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SÜDDEUTSCHLAND: Süddeutschland: Wo der Wald wild wachsen darf

Ein schönes Programm für den heissen Sommer: Wandern im neuen Schwarzwald- Nationalpark und auf der Rückfahrt ein Badehalt am Titisee.
Bannwaldgebiet Wilder See, das teils schon seit hundert Jahren sich selbst überlassen ist. (Bild Nationalpark Schwarzwald)

Bannwaldgebiet Wilder See, das teils schon seit hundert Jahren sich selbst überlassen ist. (Bild Nationalpark Schwarzwald)

Marlies strech

Im nördlichen Schwarzwald wächst seit 2014 ein Nationalpark heran. Zurzeit umfasst er gut 10 000 Hektar. Der Wald wird nicht bewirtschaftet, sein Werden und Vergehen bleibt der Natur überlassen. Wir, eine Gruppe von elf Personen, nehmen an drei Tagen mehrstündige Wanderrouten unter die Füsse. Wir schwitzen wegen der diesjährigen Sommerhitze wenigstens mildert sie das dichte Blätterdach über uns ein bisschen. Bald klettern wir über meterdicke umgestürzte Baumstämme, überwinden zerklüftete Felsen, stolpern über gigantisches Wurzelwerk. Manchmal müssen die Jüngeren den Älteren bei Hindernissen eine helfende Hand hinstrecken oder einen kräftigen Stoss von hinten geben.

Wildnispfad und Wilder See

Am meisten Hindernisse bietet die erste Route, der sogenannte Wildnispfad. Ihn gab es schon vor der Eröffnung des neuen Nationalparks; heute fügt er sich nahtlos in dessen Konzept. Der Sturm Lothar hatte am 26. Dezember 1999 unzählige Bäume geknickt und entwurzelt. Worauf die Besitzerin des Waldes, die Kommune Baden-Baden, beschloss, eine Fläche von 70 Hektar so zu belassen, wie sie sich nun einmal darbot. Und abzuwarten, was da kommen sollte. So viel sei vorweggenommen. Es kam viel: seltene Vogelarten wie der Wanderfalke oder der Sperlingskauz, die kleinste Eule Europas.

Die zweite Route führt ins Bannwaldgebiet Wilder See. Sie strengt weniger an als der hindernisreiche Wildnispfad es sei denn, man wage sich den Kletterweg hinunter zu besagtem See und betrachte ihn nicht nur von oben. Von unserer Gruppe ist nur knapp die Hälfte dazu bereit. Oben auf der Wanderroute gibt es schliesslich genug zu bestaunen. Denn ein Teil dieses Gebietes blieb schon seit mehr als hundert Jahren sich selbst überlassen. So kann man denn nebeneinander alle Phasen eines Baumlebens bestaunen: Wachstum bis zum Höhepunkt, dann Stagnation und am Schluss Zerfall hin zum Totholz. Unterwegs begegnet man vielleicht einer Viper, der man nicht zu tief in die Augen schauen sollte. So wird sie einem auch nichts antun.

Wurzelwerke wie Kunstwerke

Dritte und letzte Tour, nahe bei unserm Nationalpark-Hotel «Schliffkopf» gelegen, ist der Lotharpfad. Auch er geht auf den Jahrhundertsturm zurück. Auf der exponierten Anhöhe legte er riesige Flächen flach. Davon wurden 10 ha aus der Bewirtschaftung ausgeschieden und sich selbst überlassen. Beobachtet allerdings von Forschern. Heute fühlt man sich auf dem Lotharpfad in eine mythische Welt versetzt: Zwischen Farnen und Heidelbeersträuchern haben sich 28 Baumarten entfaltet, während die vom Orkan ausgerissenen Wurzelwerke der Fichten, ausgebleicht wie Knochengerüste, an plastische Kunstwerke erinnern.

Allein oder in der Gruppe entdeckt man viel Interessantes auf solchen Ausflügen. Wie aber erst, wenn ein Ranger mit unterwegs ist! Versehen mit Anschauungsmaterial und grossem Wissen, wird er alle paar hundert Meter stehenbleiben, um die Umwelt zu erklären. Wir haben drei solche Männer (es gibt auch Rangerinnen!) kennengelernt, je einen auf den drei beschriebenen Routen: Jens Liss und Patrick Studer, zwischen 20 und 30, sowie Arne Kolb, doppelt so alt _ ein ebenso leidenschaftlicher Nationalpark-Führer wie die beiden andern. Forstingenieur Kolb kam erst mit 49 zum neuen Job, vorher war er Beamter im öffentlichen Dienst. Den Wechsel bezeichnet er als «Glück seines Lebens».

Scharf auf Heidelbeeren

Von diesen Rangern hören wir die wundersamsten Geschichten. Warum die Jungen von Auerhahn und Auerhenne auf Heidelbeeren scharf sind (die Mutter setzt sie schon früh auf dem Boden aus, dann stillen die in den Beeren wohnenden Würmer den Proteinbedarf der Küken). Welch wichtige Rolle die Pilze im Lebenslauf eines Baumes spielen. Oder wie man im Nationalpark mit Borkenkäfern, Untergruppe Buchdrucker, umgehen muss, damit die Viecher nicht ins angrenzende Kulturland ausbrechen.

Eldorado für Kinder

Für Familien und Schlussklassen ist der neue Nationalpark ein Eldorado. Kinder finden das Herumklettern mordslustig. Dazu können sie an vielen speziellen Projekten aktiv mitwirken. Im Nationalpark wird neben der Forschung auch die Pädagogik grossgeschrieben.

Die Mitglieder unserer Wandergruppe haben einander inzwischen näher kennengelernt. «Pommes mit Mayo oder mit Ketchup?», fragt die Wirtin in einem Gasthof. «Beides», antwortet unter Gelächter die nach Deutschland eingewanderte blonde Russin. Und fügt hinzu: «Wenn es um zwei Männer ginge, würde ich gleich entscheiden.»

Auf der Reise zurück in die Schweiz die Gruppe hat sich aufgelöst – drängt sich ein Zwischenhalt auf. Die Wahl fällt auf den Titisee. Und zwar soll es für einmal eher luxuriös zu- und hergehen. Das gelingt aufs beste im alteingesessenen, mehrmals erweiterten und renovierten Hotel Bruggers.

Die Ruhe am Titisee

Keine Wanderstrapazen an den nächsten zwei Tagen, nur ein Spaziergang durch die 17 ha Ländereien, die zu «Bruggers» gehören. Im lauschigen Eisweiher, der im Winter zufriert, schwimmt Entenvolk. Vor kurzem haben sich Biber an einem Wasserlauf eingenistet. Mit der Hochschwarzwald-Card, die viele Hotels bei einem Aufenthalt ab zwei Tagen abgeben, liesse sich täglich ein Gratisausflug organisieren. Doch wir sind jetzt zu faul dazu. Geniessen lieber Küche, Komfort und Ruhe des Hotels. Schwimmen zwischendurch im See. Bei Sonnenuntergang schauen wir von der Zimmerterrasse den kleinen Schiffen zu, die auf dem Titisee zirkulieren. Ganz leise. Weil hier nur Elektromotoren erlaubt sind.

Sommerfrische am Titisee (Bild: Schwarzwald Tourismus)

Sommerfrische am Titisee (Bild: Schwarzwald Tourismus)

Der Sperlingskauz: die kleinste Eule Europas. (Bild: Schwarzwald Tourismus)

Der Sperlingskauz: die kleinste Eule Europas. (Bild: Schwarzwald Tourismus)

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