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TÜRKEI: Mit dem Bike zu Kleopatra

Ein Bike-Trip durch den Südwesten des Landes führt durch unberührte Natur, zu antiken Stätten und kulinarischen Geheimplätzen.
Text und Bilder Kathrin Reimann
Am Kleopatra-Strand bei Sedir Adasi tummeln sich nebst Badegästen auch Hühner. (Bild: Karte oas)

Am Kleopatra-Strand bei Sedir Adasi tummeln sich nebst Badegästen auch Hühner. (Bild: Karte oas)

1980 kamen die ersten Rucksacktouristen in Marmaris an. Würden dieselben Leute heute zurückkehren, reisten sie wohl sofort wieder ab. Denn der Tourismus präsentiert sich laut, schrill und promillebetont. So, wie ihn sich viele Pauschaltouristen wohl wünschen, und so, wie man ihn von manchem populären Ferienort kennt. Es wimmelt nur so von All-inclusive-Bunkern mit Unterhaltungsprogrammen, bunten Liegestühlen, Bars mit billigen Drinks, Restaurants mit fettigem Essen, Läden mit gefälschten Sonnenbrillen und buntem Strandzubehör.

Hügel und Wälder gleich dahinter

Doch Marmaris bietet viel mehr als das: Würden die Rucksacktouristen die unberührte Natur rundherum kennen, würden sie vielleicht doch bleiben. Denn die wunderschönen Hügel, von denen man auf Wiesen, Wälder, Felder und das Meer blicken kann, laden geradezu zum Outdoor-Sport-Treiben ein. Das wissen leider nur wenige.

Einer, der die unberührte Landschaft aber so gut wie seine eigene Hosentasche kennt, ist Firat Okutucu. Der 40-jährige, vor Energie und Witz nur so strotzende Guide ist ein türkischer Bike-Pionier. Denn während sie bei uns längst boomt, steckt die türkische Bike-Bewegung noch in den Kinderschuhen. «Viele Menschen hier arbeiten körperlich hart und haben deshalb nicht das Bedürfnis, sich in der Freizeit auszupowern», sagt Okutucu. Eine sehr überschaubare und deshalb bestens vernetzte Bike-Szene gibt es aber dennoch. Firat Okutucu hat sie vor wenigen Jahren selbst mitbegründet und organisiert auch immer wieder Anlässe in der ganzen Türkei.

Eseln und Ziegen ausweichen

Einen besseren Guide kann man sich also für seinen Trip nicht wünschen. Die abwechslungsreichen Bike-Wege der Küste entlang sind zwar soeben erst erschlossen worden und die Schilder teilweise sogar noch in Plastik verpackt – gut und klar gekennzeichnet sind die Wege aber doch. Gleichwohl weiss nur Okutucu, wo man die besten Snacks, das speziellste Bier, die feinsten Grilladen, die schönsten Aussichten oder den besten Badeort findet. Doch all das muss man sich zuerst hart verdienen.

Mit den nicht allerneusten, aber zweckmässigen Bikes fährt man zuerst durch Marmaris und erhält nochmals eine geballte Ladung Pauschaltourismus verpasst, ehe man die verlasseneren Gefilde erreicht. Bei gut 30 Grad fährt man dann seinen ersten Hügel hinauf und verflucht ihn, weil die Fahrt schweisstreibend ist und an die Substanz geht. Doch Durchhalten lohnt sich: Die Aussicht übers Meer ist traumhaft. Kaum eine Menschenseele verirrt sich hier in die Natur, höchstens ein paar Bauern begegnet man ab und an. Auf den Strassen kommt einem ebenso selten ein Auto entgegen, und auf den Schotterstrassen, Kieswegen und Waldpassagen muss man höchstens einer Ziege oder einem Esel ausweichen.

Die Fahrt geht steil hinunter, über ebene Abschnitte und immer wieder bergauf. Die Velowege führen Feldern und Wäldern entlang. Sie bieten immer wieder prächtige Ausblicke auf Berge oder die Küste. Wer sich von seinen körperlichen Strapazen ablenken will, fährt eine Zeit lang neben Firat Okutucu her, denn der Bike-Guide redet munter drauflos. Er erzählt etwa, dass ein grosses Problem dieser Region die Trockenheit ist. «Die Brandgefahr ist hoch, deshalb stehen überall Feuerlöscher.» Sie sind tatsächlich überall zu sehen, auch auf Wiesen und Feldern.

Auf vielen dieser Felder wachsen Erdbeeren. Sie sind hier sehr populär und schmecken unglaublich süss und köstlich. Ebenfalls sehr populär ist Kirkpinar, der Ölringkampf, wie Okutucu erzählt. «Dabei treten zwei mit Olivenöl eingeriebene Ringer in Lederhosen gegeneinander an, was das Einsetzen von Hebeln und Griffen sehr erschwert.» Der Ölringkampf gilt als eine der schwierigsten und kompliziertesten Ringsportarten. Leider bekommen wir das aussergewöhnliche Schauspiel nicht zu sehen.

Weisser Sand für die Geliebte

Dafür kehren wir in çamli in einer lauschigen Gartenbeiz ein und geniessen dort türkische Mezze-Spezialitäten wie Zigaretten-Börek, Salate, Fladenbrot und Auberginenmus, trinken dazu den typischen çay und lassen ab und zu etwas für die bettelnde Katze auf den Boden fallen. Nach der Stärkung geht die Tour weiter zum Meer, dort auf ein Boot und schliesslich auf die Insel Sedir Adasi, an den Kleopatra-Strand. Über diesen schneeweissen Traumstrand wird erzählt, der römische Kommandant Marc Antonius habe seiner geliebten Kleopatra 40 Schiffe voller weissen Sandes aus Ägypten hierher bringen lassen. Um diesen mythenumrankten Strand mit seinem speziellen Sand vor diebischen Besuchern zu schützen, ist er zwar abgesperrt, baden darf man in der traumhaften Bucht im türkisfarbenen Golf von Gökova aber trotzdem.

Und während man sich danach auf den Liegestühlen fläzt, gackern Hühner um einen herum. Ab und zu bekommt man sogar Besuch von einer Schildkröte. Ausserdem gibt es auf der kleinen Insel, die lediglich einen Kiosk, nicht aber Hotels oder Restaurants bietet, Teile der alten Stadtmauer sowie Überreste eines kleinen Amphitheaters zu entdecken. Aus alten Inschriften geht hervor, dass hier Sportfeste stattfanden, die dem Gott Apollo geweiht waren. Weiter führt die Tour durch eine imposante Eukalyptusallee, die gepflanzt worden war, um einen Sumpf trocken zu legen und so einen Durchgang von Gökova nach Marmaris zu schaffen.

Im Zielort Akyaka geht es dann wieder auf ein Boot, diesmal über den Fluss Azmak. Dessen glasklares wie eiskaltes Wasser gewährt Sicht bis auf den Grund, wo sich riesige Fischschwärme tummeln. Dementsprechend bekannt ist der Ort auch für seine Fischrestaurants. Türkische Familien nehmen am Wochenende stundenlange Autofahrten oder gar Inlandflüge in Kauf, nur um dort speisen zu können. Doch auch Felsengräber und eine einzigartige pseudo-seldschukisch-osmanische Architektur mit Holzelementen zeichnen Akyaka aus.

Outdoor-Lounges ab vom Schuss

Die nächste Tages-Biketour startet wieder mit einem steilen Aufstieg, diesmal im nordwestlichen Teil von Marmaris. Sie führt durch Wälder, über einsame Hochebenen, auf Schotterpisten hinunter und danach an wunderbaren Seelandschaften vorbei. In einer Meeresbucht, die eher wie ein Flusslauf aussieht, findet man das kulinarische Geheimplätzchen, das «Alibar». Liebevoll zusammengezimmert steht dort ein Restaurant mit Lounges und Outdoor-Sofas weit ab vom Schuss. Über dem Feuer grilliert Chefkoch Ali alles, was man gerne mag, und serviert dazu so viele türkische Köstlichkeiten, dass der gesamte Fussballclub B B Bodrumspor davon satt werden könnte. Von diesem ist Ali, wie man aus seinen Dekorationsvorlieben schliessen darf, offensichtlich Fan. Fast zu gut gestärkt geht die Fahrt dann weiter über holprige Strassen, zurück nach Marmaris.

600 Liegeplätze im Yachthafen

Hier bringt einen ein Spaziergang hinaus aus dem mit Liegestühlen und Sonnenschirmen bestückten, 15 Meter breiten Strandgebiet. Ansehnlicher ist die historische Burg im Zentrum, die 1522 von den Osmanen erbaut wurde. Im Ersten Weltkrieg beschädigte ein französisches Kriegsschiff das Bauwerk dann stark. In der heute restaurierten Burg befindet sich ein Museum. In den engen Gassen rund um die Burg stehen die denkmalgeschützten Fachwerkhäuser der Altstadt.

Yachtfahren ist ein beliebtes Hobby in Marmaris, sofern man es sich leisten kann. Der Yachthafen ist mit über 600 Liegeplätzen der grösste an der türkischen Ägäis. Auch uns erwartet eine Yacht, und die Rundfahrt zeigt erneut die traumhafte Lage des wunderschönen Ortes, da aus der Ferne die Pauschaltouristen-Infrastruktur nicht sichtbar ist. Und man erkennt, was die Rucksacktouristen vor 35 Jahren hierher zog.

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