«Sterben ist keine Schande» - das Leben des hl. Wolfgang

Wer war der heilige Wolfgang von Regensburg, dessen Namenstag die Kirche morgen feiert? Seine Spuren führen auch in die Zentralschweiz, was seiner Verehrung hierzulande den Weg ebnete.

Andreas Faessler
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Der heilige Wolfgang im Chorgestühl der Wolfgangskirche zu Hünenberg: Es ist eine Kopie des originalen Chorgestühls von 1486. Dieses befindet sich im Landesmuseum Zürich.

Der heilige Wolfgang im Chorgestühl der Wolfgangskirche zu Hünenberg: Es ist eine Kopie des originalen Chorgestühls von 1486. Dieses befindet sich im Landesmuseum Zürich.

Bild: Andreas Faessler (12. Juli 2016)

Wolfgang von Regensburg ist im Volksglauben so was wie ein «Allheilmittel»: Man ruft ihn an bei Lähmungen, Ruhr, Gicht, Hautleiden, Entzündungen, Augenkrankheiten, Bauchschmerzen, Blutungen, Unfruchtbarkeit, ja gar bei Missgeburten. Er kann aber noch mehr: Als Patron der Holzer, Schiffer, Schreiner, Hirten, Köhler, Bildhauer und unschuldig im Gefängnis Sitzender hat er reichlich zu tun.

Die katholische Kirche feiert am 31.Oktober diesen populären Schutzherrn, dessen Biografie sich nicht halb so aufregend liest wie diejenige zahlreicher anderer Kirchenheiligen. Sein Wirken zeichnet sich vor allem durch seine Klostergründungen und -reformen sowie durch politische Interventionen aus.

Ein Leben als Kleriker

Die geistliche Laufbahn war dem um 924 in der Nähe von Reutlingen geborenen Wolfgang praktisch ins Kindbett gelegt: Bereits als 7-jähriger Knirps war er fleissiger Klosterschüler auf der Reichenau. Nach seinem Theologiestudium übernahm er für einige Jahre die Leitung der Trierer Domschule und führte die benediktinischen Regeln ein. Im Alter von 43 Jahren wurde Wolfgang vom Augsburger Bischof zum Priester geweiht. Im Anschluss zog Wolfgang durch das Gebiet des heutigen Österreich, um den Glauben zu predigen, ehe er für das Bischofsamt in Regensburg vorgeschlagen wurde. Wolfgang folgte diesem Ruf und erhielt im Jahre 972 die Bischofsweihe. Er gründete eine Domschule mit einem Chor: die heute noch existierenden Regensburger Domspatzen.

Wolfgang führte in den Klöstern seines Bistums strenge Alltagsregeln ein, dem bedeutenden Kloster St. Emmeram verhalf er zu einem enormen Entwicklungsschub. Durch Wolfgangs Zutun wurde überdies eine politische Lage geschaffen, welche die Gründung des Bistums Prag ermöglichte. Als einflussreicher Reichsbischof stand er in Kriegszeiten stets auf der Seite des Kaisers.

Tod unter den Augen des Volkes

Wolfgang verstarb am 31.Oktober 994 auf einer Reise nach dem heutigen Niederösterreich in der Ortschaft Pupping. In der dortigen Otmarskapelle sank er vor dem Altar nieder. Als seine Gefolgschaft das neugierige Volk zurückhalten wollte, soll Wolfgang gesagt haben, dass alle, die ihn sterben sehen möchten, dies tun dürften. Sterben sei keine Schande, sondern nur ein schlechtes Leben bringe diese. Es solle jeder in seinem Tode erkennen, was er in seinem eigenen zu erwarten habe. Diese letzten Worte des Wolfgang von Regensburg sind in der heutigen Kirche von Pupping auf einer Tafel zu lesen.

Obschon Regensburg Hauptwirkungsort des im Jahre 1052 heiliggesprochenen Bischofs war, gilt St.Wolfgang im Salzkammergut als der wichtigste Ort seiner Verehrung. Dass dies so ist, basiert allerdings auf nicht gesicherten Tatsachen, denn es ist als Legende einzuordnen, dass Wolfgang längere Zeit als Eremit in der Gegend von Mondsee und dem heutigen St.Wolfgang gelebt und eigenhändig eine Klause gebaut haben soll. Auch soll er an der Stelle der heutigen Wallfahrtskirche zu St.Wolfgang ein Kapellchen errichtet haben. Der Wolfgangsee, vormalig Abersee, hat durch ihn seinen heutigen Namen erhalten.

St.Wolfgangs Verehrung in der Schweiz

Dass das Patrozinium des heiligen Wolfgang auch in der Schweiz mehrfach vorkommt, geht wohl auf seine Zeit in Einsiedeln zurück. Im dortigen Kloster hat er mehrere Jahre als Benediktinermönch verbracht, und hier hat er schliesslich auch seine Priesterweihe empfangen.

Das bekannteste ihm geweihte Heiligtum in der Schweiz ist die Kirche St.Wolfgang im gleichnamigen Weiler bei der zugerischen Gemeinde Hünenberg. Dort ist er im Chorgestühl plastisch abgebildet mit seinen Attributen: Bischofsstab, Beil und Kirchenmodell. Letzteres stellt im Grunde die Wolfgangskirche im Salzkammergut dar, erscheint hier aber in der Gestalt des Hünenberger Gotteshauses. An den Wänden der kunsthistorisch bedeutenden spätgotischen Kirche ist um 1909 ein zwölfteiliger Freskenzyklus aus dem 17.Jahrhundert freigelegt worden. Die Felder zeigen Stationen aus dem Leben des Heiligen.