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Papst Urban I. – der «unechte» Weinheilige

Am Freitag, 25. Mai, feiern die Winzer ihren Schutzherrn. Von denen gibt es jedoch zwei mit demselben Namen. Volksglaube und Wetter entscheiden schliesslich darüber, welcher von beiden der «Wichtigere» ist.
Andreas Faessler
Urban I. wird mit Papstkrone auf dem Haupt und Weintrauben in der Hand dargestellt. Figur in einem Gasthof bei Innsbruck. (Bild: Andreas Faessler)

Urban I. wird mit Papstkrone auf dem Haupt und Weintrauben in der Hand dargestellt. Figur in einem Gasthof bei Innsbruck. (Bild: Andreas Faessler)

Für die Winzer ist der heutige Freitag ein besonders wichtiger Tag: Das Wetter soll dasjenige sein, welches sie im Herbst erwartet, wenn es an die Weinlese geht. Und zugleich ist er für die Weinbauern Tag des Sommeranfangs. Der 25. Mai gilt als katholischer Gedenktag des spätantiken Papstes Urban I., dem Schutzherrn der Winzer. Das Pontifikat des 17. Nachfolgers Petri dauerte der Überlieferung zufolge von 220 bis 230.

Die Geschichtsschreibung weiss wenig Bedeutendes über Urban zu berichten, ausser dass während seiner Amtszeit eine Kirchenspaltung herrschte und er mit dem mutmasslichen Gegenpapst Hippolyt I. gegen einen konservativen Widersacher zu kämpfen hatte. Papst Urban wird der Erlass nachgesagt, dass der Abendmahlskelch aus Silber oder Gold gefertigt sein müsse. Urban soll am 25. Mai des Jahres 230 auf Geheiss Kaiser Severus Alexanders gegeisselt und enthauptet worden sein, nachdem er Valerian, den heidnischen Angetrauten der hl. Cäcilia von Rom, getauft und zum christlichen Glauben bekehrt hatte.

Drohende Wetterschäden vor Sommerbeginn

Aber wie ist Papst Urban I. als Märtyrer zum Patron der Weinbauern geworden? Hagiografisch (Hagiografie = Lebensbeschreibung von Heiligen) kann nämlich keinerlei Bezug zwischen Urban I. und dem Weinstock hergestellt werden, erst recht nicht angesichts seines überaus spärlich dokumentierten Lebens. Eine mögliche Erklärung ist beim Datum des Urbanstages zu suchen: Insbesondere im Mittelalter galten die Tage im späten Mai als Übergang von Frühling zum Sommer. Es war der Beginn der Rebenblüte, welcher aber insbesondere in dieser Übergangsphase noch die späten Frosttage und mit dem Jahreszeitenwechsel einhergehende Unwetter drohten. Da bot sich der Urbanstag am 25. Mai geradezu an für eine entsprechende Segensanrufung.

Der «wahre» Winzerpatron ist ein anderer

Ein zweiter Erklärungsansatz für das Winzer-Patronat Papst Urbans I. ist eine Legendenübertragung zwischen ihm und einem anderen Heiligen gleichen Namens: Bischof Urban von Langres und Autun lebte und wirkte im 4. Jahrhundert. Die Legende erzählt, dass er sich auf der Flucht vor seinen Verfolgern hinter einem Weinstock versteckte, was ihm das Leben rettete. Somit ist das Patronat des französischen Bischofs immerhin in einer Überlieferung begründet, weshalb er vielerorts als «eigentlicher», «echter» Heiliger der Winzer angesehen wird. Sein Gedenktag ist der 2. April. An diesem Tag pflegt man in manchen Weinregionen bis heute Bittprozessionen. Auch Urban von Langres wird – so wie Papst Urban – meist mit Weintrauben in der Hand dargestellt.

Dennoch fällt der Verehrung Papst Urbans als Weinheiliger heute die grössere Popularität zu. Da sein Gedenktag in eine für Weinbauern wichtige Jahreszeit fällt, wo günstige Witterungsverhältnisse für eine erfolgreiche Ernte im folgenden Herbst und somit schön gefüllte Weinfässer massgeblich sind, hat dieses Datum höheres Gewicht als dasjenige im April, welches Urban von Langres gewidmet ist. Bereits im frühen 16. Jahrhundert wird von einem Urbansbrauch am 25. Mai berichtet, bei dem die Figur des Heiligen in die Mitte eines reich gedeckten Tisches gestellt und mit Rebenblüten und Kräutern geschmückt wird. Dies allerdings nur bei guten Wetterzeichen. Der deutsche Humanist Johannes Böhm (1485–1534) nämlich notiert, dass man die Heiligenfigur bei schlechtem Wetter aus Wut gar mit Dreck beschmutzt habe.

Popularität trotz Distanzierung der Kirche

Bemerkenswert ist, dass die kirchlich-religiöse Bedeutung des hl. Papstes Urban in den vergangenen zwei Jahrhunderten signifikant gesunken ist. Zu lücken- und zweifelhaft sind Leben, Wirken und gar das Pontifikat des Heiligen aus Sicht der Geschichtswissenschaft. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist Papst Urban von der Liste gedenkwürdiger Heiliger entfernt worden. Im Volksglauben aber ist die Figur Papst Urbans als Patron der Weinbauern wichtig geblieben. In Weinbetrieben und Schenken ist er häufig abgebildet oder als Figur anzutreffen. Besonders populär ist der Weinpatron in Ungarn, wo Urbanfeste am 25. Mai weit verbreitet sind.

Als «Hausheiliger» des Klosters St. Urban im luzernischen Pfaffnau findet man den Papst als Statue prominent am Hochaltar – auf gleicher Höhe steht der hl. Ulrich von Augsburg. Auch er gilt unter anderem als ein Schutzheiliger der Winzer. Beide Figuren werden von je zwei Säulen flankiert, um die sich reich behangene Weinranken winden.

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