Schönheitsoperation
Tausende Nadelstiche, der Eitelkeit zuliebe: Wenn Mann sich Haare leistet

Männer nehmen Geheimratsecken nicht mehr hin: Eine Haartransplantation verhilft zu erneut vollem Haar. Dafür greifen viele Herren tief in die Tasche. Jedoch: Manchmal geht die Operation auch schief.

Ramona Thommen
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Wayne Rooney hat es getan, der deutsche Fussballtrainer Jürgen Klopp ebenfalls - und jetzt hat sich auch der einstige Schweizer Fussballstar Ludovic Magnin unters Messer gelegt. Oder besser: unter die Nadel. Die drei liessen sich ihre Haare transplantieren.

Backstreet-Boys-Sänger AJ McLean postete auf seinem Instagram-Account gar Vorher-nachher-Fotos nach seiner Transplantation.

Im Zeitalter von Schönheits-OPs und Photoshop steht man(n) dazu, dass die befriedigte Eitelkeit ein Teil des persönlichen Wohlbefindens ist.
Schwindendes Haupthaar ist für viele Männer ein Graus, gilt es in unserer Gesellschaft doch als Zeichen des Alterns. Zwar, so sagt das Ludovic Magnin im «Blick», habe seine Halbglatze sein Selbstvertrauen nicht geschwächt, vielmehr sei ihm einfach seine Frisur zu langweilig geworden.

Teure Haarpracht

Vor einem halben Jahr liess er sich deshalb Haare vom Hinterkopf auf die Stirn transplantieren. Dabei werden noch vorhandene Haare mit einer Hohlnadel einzeln ausgestanzt und wieder in die Haut eingepflanzt, um eine neue Haarlinie zu bilden. Die Haare, so versprechen es seriöse Anbieter, sollen so ein Leben lang nachwachsen. Der mindestens achtstündige Eingriff kostet zwischen 4500 und 6500 Franken, je nach Zahl der Haarfollikel, die transplantiert werden. Obschon Hanspeter Graber, Geschäftsführer von «Hair-Esthetic» in Zürich, sagt, dass mit dieser Methode bereits 20-jährigen Männern geholfen werden könne, ist der Eingriff für diese zu kostspielig.

Häufig greifen Männer deshalb zu Tinkturen und Tabletten. Auch Sascha Müller*. Das schüttere Haar passt so gar nicht zum 20-Jährigen. Noch kann er die lichten Stellen mit Styling verdecken. Aber nicht mehr lange. Seit anderthalb Jahren benutzt er Alpecin, das Haarwuchsmittel aus der Werbung. «Der Werbespruch ‹fühlbar mehr Haare› stimmt natürlich», sagt Müller. «Aber nur, weil ich mir seither jeden Morgen in die Haare greife, um zu checken, ob es mehr geworden sind.» Bisher sei das nicht der Fall.

Auch Hanspeter Graber hält nicht viel von den angepriesenen Mitteln: «Wenn das Haar zum Gehen programmiert ist, dann geht es.» Medikamente wie Finasterid - ein Steroid - oder Minoxidil können den Verlust zwar verzögern, sind aber verschreibungspflichtig und haben starke Nebenwirkungen. Auch wasserfeste Haarfasersprays, die die Kopfhaut abdunkeln, helfen nur bedingt.

Die Natur ist schuld

Haarausfall ist genetisch bedingt. Jeder Mensch verliert täglich bis zu 100 Haare. Normalerweise bleiben die Haarwurzeln bestehen. Bei erblich bedingtem Haarausfall sind die Wurzeln ebenfalls noch intakt, die Wachstumsphase der Haare ist aber derart verkürzt, dass die Haare kaum noch sichtbar sind. Die verantwortlichen Gene kommen zu 60 bis 70 Prozent von der Mutter.

Obschon Müller sein lichtes Haupthaar mit Humor nimmt, gibt es auch schlechte Tage. «Wenn ich glaube, von hinten betrachtet zu werden, greife ich mir mit der flachen Hand an den Hinterkopf.» Irgendwann wird er sich von einem Coiffeur einen millimeterkurzen Haarschnitt verpassen lassen. Dafür muss sich der Leidensdruck aber noch erhöhen.

Kahl ist sexy

Dabei gilt heuer auch der kahl geschorene Kopf als sexy. Schauspieler Jason Statham avancierte damit im Film «The Transporter» zum Sexsymbol, R. E. M.-Frontmann Michael Stipe ist mit Haupthaar unvorstellbar und Bruce Willis wäre auf der Leinwand wohl nur halb so heldenhaft, würden die abgefeuerten Kugeln sein Haar zum Wehen bringen.

Selbst wer sich eine Transplantation leisten kann, darf nicht unbedingt mit einem schönen Ergebnis rechnen. Diese Erfahrung machten der ehemalige Ministerpräsident Italiens, Silvio Berlusconi, und Schauspieler John Travolta: Tanzte sich Letzterer vor mehr als 30 Jahren dank dem Musicalfilm «Grease» noch mit einer schwarzen Tolle in die Herzen junger Mädchen, wird er heute nur noch für seine Frisur belächelt. Teppichähnlich legt sie sich über sein Haupt, sein Haar wirkt unnatürlich, angeklebt.

Fussballer Wayne Rooney vor und nach der Haartransplantation.

Fussballer Wayne Rooney vor und nach der Haartransplantation.

Keystone

Gemäss verschiedener amerikanischer Blogs soll er nicht nur mit einer Transplantation nachgeholfen haben, sondern das schlechte Ergebnis auch mit Perücken und Haarteilen zu kaschieren versuchen. Die Experten sind sich einig: Da hat jemand ziemlich gepfuscht, die Haa

Bei anderen Stars scheint es funktioniert zu haben. Die Schauspieler Kevin Spacey, Matthew McConaughey und Tom Hanks tauchten alle plötzlich mit deutlich geringeren Geheimratsecken auf, dazu äussern wollte sich aber keiner. Auch der deutsche Comedian Mario Barth präsentierte bei einem Auftritt plötzlich eine nie gesehene Haarfülle. Von einer Journalistin darauf angesprochen, brach er das Interview ab und verliess den Raum.

So uneitel, wie sich viele Männer geben, scheinen sie also doch nicht zu sein. Diesen Eindruck hat auch Gubler von seinen Kunden. Und sogar Ludovic Magnin gestand, dass er seine neuen Haare derzeit permanent im Spiegel betrachten müsse.

Name von der Redaktion geändert.

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