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Die Mondlandung macht den Schweizer Bruno Stanek zur Legende

Die US-Astronauten Armstrong, Aldrin und Collins werden mit der ersten Mondlandung vor 50 Jahren zu Legenden. In der Schweiz wird das am 21. Juli 1969 der damalige Apollo-TV-Kommentator Bruno Stanek.
Bruno Knellwolf
Neil Armstrong ist der erste Mensch auf dem Mond. (Bild: NASA via AP)

Neil Armstrong ist der erste Mensch auf dem Mond. (Bild: NASA via AP)

Die Welt ist in heller Aufregung und blickt gemeinsam in den Himmel. Wer einen Fernseher zur Verfügung hat, sitzt gespannt vor den Schwarz-Weissbildern aus dem All. Die bald zeigen werden, wie der erste Mensch einen Fuss auf den Mond setzt. Noch lange nicht in jedem Haushalt steht Ende der 1960er-Jahre ein TV-Gerät. Die Leute kommen in der Nacht zusammen, scharen sich mit 600 Millionen anderen vor den flimmernden Bildern aus dem Weltraum.

Bruno Stanek, Mathematiker und Fernsehkommentator. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Bruno Stanek, Mathematiker und Fernsehkommentator. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

In der Schweiz bleibt an diesem 21. Juli 1969 allerdings nicht nur die erste Mondlandung in Erinnerung. Zur TV-Legende wird der damals 25-jährige Bruno Stanek, welcher der Schweiz im TV-Studio erklärt, was sich im All Historisches abspielt. Für viele wird Stanek zu einer bis heute aufregenden Kindheitserinnerung. Man weiss noch genau, wie er - eine Saturn V-Rakete und das Mondlander-Modell in der Hand- ruhig und in gestochen scharfem Hochdeutsch erklärt, wie die Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin die letzten Meilen Richtung Mond in Angriff nehmen werden, während der dritte Astronaut Michael Collins in der Kommandokapsel bleiben und auf seine beiden Kollegen warten wird.

Eine Reise ins
 Ungewisse macht Angst

Die Menschen zweifeln, die Reise ins Ungewisse macht Angst, niemand weiss, ob die Astronauten das Landemanöver und später die Reise zurück auf Mutter Erde schaffen werden. Genau das hat US-Präsident John F. Kennedy am 25. Mai 1961 vor dem Kongress gefordert: «Ich glaube, dass sich dieses Land dem Ziel widmen sollte, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn wieder sicher zur Erde zurückzubringen.» Bis zu diesem Zeitpunkt haben die Amerikaner es allerdings noch nicht geschafft, einen Menschen auch nur um die Erdlaufbahn zu schicken.

Damals wie heute werde neuen Technologien von vielen skeptisch begegnet, sagt Bruno Stanek in seinem Einfamilienhaus in Arth, wo er zwischen Mond-, Weltraumbildern und PC sitzt.

«Deshalb habe ich versucht, sachlich und ruhig die Live-Sendungen aus dem All zu kommentieren, um das Publikum zu beruhigen.»

Dies sagt der heute 75-jährige, dem damals Moderator Charles Raedersdorf zur Seite gestellt wird. Staneks Kompetenz wirkt vertrauenserweckend, die Fernsehzuschauer hängen ihm an den Lippen, wenn er jeweils mitten in der Nacht in Sekundenbruchteilen übersetzt, was in der Kommandozentrale in Houston zu hören ist.

Spannung vor der Landung

Am 16. Juli 1969 ist die Crew mit der mächtigen Saturn-V-Trägerrakete in Cape Canaveral gestartet. Vier Tage später erfolgt die Einbremsung in 
die 113 bis 313 Kilometer hohe Mondumlaufbahn. Nach drei Mondum­rundungen wird die Mondlandefähre «Eagle» vom Mutterschiff getrennt. Armstrong und Aldrin beginnen mit dem Sinkflug. Houston meldet: «Noch 60 Sekunden». Gemeint ist damit die Treibstoffreserve. Aldrin entgegnet: «Sinken mit zweieinhalb. Wirbeln etwas Staub auf. 30 Fuss runter mit zweieinhalb. Leichter Schatten. Vier vorwärts: Driften nach rechts…» Houston: «30 Sekunden!» Die Welt hält den Atem an, Armstrong muss weiter nach rechts ziehen, um die Mondfähre sicher zu landen. «Das war für den erfahrenen Astronauten kein Problem. Das hat er 1000 Mal geübt», sagt Stanek heute. Doch der Ausfall des Computers, der zigfach weniger Leistung hat als ein modernes Handy, erschreckt nicht nur Houston. Aber dann sagt Neil Armstrong: «Houston, hier Tranquility Base. Eagle has landed». 20.17 Uhr, 20. Juli amerikanischer Zeit. Die ersten Menschen sind auf dem Mond.

Assistent an der ETH Zürich

Der ETH-Mathematiker Bruno Stanek ist zu dieser Zeit Assistent von Mathematik-Professor Eduard Stiefel an der ETH Zürich. Höchst professionell hat Stanek sich auf die Live-Sendung der Mondlandung vorbereitet, 1000 Seiten gelesen und selbst die Umlaufbahn und die Durchflug- und Landezeiten berechnet. Derweil lassen sich Armstrong und Aldrin auf dem Mond Zeit. Sechseinhalb Stunden nach der Landung wird Neil Armstrong als erster Mensch einen Fuss auf den Mond setzen. Die Amerikaner haben das Wettrennen um die Vorherrschaft im Weltraum gegen die Sowjetunion gewonnen. Stanek ist sich sicher gewesen, dass die Nasa das schaffen würde.

Den ersten Kontakt zum Fernsehen hatte der gebürtige Rorschacher, der bis heute 54 Mal in die USA gereist ist, im Oktober 1968. Dringend gesucht wird ein Weltraum-Experte, der sofort einsatzbereit ist. Wenige Tage später sitzt Stanek im Fernsehstudio und zeigt sein Fachwissen erstmals bei der Wasserung von Apollo 7 am 22. Oktober. Er kommentiert auch die Mission Apollo 8, bei der die Astronauten den Mond zehn Mal umkreisen, der Mondlander aber noch nicht fertig ist. Der zweite bemannte Einsatz mit der Saturn-V-Rakete folgt am 3. März 1969 mit Apollo 9. «Bei Apollo 10 kommen die drei US-Astronauten mit Kommandant Thomas Stafford schon bis an 15 Kilometer an die Mondoberfläche heran».

Unsicher ist die Landung 
und der Aufstieg

Alles hat funktioniert, die Hauptprobe ist gelungen, fehlen nur noch die letzten Kilometer bis zur staubigen Mondoberfläche. «Nur noch die letzten zehn Minuten des Mondflugs bei Apollo 11 sind neu, die Landung und der Aufstieg», sagt Stanek, der alle Apollo-Missionen kommentiert und grosse Zuschauererfolge feiern kann. Bald verlässt er die ETH Zürich, erhält später die eigene TV-Sendung «Neues aus dem Weltraum», arbeitet beim «Karussell» und beim «Kulturplatz». Nach dem Aus für die Apollo-Missionen Ende 1972 sinkt das Interesse an der Raumfahrt. Es keimt erst wieder mit den Spaceshuttle-Flügen in den 1980ern auf, die auch von Stanek kommentiert werden. Das sind die letzten Erfolge der Nasa, die Stanek zur Zeit für eine schwache Organisation hält.

Denn eigentlich möchte er lieber über heute reden:

«Ich zelebriere lieber die Zukunft als die Vergangenheit, weil alles Bisherige erst der Anfang war»

Seine aktuelle Begeisterung gilt Tesla-Chef Elon Musk und dessen Firma SpaceX. Musk sei ein Pionier, wie es die Raketenbauer Wernher von Braun und die Apollo-Astronauten gewesen seien. Einer, der kein Risiko scheue.

Die Russen hätten es mehr als fünfzig Jahre nicht geschafft, einen Menschen auf den Mond zu bringen. Die Chinesen lobten sich, weil sie auf die Rückseite des Mondes geflogen seien, was technisch keine besondere Hersausforderung sei. Nur die damals viel kritisierten Amerikaner hätten es innert weniger Jahre geschafft. Stanek sagt:

«Und wenn es heute wieder einer auf den Mond schafft und von dort aus später auf den Mars, dann ist das Musk.»

Denn bemannte Raumflüge mit Landungen werden nur mit wiederverwertbaren Raketen gelingen, die starten und landen können. Und das haben Musks Falcon-Raketen bereits geschafft.

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