SRG: «Religion bleibt wichtig»

Als Moderatorin von «10 vor 10» war Susanne Wille (46) bekannt und beliebt. Seit 1.Juni ist sie SRF-Kultur-Chefin und muss in dieser Position Sparmassnahmen durchboxen. Dazu gehört auch ein Kahlschlag bei den Religionssendungen.

Raphael Rauch, kath.ch
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SRF-Kultur-Chefin Susanne Wille legt Wert darauf, dass Religion im Sendeprogramm weiterhin gut vertreten ist.

SRF-Kultur-Chefin Susanne Wille legt Wert darauf, dass Religion im Sendeprogramm weiterhin gut vertreten ist.

Bild: SRF/Lukas Maeder

Sie sind katholisch aufgewachsen. Was bedeutet Ihnen heute Religion?

Susanne Wille: Da ich mit meinem Beruf schon stark in der Öffentlichkeit stehe, schütze ich mein Privatleben und meine Familie, so gut es geht. Bitte haben Sie Verständnis, dass mein Credo, mich öffentlich nicht über private Dinge zu äussern, auch für das Thema Religion gilt.

Als Mitglied der SRF- Geschäftsleitung tragen Sie den Sparkurs von SRF-Direktorin Nathalie Wappler mit. Warum kommt es bei Religionssendungen zum Kahlschlag?

Ich kann versichern: Religion bleibt wichtig. Wir haben weiterhin ein starkes, vielfältiges Religionsangebot bei SRF: das journalistische Format «Perspektiven», das Format «Stichwort Religion» bei Radio SRF1, die «Sternstunde Religion» bei SRF1, «Das Wort zum Sonntag» bei SRF1, die «Radiopredigt» bei SRF 2 Kultur; «Ein Wort aus der Bibel» bei Radio SRF 2 Kultur, die «Glocken der Heimat» bei Radio SRF 1 und die «Musikwelle». Hinzu kommen die «Radiogottesdienste» bei Radio SRF 2 Kultur sowie die Übertragung der Gottesdienste bei SRF1. Auf unserer Website werden die Themen der Religionssendung «Perspektiven» aufbereitet für die digitale Nutzung. Zusätzlich stellen wir sämtliche Audioangebote auch zum Download zur Verfügung für die zeitversetzte Nutzung bei SRF Play.

Warum opfern Sie die beliebten Radiosendungen «Zwischenhalt» und «Blickpunkt Religion» und nicht die TV-Sendung «Sternstunde Religion», die teurer ist, aber deutlich weniger Quote hat?

Wir gewährleisten ein vielfältiges Religionsangebot auf allen Kanälen und Vektoren: TV, Radio und online. Die Mediennutzung verändert sich und mit ihr auch die Radionutzung. Unsere Radiokanäle werden heute vorwiegend als Begleitmedium genutzt. Vertiefende Inhalte sind nach wie vor beliebt, aber die Nutzung richtet sich weniger nach einem fixen Strukturplan. Wir investieren in die zeitversetzte Nutzung unserer Inhalte und nutzen die reichweitenstarken Tagesabschnitte im Radio für unsere Eigenleistungen. Übrigens ist mir der Dialog mit dem Publikum sehr wichtig. Wir haben den Austausch mit dem Publikum in den Kern der Kulturvision festgeschrieben. Hier knüpfen wir gern mit Religionsthemen und -debatten an.

Laufen Sie nicht Gefahr, die SRG-Konzession zu ver- letzen? Hier wird Religion explizit erwähnt.

Wir nehmen den Leistungsauftrag ernst. Daran wollen wir gemessen werden. Mit der Stärkung der zeitversetzten Nutzung für unsere publizistischen Inhalte erreichen wir auch die jüngere Deutschschweizer Bevölkerung besser. Und das ist wichtig, denn wir haben den Auftrag, ein Medienhaus für alle zu sein – unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und Religion.

Medien konstruieren Wirklichkeit. Und die Wirklichkeit der katholischen Kirche besteht nicht nur aus Missbrauchsfällen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass in Nachrichtensendungen oft über negative Themen berichtet wird – auch über Skandale, wie es sie in der katholischen Kirche auch gibt. Anders sieht es dagegen in den Religionssendungen aus, wo alle Aspekte eines Themas Platz haben. So hat sich das Hintergrundmagazin «Perspektiven» vorletzten Sonntag mit Veränderungen im Kirchengesang beschäftigt, die «Sternstunde Religion» war auf spirituellen Wegen in der Ostschweiz unterwegs. Auch künftig wird es dieses Nebeneinander von Hintergrundsendungen zu Religion, Gottesdiensten und Newsmeldungen bei SRF geben.

Wie wollen Sie garantieren, dass auch künftig religiöse Themen in ihrer Vielfalt dargestellt werden?

Auch wenn sich bei uns viel verändert: Die Qualität des publizistischen Schaffens bleibt im Zentrum all unseres Tuns – auch bei Religionsthemen. Das beweist unser Fachredaktionsteam Woche für Woche. Und dem tragen wir weiterhin Sorge. Religiöse Themen werden heute wie auch in Zukunft in grosser Vielfalt aufbereitet.

Welchen Beitrag leistet SRF zum Religionsfrieden in der Schweiz?

Wir erfüllen nicht nur einen Kultur-, Bildungs-, Informations- und Unterhaltungsauftrag, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Integration und zum gegenseitigen Verständnis in diesem Land. Diese Integrationsleistung überprüfen und diskutieren wir regelmässig in den Teams und in den publizistischen Feedbackrunden.

Inwiefern ist religiöse Vielfalt Teil der Diversity- Strategie der SRG?

Diversität ist uns wichtig, in allen Altersgruppen und in allen Themenfeldern, auch in der Religion. An diesem Bekenntnis zur Vielfalt hat sich nichts geändert. Persönlich habe ich Diversität in der Kultur zu einem strategischen Schwerpunkt erklärt. Sei es im Programm wie auch im Unternehmen. Bereits im Newsroom habe ich mich mit der Lancierung einer Diversity-Gruppe dafür eingesetzt. Auch in der Geschäftsleitung von SRF setzen wir uns engagiert mit Diversity-Themen auseinander. Denn ich bin überzeugt: Wir haben hier als öffentliches Medienhaus eine besondere Verantwortung und müssen eine Vorbildfunktion einnehmen.