TRANSSIBIRISCHE EISENBAHN: Transsib: Kreuzfahrt auf Schienen

Mehr als 9000 Kilometer quer durch Russland? Das ist bei weitem nicht nur etwas für Eisenbahnfreaks. Das begeistert selbst Popstars oder die deutsche Kanzlerin.

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Die längste Zugstrecke der Welt verbindet 7 Zeitzonen, fährt durch 87 Städte und zwischen Irkutsk und Ulan Ude dem Baikalsee entlang. Die Fläche des «Baikal» beträgt mehr als 31 500 Quadratkilometer. (Bild: Leitidee Erlebnisreisen)

Die längste Zugstrecke der Welt verbindet 7 Zeitzonen, fährt durch 87 Städte und zwischen Irkutsk und Ulan Ude dem Baikalsee entlang. Die Fläche des «Baikal» beträgt mehr als 31 500 Quadratkilometer. (Bild: Leitidee Erlebnisreisen)

Dominik Buholzer

Ganz zum Schluss, als der Zug Moskau erreicht hatte, kamen nochmals Emotionen hoch. Fahrgäste und Zugsbegleiter lagen sich in den Armen, vereinzelt flossen Tränen. Eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn bewegt. Oder wie es ein deutscher Reiseleiter formulierte: «Dieser Zug hat eine Seele.»

Auf jeden Fall ist die Transsibirische Eisenbahn ein Mythos. Mit 9288 Kilometern zwischen Peking, Wladiwostok und Moskau ist es die längste Eisenbahnstrecke der Welt. Der Zug verbindet 7 Zeitzonen, fährt durch 87 Städte und über 16 grosse Flüsse und entlang dem Baikalsee. Die Transsibirische Eisenbahn trug wesentlich zur Entwicklung Sibiriens bei. Der Bau dauerte 25 Jahre. Im kommenden Jahr jährt sich die Fertigstellung zum 100. Mal.

David Bowie, Paulo Coelho?

Die Transsibirische Eisenbahn hat schon immer fasziniert. Den englischen Popmusiker David Bowie zog sie schon in ihren Bann genauso wie den brasilianischen Schriftsteller Paulo Coelho. Selbst die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hegt den Wunsch, mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Moskau zu reisen. Ein Ticket muss sie sich nicht einmal besorgen. Das deutsche Unternehmen Lernidee Erlebnisreisen, das den Sonderzug von Peking nach Moskau und zurück betreibt, hat sie unlängst zum Ehrengast ernannt.

Dieses Glück hatte die Grossmutter von Marco Lorenz nicht. Sie wollte nie ans Meer, sie wollte nur einmal in ihrem Leben mit der Transsibirischen Eisenbahn fahren. Heute ist ihr Enkel dafür verantwortlich, dass der Zug in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz im Gespräch bleibt. Zwar verkehren zwischen Wladiwostok und Moskau täglich reguläre Züge. So richtig vornehm reist es sich allerdings nur im «Zarengold», dem Sonderzug, dessen Fahrten vom deutschen Reiseunternehmen organisiert werden.

Nostalgischer Stil

Von Juni bis September fährt der Zug von Moskau an die chinesische Grenze und wieder zurück. Die Waggons haben ihren nostalgischen Stil beibehalten, auf heutige Annehmlichkeiten muss trotzdem niemand verzichten. Wer es gerne luxuriös hat, bucht ein Abteil in der obersten Preisklasse. Für viel Komfort ist aber auch in all den anderen Klassen gesorgt. Viele Abteile verfügen über ein eigenes WC und eine eigene Dusche. Nur wer zu viel Gepäck beziehungsweise zu grosse Koffer mitnimmt, steht schnell einmal vor einem Problem. Der Stauraum im Zug ist knapp bemessen. Doch selbst dafür hat man bei der Transsibirischen Eisenbahn eine Lösung. Am Ende der meisten Wagen befindet sich ein Stauraum. Angst, dass einem irgendwas gestohlen wird, muss man nicht haben. Jeder Wagen steht unter strenger Aufsicht einer Zugbegleitung. Und mit dieser legt man sich am besten nicht an.

Keine Lok verlässt «ihr Revier»

16 Tage dauert die Fahrt. Langweilig wird es einem dabei nicht. «Eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn ist wie eine Kreuzfahrt auf Schienen», sagt Marco Lorenz von Lernidee. Das hat etwas auf sich. Zeit zum Schlemmen gibts reichlich, auch genügend Gelegenheiten, um sich einem der zahlreichen Wodkas hinzugeben. Für Unterhaltung sorgt zum einen das Zugspersonal selber, das über erstaunlich gute Deutsch- und Englischkenntnisse verfügt. Und zum anderen sind da die zahlreichen Stops, die der Zug immer wieder macht. Nicht nur in Städten, auch mitten im Grünen, um beispielsweise die Lokomotive zu wechseln, was rund alle 800 Kilometer der Fall ist. Keine Lok verlässt «ihr Revier», da nehmen es die Russen genau. Solche fahrplanmässigen Halte bieten auch immer wieder die Gelegenheit, sich auf dem Perron die Füsse zu vertreten _ und den Zug von hinten zu sehen. «Alle zwei bis drei Touren kommt es vor, dass jemand den Zug verpasst. Meistens passiert dies Journalisten oder Mitarbeitern der Reisebranche», sagt Marco Lorenz und lacht. In solchen Fällen gilt vor allem eines: Ruhe bewahren. In der Regel ist der säumige Fahrgast spätestens nach 30 Stunden wieder auf dem Zug. Aufgepasst: Die Kosten für die Nachreise müssen aus eigener Tasche berappt werden.

Das «Herz des Urals»

Dies kann ins Geld gehen. Deshalb geht man lieber auf Nummer sicher. Denn auf der Reise durch Russland gibt es zahlreiche spannende Städte zu entdecken. Beispielsweise Jekaterinburg, das zu Sowjetzeiten noch Swerdlowsk hiess und wegen seiner (militärischen) Industrieproduktion bis 1991 für Touristen nicht zugänglich war. Selbst Sowjetbürger durften die Stadt nur mit einer Genehmigung besuchen. Dann setzte das Tauwetter ein, und seither wird ganz schön in die Höhe gebaut. Jekaterinburg ist mit 1,4 Millionen Einwohnern bevölkerungsmässig die viertgrösste Stadt Russland, wegen seiner Bodenschätze und Industrie aber wirtschaftspolitisch die drittwichtigste. Und Jekaterinburg kann auch ein gutes Pflaster für Politkarrieren sein. Boris Jelzin hat im «Herzen des Urals», wie Jekaterinburg auch genannt wird, regiert, bevor er zum Präsidenten Russlands aufstieg und später sämtlichen Goodwill bei der Bevölkerung verlor.

Zu Besuch bei den Tataren

Die vielen neuen Bauten beeindrucken. Wirklich sehenswert sind aber die kleinen, schmuckvollen Holzhäuser, die noch immer die Strassen säumen und der Stadt Charme verleihen. Oder ein wenig ausserhalb der Stadt die «Erlöser-Kathedrale auf dem Blut», ein beeindruckendes Bauwerk, das vor wenigen Jahren erstellt wurde in Gedenken an den letzten russischen Zar Niklaus II. und seine Familie, die dort 1918 grausam hingerichtet worden sind.

Auf dem Weg nach Moskau macht der Sonderzug weiter westlich halt in Kasan, einer der ältesten Städte überhaupt an der Wolga und Hauptstadt der Autonomen Republik Tatarstan. Erdöl und Erdgas sichern ihr die Unabhängigkeit. Die Stadt besticht durch ihre Architektur, die Orient und Okzident in sich vereint. Der Kreml von Kasan gilt als einer der schönsten seiner Art. Seit 24. Juli 2005 zieht nach neunjähriger Bauzeit ein anderes Gebäude noch viel mehr Aufmerksamkeit auf sich: die Kul-Sharif-Moschee. Benannt ist sie nach dem letzten Imam von Kasan vor der russischen Eroberung und gilt heute als Symbol für das friedliche Zusammenleben der moslemischen und orthodoxen Bevölkerung von Tatarstan.

Der Sonderzug Zarengold war bislang ein sicherer Wert. Rund 300 Schweizerinnen und Schweizer waren jährlich mit von der Partie. In diesem Jahr ist das Bild ein wenig getrübt. Wegen der Ukraine-Krise verzeichnet beispielsweise Osteuropaspezialist Kira Reisen einen Einbruch um bis zu 20 Prozent. Trübsal will man dennoch keinen blasen. Für 2016 sieht es besser aus.

Übrigens: Gute Neuigkeiten gibt es auch in Sachen Angela Merkel. Marco Lorenz: «Es gibt Signale, dass sie diese Reise irgendwann antreten wird.» Der Zug ist für die deutsche Bundeskanzlerin also noch nicht abgefahren.

Moskau–Peking oder Peking–Moskau

Reisezeit Juni bis September; je 6 Hin- und Rückfahrten pro Saison.

Preise Kategorie II, «gehobener Standard Classic» ab 7260 Franken (zweitgünstigste Kategorie); Kategorie IV, «Bolschoi» ab 13 170 Franken (zweitteuerste Kategorie); Preise p. Person in Zweierbelegung inkl. VP, Flug, Taxen (exkl. Visagebühren und Trinkgelder). Übernachtung im Sonderzug und in Hotels.

Anreise Moskau Aeroflot 2x täglich ab Zürich, Swiss 2x täglich ab Zürich. Schweizer Bürger benötigen ein kostenpflichtiges Visum.

In der Schweiz verfügt Kira Reisen über die grösste Erfahrung bzw. gilt im Schweizer Markt als der Spezialist für den Sonderzug wie auch für Russland im allgemeinen. Telefon: 056 200 19 00 der www.kiratravel.ch

Weitere Informationen gibt es auch auf: www.lernidee.de

Hinweis

Dieser Artikel entstand aufgrund einer Presse­einladung von Kira Reisen und Lernidee.

Der Kreml am Flussdamm der Moskwa. (Bild: Leitidee Erlebnisreisen)

Der Kreml am Flussdamm der Moskwa. (Bild: Leitidee Erlebnisreisen)

Reiterspiele bei Ulan Bator. Die Fahrt führt auch durch die Mongolei. (Bild: Leitidee Erlebnisreisen)

Reiterspiele bei Ulan Bator. Die Fahrt führt auch durch die Mongolei. (Bild: Leitidee Erlebnisreisen)

Landschaftskino durchs Zugfenster im nostalgischen, aber komfortablen Abteil. (Bild: Leitidee Erlebnisreisen)

Landschaftskino durchs Zugfenster im nostalgischen, aber komfortablen Abteil. (Bild: Leitidee Erlebnisreisen)

Sujet nicht nur für Zeichnerinnen, die Kul-Sharif-Moschee in Kasan. (Bild: Leitidee Erlebnisreisen)

Sujet nicht nur für Zeichnerinnen, die Kul-Sharif-Moschee in Kasan. (Bild: Leitidee Erlebnisreisen)

Das Zugspersonal lehrt die Reisenden das kyrillische Alphabet. (Bild: Leitidee Erlebnisreisen)

Das Zugspersonal lehrt die Reisenden das kyrillische Alphabet. (Bild: Leitidee Erlebnisreisen)