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Übel zugerichtete Schädel und Hetzjagden im Landesmuseum

Eine neue Ausstellung im Landesmuseum Zürich erörtert das Thema Sündenböcke und damit die kollektiven Gewalt gegen Einzelne. Und zeigt, dass dieser Wut und dieser Hetzte etwas sehr archaisches zu Grunde liegt.
Rolf App
Und wenn die Pest grassiert, liegt die Frage nach den Schuldigen nah. Hier sind es – wie so oft – die Juden, denen man das Übel anlastete. Bild:pd

Und wenn die Pest grassiert, liegt die Frage nach den Schuldigen nah. Hier sind es – wie so oft – die Juden, denen man das Übel anlastete. Bild:pd

Landesmuseum  Peter Sloterdijk ist Optimist. «Nichts ist an der Menschenwelt so erstaunlich wie die Fähigkeit der Zusammenlebenden, mit den Unterschieden zwischen ihnen zurechtzukommen», schreibt der Philosoph. Doch er fügt gleich an: «jene Momente ausgenommen, in denen sie sich, wie zur Entspannung, auch einmal eine Hetze gönnt.»

Um «jene Momente» geht es in einer Ausstellung, die gestern im Landesmuseum Zürich eröffnet wurde, und die den leicht verständlichen Titel «Sündenbock» trägt. «Sie geht der kollektiven Gewalt gegen Einzelne nach», erklärt Museumsdirektor Andreas Spillmann, bevor er die Journalistenschar in die Ausstellung entlässt, die man sich nicht nur anschauen, sondern vor allem auch anhören muss.

Was tun gegen die Pest? Juden umbringen

Unterlegt von ruhig-harmonischer Musik, erläutert im Audioguide der Schauspieler Robert Hunger-Bühler, wie es dazu kommt, dass zunächst die Religion, dann der Staat jene Aggression zu kanalisieren sucht, die dem Menschen und der Menschengesellschaft innewohnt. Hunger-Bühler klingt freundlich, umso erschütternder sind die Beispiele, von denen die eindrücklich in Szene gesetzte Ausstellung handelt.

Angefangen beim ägyptischen Pharao, der seine Keule schwingt, über übel zugerichtete Kinderschädel aus der Bronzezeit, bis hin zu den Mythen, die wie jener vom Minotaurus von Menschenopfern zur Besänftigung der Götter handeln. Besänftigt werden muss auch die Natur, und wenn im 14. Jahrhundert die Pest grassiert, liegt die Frage nach den Schuldigen nah. Hier sind es – wie so oft – die Juden, denen man das Übel anlastete.

Ein junges Mädchen bringt sich um

Manchmal allerdings regiert auch der Neid. Wie 1701 in Wasterkingen beim zürcherischen Rafz, als Anna Rutschmann durch das Schwert stirbt. Sie und ihre Familie werden verdächtigt, rätselhafte Kopfschmerzen über das Dorf gebracht zu haben. Die Rutschmanns sind reich; es lohnt sich also, sie auszulöschen.

Ist unsere Zeit von solchen Brutalitäten frei? Man möchte es glauben, hat aber – wie Peter Sloterdijk – seine Zweifel. Noch 2015 attackieren Männer in Zürich auf offener Strasse einen orthodoxen Juden, einer ruft: «Wir werden euch alle vergasen.» Und 2012 nimmt sich in Kanada Amanda Todd das Leben. Das Mädchen wird zum Opfer eines Nacktfotos, das sich im Netz verbreitet hat.

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