Sternstunden vor der Kamera

Olivia Röllin moderiert die «Sternstunde Religion» im Schweizer Fernsehen. Daneben schreibt sie ihre Masterarbeit in Wien. Seit kurzem wohnt sie in Luzern, von dem sie sagt, es sei «nicht praktisch, aber schön».

Lucien Rahm
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Olivia Röllin in der Luzerner Altstadt – dem «extrem schönen Kern» der Stadt, wie sie findet.

Olivia Röllin in der Luzerner Altstadt – dem «extrem schönen Kern» der Stadt, wie sie findet.

Wer sich mit ihr unterhält, stellt rasch fest, dass die Sprache eines ihrer Fachgebiete ist. Olivia Röllin (28) wirkt im persönlichen Gespräch etwa genauso eloquent, wie sie auch in einer ihrer «Sternstunde Religion»-Sendungen klingt. Der Eindruck scheint nicht zu täuschen: «Ich spreche dort so, wie ich auch sonst spreche», sagt die Religions- und Philosophiestudentin, die seit Beginn dieses Jahres vor der SRF-Kamera zu sehen ist.

Die Vielfalt ihrer Sprache hänge nicht zuletzt mit ihrem Studium zusammen. «Ein geisteswissenschaftliches Studium und die regelmässige Lektüre prägen die eigene Ausdrucksweise automatisch mit.» Unter anderem ihren Studien wie vielleicht auch ihrem umfangreichen Vokabular dürfte sie ihren neuen Moderationsjob zu verdanken haben.

«Überraschend» die Stelle erhalten

Dass es überhaupt so weit gekommen ist, sei nicht geplant gewesen, sagt Röllin. Auf die freiwerdende Stelle des bisherigen «Sternstunde»-Moderators Norbert Bischofberger haben sie Arbeitskollegen aufmerksam gemacht. Schon zuvor hatte Röllin während ihres Studiums als freie Mitarbeiterin bei SRF Kultur mitgewirkt. Es habe sie «durchaus überrascht», dass dann tatsächlich sie die Stelle erhielt. «Und ich bin auch immer noch verblüfft, wenn ich jeweils vor der Kamera stehe – dass ich jetzt tatsächlich bin, wo ich bin.»

Ihren ursprünglichen Weg verfolgt Röllin aber trotz ihres 50-prozentigen Engagements beim Schweizer Fernsehen auch weiterhin. Nach ihrem Bachelorstudium in Zürich und München ist sie derzeit daran, ihre Masterarbeit über Friedrich Nietzsche zu verfassen. Für den Meisterteil ihrer Studien zog es Röllin nach Wien. Denn dort gebe es eine «unglaubliche Kunst- und Musikszene» – für sie eine optimale Ergänzung zum Studium. Ebenso seien die Religions- und die Philosophiefakultät relativ gut und breit aufgestellt.

Ist sie nicht in Zürich oder der österreichischen Hauptstadt, hält sich Olivia Röllin meist in Luzern auf. Hier wohnt sie seit vergangenem November, nachdem sie nach zwei Jahren dauerhaftem Wien-Aufenthalt wieder in die Schweiz gekommen war, um rund die Hälfte ihrer Zeit hier zu verbringen. Der Entscheid für Luzern fiel ganz bewusst – und trotz der für sie unpraktischen Lage gegenüber ihrer früheren Heimat Zug, wo sie in Menzingen, Baar, Cham und der Kantonshauptstadt gelebt hat. Denn der Weg an ihren Arbeits- sowie ihren Zweitwohnort Wien, zwischen denen sie von Luzern aus pendelt, führt sie nach oder über Zürich.

Aber: «Luzern hat etwas Märchenhaftes. Es verzaubert einen mit seinem extrem schönen Kern, dem glitzernden Wasser und den malerischen Bergen.» Ausserdem sei es ruhig in Luzern, was wertvoll sei angesichts ihres aktiven Lebens. Denn dieses führt sie dreimal die Woche nach Zürich und oft nach Wien, wo auch ihr Lebenspartner wohnt. «Ich schaue, dass ich oft mit dem Zug nach Wien fahren kann.» Daher habe sie Luzern noch nicht so richtig kennen lernen können. Doch daran arbeite sie. So habe sie sich schon nach einem klassischen Chor umgeschaut, dem sie beitreten könnte. In Wien war sie schon als Alt-Sängerin in einem solchen aktiv, was sie hier gerne weiterführen möchte. «Singen tut mir wahnsinnig gut.»

Vielseitig begabt

Die Musik ist neben den Religionen und der Philosophie eine weitere grosse Leidenschaft Röllins. Ebenso die Malerei und das Theater, was sie früher ebenfalls aktiv betrieben hat. In den letzten Jahren sei sie aber aufgrund von Studium und Arbeit kaum mehr dazu gekommen. Mit dem neuen Engagement als Moderatorin wird sich dies in absehbarer Zeit nicht ändern. Und das soll es vorerst auch nicht. «Ich muss mich nun erst in meiner neuen Rolle einfinden, das hat Priorität.» Was sie in den knapp 20 Sendungen, die sie dieses Jahr moderieren wird, alles umsetzen möchte, hierzu hat Röllin schon einige Ideen. Nebst dem Verhältnis zwischen Naturwissenschaft und Religion möchte sie ihrer Sendung auch Platz schaffen für populärere Themen wie beispielsweise den Schamanismus oder vielleicht auch den Satanismus. Die erste Sendung widmete sie der Astrologie.

Nach ihrer Masterarbeit zu den Werken Friedrich Nietzsches, die sie parallel dazu schreibt, plant sie ein Doktorat. Was danach kommen soll, ist für sie noch offen. «Meine Zukunftspläne reichen momentan nicht weit über die gerade sehr intensive Gegenwart hinaus.» Klar scheint hingegen, dass sie nicht ewig zwischen zwei Ländern pendeln möchte. «Es ist ein anstrengender Lebensstil.» Zumindest vorderhand bietet ihr Luzern nun die Ruhe, um sich davon zu erholen.

Die ersten «Sternstunde»-Sendungen mit Olivia Röllin finden Sie auf luzernerzeitung.ch/bonus