Imam sagt: «Terrorismus kennt keine Religion»

Mit Informationsabenden wollen die Ahmadiyya-Muslime in der Schweiz darauf aufmerksam machen, dass der Einsatz von Gewalt im Namen der Religion keine Option sein könne.

Benno Bühlmann
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Imam Wafa Mohammed ist verantwortlich für die Mahmud-Moschee in Zürich. Bild: Benno Bühlmann (29. Mai 2019)

Imam Wafa Mohammed ist verantwortlich für die Mahmud-Moschee in Zürich. Bild: Benno Bühlmann (29. Mai 2019)

«Diejenigen, die sich selbst Muslime nennen, aber versuchen, den Islam mit Gewalt zu verbreiten, sind sich seiner ihm innewohnenden Schönheiten gar nicht bewusst.»

Mit diesem Zitat von Mirza Ghulam Ahmad machte in der Agglomeration von Luzern unlängst eine religiöse Gemeinschaft auf ihrem Werbeflyer auf einen «Vortragsabend mit Koran- und Bücherausstellung» aufmerksam. Interessierte Personen, die gerne mehr über das Thema «Meinungsfreiheit und Toleranz im Islam» erfahren wollten, wurden an einem Samstagabend ins Schulhaus Emmen-Dorf eingeladen.

Kein Zwang im Glauben

Der Publikumsaufmarsch hielt sich an diesem Abend zwar in Grenzen, doch der für die Veranstaltung verantwortliche Imam, Wafa Mohammed von der Mahmud-Moschee in Zürich, liess sich dadurch nicht beirren und gab auf die vielfältigen Fragen der Anwesenden bereitwillig Auskunft. Vor allem wies er die Zuhörer angesichts aktueller Medienmeldungen über Terroranschläge von Dschihadisten darauf hin, dass der Einsatz von Gewalt im Namen der Religion keine Option sein könne: «Der Terrorismus kennt keine Religion, sondern ist religionslos.» Zudem müsse immer wieder in Erinnerung gerufen werden, dass das Grundprinzip der Toleranz im Islam bereits in der heiligen Schrift des Koran verankert sei, wo es wörtlich heisst: «Es soll kein Zwang sein im Glauben.» (Sure 2:257)

Weitgehend unbekannt

Den meisten Besuchern des Vortragsabends waren die ­Hintergründe der Ahmadiy­ya-Gemeinschaft, die den Vortragsabend organisiert hatte, weitgehend unbekannt. Dieser Umstand mag erstaunen angesichts der Tatsache, dass es sich bei der Ahmadiyya Muslim Jamaat um die «am längsten offiziell in der Schweiz ansässige muslimische Gemeinschaft» handelt, wie Sarah Beyeler von der Universität Bern auf Anfrage bestätigt: «Diese Gemeinschaft ist bereits seit 1946 in der Schweiz ansässig und zählt heute ungefähr 800 Mitglieder.»

Die Ethnologin hat sich vor sieben Jahren im Rahmen einer Doktorarbeit eingehend mit den Ahmadis befasst und dabei auch deren Anfänge in der Schweiz wissenschaftlich untersucht. «Trotz ihrer engagierten und stark missionarisch ausgerichteten Öffentlichkeitsarbeit ist die Gemeinschaft vielen Menschen in der Schweiz unbekannt.»

Die Ahmadiyya sei im späten 19. Jahrhundert vom charismatischen Mirza Ghulam Ahmad im damaligen Britisch-Indien (heute Pakistan) gegründet worden, erklärt Sarah Beyeler: «Seine Schriften und Aktivitäten waren Ausdruck sowohl der damaligen gesellschaftlichen Situation im kolonialisierten Indien als auch von Ahmads unerschütterlichem Glauben an den göttlichen Willen, der dem Islam der Ahmadiyya zum globalen Siegeszug verhelfen sollte.» Weil aber die Ahmadis dem Gründer ihrer Gemeinschaft einen Prophetenstatus zuerkennen, werden sie in ihrem Herkunftsland Pakistan als «Ketzer» verfolgt und unterdrückt. Auch die Sunniten in der Schweiz akzeptieren Ahmadis nicht als muslimische Gemeinschaft, obwohl sie sich in ihrer Glaubenspraxis ebenfalls an den berühmten «fünf Säulen des Islam» orientieren.

Erste Moschee in der Schweiz

Seit ihrer Ankunft in der Schweiz suchten die Ahmadis den Austausch mit der Mehrheitsbevölkerung und trugen wesentlich dazu bei, den Islam sichtbar zu machen. So ist es auch kein Zufall, dass sie 1963 mit der Mahmud Moschee in Zürich das erste islamische Gotteshaus der Schweiz einweihten.

Erstaunlich ist – aus heutiger Perspektive, exakt 10 Jahre nach Annahme der Minarettverbotsinitiative –, dass damals die erste Moschee in der Schweiz inklusive Minarett ohne nennenswerte Schwierigkeiten errichtet werden konnte. Mehr noch: Die Ahmadis erhielten in ihrem Vorhaben die Unterstützung des Stadtpräsidenten, was dazu führte, dass die Stadtregierung der Gemeinschaft nach langen Verhandlungen eine Parzelle im Baurecht überliess. «Weder galt das Minarett als Symbol der Eroberung, noch war die Rede von einer wahrgenommenen muslimischen Bedrohung», erklärt Sarah Beyeler. Im Gegenteil: Für die Zürcher Stadtregierung, die bei der Einweihung der neuen Moschee ebenfalls vor Ort war, bot der Moscheebau gar eine Möglichkeit, ihre Stadt als «weltoffen und geistig liberal» zu positionieren.

18 Meter hohes Minarett

Von aussen ist die Mahmud-Moschee im Zürcher Balgrist-Quartier ganz klar als eine (öffentliche) Gebetsstätte zu erkennen, in der jede Person zum Gebet willkommen ist. Die Moschee verfügt über ein 18 Meter hohes Minarett sowie eine kleine Kuppel, die allerdings von aussen kaum zu sehen ist. An der Fassade hin zur Strasse zeugt ein Schriftzug mit dem Glaubensbekenntnis von der Bestimmung des Gebäudes.