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VERBRAUCH: Keine Verbrauchslüge mehr

Ab 1. September 2018 wird der neue Verbrauchsmesszyklus WLTP obligatorisch. Nach 26 Jahren löst er das praxisfremde NEFZ-Messverfahren ab. Werden nun die Verbrauchsangaben der Autohersteller endlich realistischer?
Raoul Schwinnen
Das WLTP-Messverfahren ist näher am realen Verbrauch auf der Strasse als das alte NEFZ-Verfahren. (Bild: PD)

Das WLTP-Messverfahren ist näher am realen Verbrauch auf der Strasse als das alte NEFZ-Verfahren. (Bild: PD)

Raoul Schwinnen

Wer hat sich nicht schon darüber geärgert? Während Autohersteller in ihren Hochglanzprospekten mit tiefen Verbrauchswerten locken, liegen wir mit den von uns im Alltag «erfahrenen» Werten oft bis zu 30 Prozent höher.

Doch mit der Einführung des neuen Testzyklus WLTP (World Harmonized Light Vehicle Test Procedure), der den seit 26 Jahren gültigen NEFZ (Neuer Euro­päischer Fahrzyklus) ablöst, sollen die Verbrauchsangaben von Benzin-, Diesel-, aber auch Hybridautos künftig realistischer wiedergegeben werden – also höher. ­Experten rechnen, dass ab 1. September 2018 – wenn der seit ­letztem Herbst 2017 eingeführte neue Messzyklus WLTP obliga­torisch ist – unsere Fahrzeuge zwar nicht in der Realität, aber auf dem Papier einen rund 20 Prozent höheren Verbrauch aus­weisen.

Autos sollten global vergleichbar sein

Was vielen Autofahrern unbekannt sein dürfte: Der 1992 eingeführte NEFZ diente nie dazu, den realen Verbrauch eines Fahrzeugs im Alltag abzubilden. Vielmehr wollte die Industrie Autos global besser untereinander vergleichbar machen. Deshalb wurde der Normverbrauch auch unter identischen Laborbedingungen ermittelt. Nur: Verbräuche global zu vergleichen ist praktisch ein Ding der Unmöglichkeit, da die Testvorgaben in Asien, Amerika und Europa zu unterschiedlich sind.

Daher war die Idee einer Harmonisierung mit dem WLTP vor rund einem Jahrzehnt zwar gut gemeint, doch droht auch dieser bereits bei seiner flächendeckenden Einführung zur Farce zu werden. Grund: Bereits existieren zahllose Sonderregelungen und Ausnahmen, sodass von einer weltweit vergleichbaren Regelung nicht die Rede sein kann.

Ein Beispiel: Der WLTP gilt zwar für die EU (plus England, ­Island, Israel, Liechtenstein, Schweiz und Türkei) und in leicht abgewandelter Form auch in Japan und Südkorea. Australien, Russland und einige Staaten im Mittleren Osten und Südamerika bleiben dagegen beim bisherigen NEFZ. Amerika und Brasilien verwenden nochmals andere ­Zyklen und die Auto-Nation Nummer 1, China, nutzt den WLTP nur als Testverfahren. Zur Verbrauchsermittlung wird aber auch dort weiterhin der NEFZ verwendet. Und für die Zukunft planen die Chinesen ein eigenes Messverfahren. Doch selbst in Europa gibt’s bereits Abweichungen, da viele Länder die Test­temperatur von 23 Grad als zu hoch taxierten. Als Folge gibt’s nun zusätzlich eine weitere Messung bei 14 Grad.

Alltagstauglichere Werte

Fakt ist, dass der WLTP im Vergleich zum NEFZ realitätsnäher ist. Sein Messverfahren dauert mit einer halben Stunde auch 15 Minuten länger, die gefahrene Teststrecke erhöht sich von 11 auf 23 Kilometer und das Maximaltempo steigt von 120 auf 131 Kilometer pro Stunde. So werden Autobahnfahrten besser simuliert, was sich auch in einem höhe­ren Durchschnittstempo (46 statt 34 km/h) bemerkbar macht.

Parallel dazu werden die Prüfvorgaben strenger. So wird nicht mehr bloss die Basisvariante eines Modells, sondern auch weitere Versionen getestet, da Sonderausstattungen nun ebenfalls Einfluss auf die Messwerte haben. Doch die wohl wichtigste Änderung ist der RDE (Real Driving Emissions).

Nun auch ein Test auf der Strasse

Obwohl auch der WLTP hauptsächlich auf einem Rollenprüfstand gefahren wird, kommt neu ein Realtest auf der Strasse dazu, der dafür sorgt, dass die Grenzwerte für Stickoxide und Partikelanzahl eingehalten werden. Schaltpunkte sind nicht mehr fest vorgeschrieben, sondern können fahrzeugspezifisch oder nach dem Gusto des prüfenden Piloten gewählt werden. So darf künftig früher (und damit praxisgerechter) als bisher in höhere Gänge geschaltet werden.

Eine wichtige Änderung ergibt der WLTP zudem für Plug-in-Hybrid-Autos, Fahrzeuge mit Elektro- und Verbrennungsmotor. Diese Fahrzeuge absolvieren den Test zweimal – einmal wird mit vollem Akku gestartet, das zweite Mal mit leerer Batterie. Aus beiden Tests errechnet sich dann der auszuweisende Verbrauch und CO2-Mittelwert.

Tönt alles prima – bis auf die Tatsache, dass sich die WLTP-Verantwortlichen nicht darauf ­einigen konnten, wie eine aktivierte Klimaanlage in die Messung einzubeziehen sei. Und deshalb wird einer der grössten Energieverbraucher im Auto bis auf ­weiteres einfach nicht im WLTP-Testverfahren berücksichtigt.

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