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Verklemmt noch mal! – der Fluch mit den Reissverschlüssen

Reissverschlüsse lassen uns im dümmsten Moment wie Idioten dastehen. Und sie haben das Zeug zum grossen Drama.
Sabine Kuster
Der Reissverschluss ist kein harmloses Alltagsding. Manchmal hilft in der Katastrophe nur noch eine Sicherheitsnadel. (Bild: Getty)

Der Reissverschluss ist kein harmloses Alltagsding. Manchmal hilft in der Katastrophe nur noch eine Sicherheitsnadel. (Bild: Getty)

Zähne hat er, und manchmal zeigt er sie auch. Dann beisst er sich in der Windjacke fest, im Ballkleid, im Daunenschlafsack. Und lässt so schnell nicht mehr los. Im dümmsten Moment. Der Reissverschluss. Schweizer Präzisionsprodukt, beschleunigt unseren Umgang mit Kleidern, Taschen, Schuhen. Meistens. Denn Reissverschlüsse sind keine harmlosen Alltagsgegenstände.

Rein in die Stiefeletten, Reissverschluss (seitlich) rauf, ab in den Ausgang. Frau tanzt die Nacht platt und kehrt müde heim. Will die Schuhe ausziehen. Reisst daran. Reisst fester. Nichts reisst. Der Reissverschluss presst seine Zähne zusammen. Am Ende schlief die Kollegin mit einem Schuh am Fuss im Bett ein. Was blieb ihr anderes übrig? Tags darauf erledigte die Beisszange den Reissverschluss. Und gleichzeitig den Schuh.

So ist es immer: Ist der Reissverschluss kaputt, ist das ganze Kleidungsstück ruiniert. Ihn zu ersetzen, lohnt meist nicht. Kürzlich habe ich es trotzdem probiert. Durch den Schriftzug «GAP» auf der Kapuzen-Jacke zieht sich nun ein Graben mit einem dicken Reissverschluss mitten durch das A.

Er führt uns vor, als hätten wir zwei linke Hände

Richtig schlimm ist das Scheitern davor. An dieser einfachen Alltagshandlung. Ich stehe plötzlich irgendwo, nestle da rum, gerade noch souveräne Frau, jetzt vorgeführt von diesem Ding. Im schlimmsten Fall muss ich mich umständlich durch den halb geöffneten Reissverschluss hinauszwängen.

Ich will nicht intolerant erscheinen, aber ich mag den Reissverschluss nur, wenn es glatt läuft. Wenn seine Zähne harmonisch Polonaise laufen, wenn sich eins ins andere gibt wie an einem perfekten Tag. Stellt einer einem anderen ein Bein, ist der Tag ruiniert.

Ich habe an einer Regenjacke einen Reissverschluss, der lässt sich nur schliessen, wenn man ihn unten an jener Seite hält, an der der Schieber dran ist. Nicht an der Gegenseite. Er macht mich verrückt. Ich habe an einer brandneuen Outdoorjacke einen Reissverschluss, der verbeisst sich jedes Mal im Stoff, wenn ich ihn schneller als mit 2 km/h öffnen will.

Anruf bei Leo Mayer von riri mayer, St. Gallen. Die Firma vertreibt die Traditionsreissverschlüsse, die in Mendrisio und Tirano hergestellt werden. «Vergleicht man einen riri-Reissverschluss mit einem aus dem Fernen Osten», sagt Mayer, «dann ist es, als würde man einen Audi mit einem Dacia vergleichen.» Die Firma hat keine Absatzprobleme. Der Umsatz habe trotz Konkurrenz im Ausland gesteigert werden können, sagt der Geschäftsführer. Nachgefragt werden bei riri vor allem die Metallreissverschlüsse, obwohl diese teurer sind.

Aber, sage ich zu Herrn Mayer, warum verbeissen sich selbst diese Reissverschlüsse in den Stoff? «Das hat mit dem Reissverschluss wenig zu tun», sagt dieser. «Man könnte das mit einfachen Tricks vermeiden. Zum Beispiel kann der seitliche Stoff der Jacke auf der Rückseite zweimal abgesteppt werden. Und der Stoff sollte nicht so nahe an den Verschluss genäht werden.» Auch würden heute aus ästhetischen Gründen oft zu kleine Reissverschlüsse verwendet. Oder der Metallschieber sei aus zu dünnem Material und verforme sich schnell. Also nicht bei riri, natürlich.

Viele Erfinder tüftelten am Schnellverschluss

Wer genau den Reissverschluss erfunden hat, kann nicht eindeutig gesagt werden. Der Amerikaner Elias Howe erhielt 1881 ein Patent für eine Schlussvorrichtung mit kleinen Klammern und einem verschiebbaren Baumwollband. 1890 erfand Max Wolff in Moskau den Spiralreissverschluss. Es wurde weiter getüftelt, aber erst das Patent der Schweizer Catharina Kuhn-Moos und Henri Forster zeigte 1911 den klassischen Reissverschluss. Niemand erkannte der Wert der Erfindung, das Patent verfiel. Ein anderes Patent des schwedischen Erfinders Gideon Sundback kaufte schliesslich 1924 Martin O. Winterhalter aus St. Gallen. Er produziert erstmals Reissverschlüsse serienmässig und nennt sie ri-ri, abgeleitet von Rinne-Rippe.

Ein wenig mitschuldig an den täglichen Reissverschluss-Dramen: Fabrikant Marin Othmar Winterhalter. (Bild: Getty)

Ein wenig mitschuldig an den täglichen Reissverschluss-Dramen: Fabrikant Marin Othmar Winterhalter. (Bild: Getty)

Danke, Herr Winterhalter. Es ist wohl arrogant, über ein Produkt zu mäkeln, in dem so viel Erfindergeist steckt. Und doch trifft Sie ein Stückchen Schuld auch an den folgenden Reissverschlusskatastrophen.

Es ist Monate her, seit ich mit dem Pyjamareissverschluss im schnellen Manöver ein Stück Haut des Kinderbauches erwischt habe. Aber noch heute sagt die Kleine beim Pyjamaanziehen: «Aua!», und deutet vorsichtshalber auf den Bauch.

Problem gelöst, Schal zerstört

Mein Fehler. Und es ist wohl auch mein Fehler, wenn sich der Reissverschluss der Jacke im schönen Schal verbeisst und ich die beiden zwar irgendwann auseinanderzerren kann, aber ein Loch im Schal zurückbleibt.

Es kann noch schlimmer kommen. Der Junge war acht Jahre alt und in einem Blauring-Lager. Er trug noch immer gerne die Pyjamas mit den Füssen dran. Bis jetzt. Doch dann schnappten eines Abends nach dem Pinkeln die Reissverschlusszähne in sein – Sie wissen schon. Der Junge konnte sich nicht selber befreien, nein, die Lagerleiter mussten helfen. Der Mann sagt heute: «Es blieb kein Schaden zurück.» Es tönt erleichtert. Aber auch etwas nachtragend.

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