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Glosse

Wort des Jahres: Ein unkorrekter Vogel

Der Doppeladler wurde zum Deutschschweizer Wort des Jahres gekürt. Dabei geht es weniger um ein Wort, als um eine Geste und diese flattert heftig, aber sprachlich unkorrekt
Christoph Bopp
Sherdan Shaqiri mit Doppeladler-Geste an der WM. (Bild: KY)

Sherdan Shaqiri mit Doppeladler-Geste an der WM. (Bild: KY)

Das Forschungsteam des Departements für Angewandte Linguistik an der ZHAW hat den Doppeladler zum «Wort des Jahres» gekürt. Genauer nehmen es da die Tessiner, bei ihnen heisst das Ding korrekt «gesto dell’aquila», während wir das Wort «Doppeladler» vorschieben, aber natürlich die Geste meinen. «Meh Dräck» (2004) war da einfacher.

Das zuständige Gremium kann nichts dafür. Die Erhebung versucht, objektiven, wissenschaftlichen Bedingungen zu genügen. Häufigkeitsanalysen in Texten, auch auf solchen, die in Social Media publiziert wurden, bilden die Basis. Die Schweizer Fussballer Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri, assistiert von ihrem Captain Stephan Lichtsteiner, wedelten nach dem 2:1 für die Schweiz gegen Serbien an der WM mit gekreuzten Händen vor dem Schweizer Kreuz auf ihrer Brust herum. Der Sinn der Geste erschloss sich nicht unmittelbar: Zwar findet sich das Sagentier auf dem Staatswappen von Albanien, aber der Doppeladler ziert auch die Fahne von Serbien, gegen das die Geste wohl gemeint war.

Für wen schlägt das Herz in der Brust?

In der Folge gab es sogar eine «Doppelbürger»-Diskussion, wobei nicht ganz klar war, ob die Fussballer wirklich auch noch andere als den Schweizer Pass haben. Anstoss erregte, dass man ein fremdes Nationalsymbol (das von Albanien) präsentierte, während man mit dem eigenen (dem Schweizer) unterwegs war. Dass die Seele in der Brust steckt, war dabei überraschenderweise weniger umstritten, als für wen sie schlägt – aber solche Details gingen eher unter. Es ging um Loyalität, die a priori unteilbar ist. Und im Hintergrund stand natürlich die Unterscheidung zwischen «fremd» und «wir» und die Frage, was es heisst, «dazuzugehören».

Der «normale» Schweizer steht jetzt irgendwo zwischen «Papierlischwiizer» und «Eidgenoss». Es ist eine Skala, die Einheit darauf ist völlig unbestimmt, aber die Eckpunkte sind klar: solche, welche den Pass erworben haben, und solche, die bereits 1291 beim Rütlischwur Programme verkauft haben. Wie lernen, dass ein «Ding zu tun» viele Worte produzieren kann. Sogar ein «Wort des Jahres».

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