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VELOTOUR: Mit dem Velo quer durch Österreich

Wer von Vorarlberg bis nach Wien radelt, wird mit einsamen Alpentälern und wilder Natur belohnt. Auch der Donauradweg bietet mehr als Burgen und Schlösser. Er führt vorbei an einem Atomkraftwerk, das nie in Betrieb genommen wurde und wo heute Festivals gefeiert werden.
Text und Bilder: Nina Rudnicki
Der strengste, aber schönste Pass auf der Reise nach Wien: Vom Hahntennjoch geht’s ins Inntal. (Bild: Nina Rudnicki)

Der strengste, aber schönste Pass auf der Reise nach Wien: Vom Hahntennjoch geht’s ins Inntal. (Bild: Nina Rudnicki)

Text und Bilder: Nina Rudnicki

Die Idee war plötzlich da. Wieso sich nicht einfach auf den Weg begeben? Gleich nach dem Wochenende nach Wien, mit dem Fahrrad. Sechs Tage würden für die 700 Kilometer nötig sein – Buchungsnummern für Hotels hingegen völlig überflüssig. Denn die Reise sollte durch Orte abseits des Massentourismus führen. Durch Wälder, über Berge, entlang von Autobahnen, mitten durch Agglomerationen und zu seltsamen Plätzen am Donauradweg. Der Weg sollte das Ziel sein und das Schönste immer direkt vor uns liegen.

Mit diesem Plan und einem Vorrat an Biberli im Gepäck geht es an einem Frühlingsmorgen noch vor Sonnenaufgang los. Die Stadt St. Gallen liegt erst wenige Kilometer zurück, als am Horizont der Bodensee auftaucht. Während Auto um Auto stadteinwärts fährt, färbt er sich langsam von Grau in Grau-Rosa. Und eine halbe Stunde später in Altenrhein, wo der Alte Rhein in den Bodensee fliesst und der Veloweg beginnt, scheinen bereits die Sonnenstrahlen durch die Bäume. Nun geht es flussaufwärts bis Rhein­eck, wo die Route über den Zoll nach Österreich bis nach Dornbirn führt. Dort beginnt unsere eigentliche Reise: die Fahrt hinein – oder genauer hinauf – ins Unbekannte. Der Losenpass führt einen bis auf 1139 Meter und ist erst ein kleiner Vorgeschmack auf die zwei Pässe, die noch folgen werden.

Erste Tagesetappe endet im wunderbaren Lechtal

Die Tasche auf dem Gepäckträger wiegt nur knapp sechs Kilo, trotzdem fühlt sie sich an wie ein Felsklotz. Langsam geht es Kurve um Kurve hinauf durch einen erdig riechenden Wald bis zum Bödele, einem kleinen Skigebiet. Dort auf der Passhöhe gibts’ eine Busstation und ein Ausflugsrestaurant. An diesem Morgen in der Nebensaison ist allerdings nichts los. Mai oder September sind denn auch die besten Monate, um mit dem Velo nach Wien zu fahren. Touristen und Motorradfahrer sind während dieser Zeit spärlich unterwegs. Und in den Pensionen und Hotels gibt es praktisch immer freie Zimmer. Das Gefühl, etwas Aussergewöhnliches geschafft zu haben, kommt zum ersten Mal im Geschwindigkeitsrausch auf: auf der Fahrt vom Bödele hinunter nach Schwarzenberg. Von dort aus geht es 30 Kilometer weiter in das von Wiesen umgebene Örtchen Au in der Region Bregenzerwald, wo der Anstieg zum Hochtannbergpass beginnt. Dessen Passhöhe befindet sich auf 1660 Metern mitten in einer Hochalp. Noch mehr als die Natur faszinieren auf dieser Passstrasse aber die zu Brücken ausgebauten Strassen. Wer anhält und über das Geländer schaut, sieht steil abfallende Felsen, Geröllhalden und weit entfernt das Tal. Auf der anderen Seite des Hochtannbergpasses befindet sich das Dorf Warth, mit seinen 160 Einwohnern der zweitkleinste Ort Vorarlbergs. Weil Warth aber in einem Ski- und Wandergebiet liegt, gibt es dort mehrere Cafés und Gasthöfe. Es empfiehlt sich jedoch, nicht hier zu übernachten, sondern noch die sanfte und lange Abfahrt ins wunderschöne Lechtal zu machen. Dort endet die erste Tagesetappe etwa in den Dörfern Steeg, Stockach oder Bach in einer der zahlreichen Privatpensionen.

Ein surrealer Ort mit Maria Schnee und verschlafenen Koreanern

Das Lechtal liegt zum grössten Teil im ­Tirol auf rund 1000 Metern. Bis Mai beträgt die Temperatur morgens und abends gegen null Grad. Kurz vor Elmen biegt die Strasse rechts in Richtung Hahntennjoch ein: Es ist der letzte, anstrengendste und schönste Pass auf der Reise nach Wien. Die Passstrasse führt auf 1900 Meter. Frühmorgens ist ausser ein paar wenigen Autofahrern und zwei Rennveloprofis niemand unterwegs. Letztere sind mindestens mit dreifacher Geschwindigkeit unterwegs und rufen uns im Vorbeifahren zu: «Es ist nicht mehr weit bis oben!» – wohl als Witz gemeint, denn nach zwei, drei weiteren Kurven zeichnet sich zwischen Tannenspitzen der Kirchturm von Bschlabs ab. Der Ort mit 80 Einwohnern liegt auf 1300 Metern und ist wegen seiner Wallfahrtskirche Maria Schnee aus dem Jahr 1639 bekannt. Es ist ein einsamer und surrealer Ort. Noch surrealer sind allerdings die Koreaner, die verschlafen aus einem italienischen Reisebus steigen und dann mit ihren Kameras losknipsen.

Nach Bschlabs führt die Strasse durch eine immer schroffer werdende Landschaft hinauf auf das Hahntennjoch, wo man sich, von den fast 3000 Meter ­hohen und mit Schnee bedeckten Bergspitzen der Lechtaler Alpen umgeben, erleichternd unbedeutend fühlt. Ein Gefühl, das auch während der 40-minütigen Abfahrt nach Imst anhält. Imst erinnert mit seinen gelben und roten Hausfassaden und seiner Piazza voller Cafés etwas an das Tessin. Es gibt Bäckereien, Metzgereien, Käsereien und Restaurants – der Ort eignet sich also gut für eine Mittagspause.

Ein Drink am Fluss mit Sicht auf die Schlösser

Anschliessend geht die Reise durchs Inntal in das 60 Kilometer entfernte Innsbruck weiter. Die Hauptstadt von Tirol ist mit 130 000 Einwohnern nach Wien, Graz, Linz und Salzburg die fünftgrösste Stadt Österreichs. Als Tourenvelofahrerin fällt man dort kaum auf. Denn Innsbruck ist mit fast 25 Prozent jene Stadt Österreichs mit dem grössten Veloanteil. Hügelig verläuft dann die Strecke von Innsbruck über das in Deutschland gelegene Bad Reichenhall nach Salzburg. Dieser Abschnitt ist etwas zermürbend, weil die Route über Schwaz, Wörgl, St. Johann und Lofer meist entlang der Hauptstrasse führt. Alternativ kann man weiter dem Inn folgen und dann vorbei am Chiemsee – auch einen Zwischenhalt wert – nach Salzburg fahren. Wenn man das von Innsbruck 170 Kilometer entfernte Salzburg erreicht, gibt es nichts Besseres, als sich an einer Bar am Ufer der Salzach mit Sicht auf die Schlösser, Kirchtürme und die Festung Hohensalzburg bei einem Drink zu entspannen. In Salzburg empfiehlt es sich zu jeder Jahreszeit, im Vorfeld ein Hotelzimmer zu buchen, weil die Mozartstadt eine der europäischen Topdestinationen für Touristen ist.

Am nächsten Tag geht es weiter von Salzburg über Vöcklabruck, Schwanenstadt und Wels nach Linz, wo der Donauradweg beginnt. Auch auf dieser 130 Kilometer langen Strecke heisst es durchbeissen, vor allem zwischen Wels und Linz, wo man durch eine scheinbar nicht endende Agglomeration fährt. Riesensupermärkte, Einkaufshäuser, McDonald’s, Burger King und Starbucks reihen sich aneinander. Für Velofahrer hat diese Strecke immerhin den Vorteil, sich alle paar Kilometer einen Kaffee gönnen zu können.

Musikfestivals neben dem Geister-AKW

Vier Tage nach dem Start in St. Gallen ist die Stadt Linz erreicht. Von hier sind es auf dem Donauradweg noch rund 200 Kilometer bis nach Wien. Und Fahrradfahren auf dem Donauradweg bedeutet vor allem eins: keine Steigungen mehr, sondern flache Routen, die entlang der Donau durch Naturschutzgebiete und vorbei an Bilderbuch-Städtchen führen. Zudem gibt es zahlreiche Radlerbeizen, Restaurants und extra auf Velofahrer ausgerichtete Unterkünfte. Man braucht sich nur an einer der Touristeninformationen eine Broschüren über die schönsten Orte, Burgen, Schlösser und Klöster zu schnappen, um mehrere Tage mit Sightseeing verbringen zu können. Ein zufällig und nicht in den Broschüren entdeckter Ort ist Amstetten. Wer sich vorinformiert hat, findet sich dort in der Innenstadt vor jenem Haus wieder, in dem Josef Fritzl seine Tochter fast 25 Jahre lang in einem geheimen Kellerverlies eingesperrt ­ hatte.

Die letzte Etappe vor Wien führt durch die Wachau. Die wunderschöne, hügelige Gegend entlang der Donau ist vor allem für den Aprikosenanbau bekannt. Man sollte nicht durch die Wachau fahren, ohne ein Stück Marillenkuchen gegessen oder einen Likör gekauft zu haben.

Kurz vor Wien liegt das beschauliche Zwentendorf. Dort steht das einzige Atomkraftwerk Österreichs. Es wurde nach einer Volksabstimmung nie in Betrieb genommen und gilt als grösste Investitionsruine des Landes. An den Freitagnachmittagen werden dort kostenlose Führungen angeboten. Ausserdem werden auf dem Gelände, auf dem seit sieben Jahren eine Fotovoltaikanlage installiert ist, regelmässig Musik- und Umweltfestivals organisiert. Von Zwentendorf sind es noch knapp 50 Kilometer bis nach Wien. Für eine letzte Pause eignet sich die 21 Kilometer lange Donauinsel. Zwischen alten Bäumen und den schilfigen Ufern weist nichts darauf hin, dass Wiens Innenstadt nicht einmal eine halbe Stunde entfernt liegt.

Nach einem Picknick kommen wir dort zwar frisch gestärkt, aber mit erschöpften Beinen in einem Hotel beim Karlsplatz an. Die Velos landen vorerst in der Garage, und die Stadt wird zumindest an diesem Abend zu Fuss erkundet.

700 Kilometer ostwärts nach Wien

  • Übernachten: Wer nicht spontan losfahren möchte, sondern die Übernachtungen im Vorfeld buchen will, findet unter den folgenden Links Informationen zu Hotels, Reiseveranstaltern und Etappen. Übersicht von Unterkünften im Lechtal auf . Übersicht von Unterkünften in Tirol auf . Übersicht von Unterkünften wie Wels oder Linz in Oberösterreich unter .
  • Alles rund um den Donauradweg ist unter aufgelistet.
  • Kartenmaterial: Allgemeine Informationen über das Radfahren in Österreich und Tipps für spezielle Radtouren unter . Dort gibt es auch eine interaktive Landkarte für ganz Österreich.
  • Rückreise: Am unkompliziertesten ist es, mit dem Zug zurück in die Schweiz zu reisen. Es gibt direkte Verbindungen von Wien durch den Arlberg bis nach Bregenz, wo es einen SBB-Anschluss gibt. Eine weitere direkte Verbindung fährt über München bis Zürich. Diese Strecke ist aber fast doppelt so teuer. Die Fahrt bis nach St. Gallen dauert je nach Strecke sieben bis acht Stunden. Es empfiehlt sich, im Vorfeld einen Veloplatz zu reservieren. Weitere Informationen unter
Kurvenreicher Anstieg zum Hochtannbergpass: Die zu Brücken ausgebauten Strassen sind ebenso faszinierend wie das Bergpanorama. (Bild: Nina Rudnicki)

Kurvenreicher Anstieg zum Hochtannbergpass: Die zu Brücken ausgebauten Strassen sind ebenso faszinierend wie das Bergpanorama. (Bild: Nina Rudnicki)

Ab Linz sind es auf dem Donauradweg noch etwa 200 Kilometer bis nach Wien. (Bild: Nina Rudnicki)

Ab Linz sind es auf dem Donauradweg noch etwa 200 Kilometer bis nach Wien. (Bild: Nina Rudnicki)

Verlockungen in der Wachau: Marillenkuchen und Wein. (Bild: Nina Rudnicki)

Verlockungen in der Wachau: Marillenkuchen und Wein. (Bild: Nina Rudnicki)

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