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Kolumne

«Mein Bild»: Stillleben — tot und reglos, aber hübsch

Reporterin Yasmin Kunz lässt im Gefäss «Mein Bild» prägende Erinnerungen an den eigenen Zeichnungsunterricht Revue passieren.
Yasmin Kunz
Reicht dieses Stillleben für die Kunsthochschule? Darüber befinden diese Lehrer. (Bild: Visual China Group, Shandong, 19. Dezember 2018)

Reicht dieses Stillleben für die Kunsthochschule? Darüber befinden diese Lehrer. (Bild: Visual China Group, Shandong, 19. Dezember 2018)

Wie gut ich mich an mein erstes Stillleben erinnere. Grüne Äpfel, hellgrüne Birnen und gelbe Bananen in einer Früchteschale. Gemalt auf einem Blatt Papier im Zeichnungsunterricht. Ein kleines Meisterwerk, dachte ich. Aber Schönheit liegt ja immer im Auge des Betrachters. Der Zeichnungslehrer meinte dazu: «Hübsch.» Und wir alle wussten: Wenn Herr M. mit gesenktem Kopf durch die Bänke schlenderte, um unsere Bilder zu betrachten und letztlich zum Schluss kam, es sei «hübsch», dann entsprach es selten seinen Vorstellungen. Anders ausgedrückt: sicher nicht einer guten Note würdig.

Herr. M. hat die Beurteilung jedoch immer in einem netten Ton kommuniziert. Ganz nach dem Motto: C’est le ton qui fait la musique. Seine Lektionen, die im Dachstock des Schulhauses stattfanden, waren jeweils ein Lichtblick, weil wir zum Malen Musik hören und nahezu ununterbrochen miteinander schwatzen konnten.

Die Freiheiten haben in der Regel aber auch unsere Fantasie angeregt. Über die Jahre hinweg sind zahlreiche schöne Werke entstanden. Einzig an diesem Stillleben tat ich mich etwas schwer. Ich fand das öd.

Stillleben bezeichnet die Darstellung toter und regloser Gegenstände. Für mich waren das Äpfel, Birnen und Bananen. Bei meinen Recherchen merke ich nun: Man hätte beispielsweise noch andere Dinge zeichnen können. Es gibt zahlreiche solcher Objekte. Pieter Claesz, einst ein bekannter niederländischer Stillleben-Maler, hat etwa (reglose) Musikinstrumente, die auf dem (toten) Tisch neben dem (reglosen) Brot zu sehen sind, gemalt. Das nenne ich mal eine Objektkomposition. Sicher mehr als «hübsch».

Stillleben sind nicht nur in hiesigen Schulen ein Thema, sondern auch in der chinesischen Provinz Shandong, wie das Foto zeigt. Tausende Schüler haben ihr Stillleben zur Beurteilung vorgelegt. Die Lehrer schlendern mit gesenktem Kopf durch die Reihen und beurteilen die Kunstwerke. Sie entscheiden denn auch darüber, welche Jugendlichen es an die Kunsthochschule schaffen. Mir hätte es mit einem «hübsch» wohl nicht gereicht.

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